Steinhummel
(Bombus lapidarius)
Foto: Michael Schön, Steinhummel
Lebensraum und Vorkommen
Vom Flachland bis ins Mittelgebirge (bis ca. 1300m Höhe).
Vom Waldrand bis ins offene, wiesen- und weidendurchsetzte Gelände, an Feldgehölzen, Gebüschen, Hecken, Böschungen, Weg- und Straßenrändern, auf Weinbergsbrachen und Magerwiesen. In Dörfern und Städten auch in Gärten und Parkanlagen, sowie in Obstplantagen. Im Grunde überall dort, wo sie einen geeigneten Platz für ihr Nest und Nahrungspflanzen vorfindet, ein Ubiquist und Kulturfolger.
Nistweise und Neststandort
Sowohl ober- wie unterirdische Nistweise, in allen dafür geeignete Hohlräumen wie in verlassenen Kleinsäugerbehausungen, Vogelnestern, allen Arten von Vogelnistkästen, Mauer- und Felsspalten. Mit Vorliebe unter Steinhaufen, Holzstößen und Brettern, zwischen Strohballen, in Scheunen, Ställen und Schuppen, und auf Dachböden mit Isolierwolle. Die Steinhummel ist ein Nestbauer und Nestbezieher. Hummelnistkästen " ober- wie unterirdische" werden von ihr gern angenommen.
Aussehen und Merkmale
Die vorherrschende Körperfarbe ist samtschwarz. Nur an den letzten Hinterleibsegmenten (4 bis 6 Tergit) sitzen tiefrote Haare, bei älteren Hummeln ausbleichend nach rot- oder gelborange verfärbt. Männchen (Drohnen) mit gelblicher Querbinde auf der Vorderbrust (Thorax) und hellen Haaren auf dem Kopf. Die Steinhummelkönigin kann leicht mit der Distelhummelkönigin verwechselt werden, aber in der Regel ist die Steinhummelkönigin größer als diese. Alte Steinhummelköniginnen können, wie auch deren Arbeiterinnen, sowie andere Arten, deren Königinnen und Arbeiterinnen, im Alter eine Spiegelglatze wegen Haarabnutzung bekommen. Doppelgängerarten der Steinhummel sind zum Beispiel: Bergwaldhummel, Grashummel und Obsthummel. Steinhummelarbeiterinnen können mit Grashummelköniginnen und Grashummelarbeiterinnen überaus leicht verwechselt werden, wenn man deren rote Körbchenhaare übersieht und nicht auf den helleren Flugton der Grashummel achtet. Dies ist nur ein Beispiel für Verwechslungsgefahren.
Besondere Kennzeichen der Männchen (Drohnen): Zusätzlich gelbweiße Querbinde am kopfnahen Thorax (Brustabschnitt), wenig über den Flügelansatz hinausgehend; sonst wie Königin.
Brutpflege – Typ: ( POLLENSTORER )
Körpermaße in mm: Königin Arbeiterin Drohn
Körperlänge 20 – 22 12 – 16 14 – 16
Flügelspannweite 37 – 40 24 – 30 27 – 30
Rüssel: (Mittellang) 12 – 14 10 – 12 8 – 10
( bis lang)
Kopf kurz kurz kurz
Flugzeiten
Königinnen erscheinen in frühen Jahren bereits von Mitte März an und in normalen Jahren von Anfang April bis Anfang Mai.
Arbeiterinnen von Anfang / Ende April und die Flugzeit endet ca. Ende August / Mitte September.
Jungköniginnen und Drohnen von Ende Juni bis Mitte September.
Größe der Königin: ( GROß )
Fluggeräusche der Königin: ( TIEF )
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Volksstärke: 100 bis 300 Individuen.
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Kuckuckshummelart: Felsen-Kuckuckshummel Psithyrus rupestris (Fabricius 1793)
Besonderheiten und Wissenswertes
Die Steinhummel gehört zu den Pollenstorern (Brutpflegetyp).
Die Königin besitzt einen tiefen Brummton.
Mit der Wahl der Steinhummel, Pyrobombus lapidarius, zum Insekt des Jahres 2005, wird der Blick der Öffentlichkeit erstmals auf einen Vertreter der Insektenordnung der Hautflügler gelenkt. Mit der Steinhummel wurde ein Bewohner gewählt, der seinen Lebensraum in naturnahen und reich strukturierten Gärten und Parks hat, der für den Menschen und Natur so wichtig ist. Leider sind die Bestände der Steinhummeln und auch andere Arten von Hummeln im Jahr 2008 dramatisch zurückgegangen, das lag an einem ungewöhnlichen späten Wintereinbruch Ende März / Anfang April mit Temperaturen in den Nächten – 8 °C., und tags kaum über 0 C. hinaus. Hinzu kam noch eine geschlossene Schneedecke. In der nahen Zukunft wird sich zeigen, ob sich die Hummelbestände wieder erholen.
Auch bei Hummeln gibt es Frühaufsteher und Spätaufsteher. Die Arbeiterinnen der Baumhummeln und der Wiesenhummeln fliegen bereits vor Sonnenaufgang aus und sammeln bis zum Einbruch der Dunkelheit. Steinhummeln sind dagegen „Langschläfer“. Die Arbeiterinnen beginnen erst 2 bis 3 Stunden nach Sonnenaufgang zu sammeln und beenden ihre Tätigkeit bereits am frühen Abend zwischen 18 und 19 Uhr. Außerdem fliegen sie erst ab einer Temperatur um etwa 10 °C., während andere Arten schon bei niedrigerer Temperatur zu sammeln beginnen.
Gefährdungsgrad und Gefährdungsgründe
- Noch recht verbreitet, jedoch deutlich abnehmend; am stärksten gefährdet in regennassen Jahren.
- Leidet unter Trachtlücken ab Juli; benötigt Massentrachten.
- Nahrungskonkurrenz durch Bienenvölker, wo diese (selbst in Naturschutzgebieten!) in Menge
konkurrieren.
- Insektizide.
- Häufig durch Kuckuckshummeln parasitiert.
- Tiere: (Dachs, Waschbär).
- Wachsmotten.
- Rasen mähen, gefährlichen Kreisel- und Schlägelmäher.
- Durch Eingriffe in die Biotope.
- Straßenverkehr und Autobahnen.
- Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
- Vernichtung von Hummelnestern, am Haus, im Haus und im Hausgarten.
Ursachen für den Rückgang: Infolge der Zunahme des Siedlungsbereichs (Verdopplung seit den Fünfziger Jahren) erfuhren die Biotope der früheren Kulturlandschaft einen starken Rückgang. Besonders betroffen sind hiervon Streuobstwiesen, Heiden, Grünland, Weinberge und die Biotope der Ackerlandschaft.
Weitere Ursachen: Versiegelung durch Überbauung, übermäßige Pflege der öffentlichen Grünanlagen und Hausgärten, verstärkte Freizeitnutzung, Pflanzung florenfremder Gehölze oder Stauden mit zum Teil starkem Ausbreitungsvermögen sowie Beeinträchtigungen durch den Straßenverkehr. Angesichts des zunehmenden Flächenverbrauchs in der offenen Landschaft etwa durch Straßenbau, Errichtung von Einkaufszentren und Bau von Gewerbegebieten sowie der Übernutzung der Kulturlandschaft durch die intensive Agrarwirtschaft darf jedoch auch innerhalb des Siedlungsbereichs der Artenschutz einheimischer Tiere nicht vernachlässigt werden. Insbesondere im Siedlungsbereich sind von naturnäheren Flächen in der Regel nur noch kleine Reste übrig, die vor allem größeren Tieren zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse häufig nicht mehr ausreichen. Auch viele Insektengruppen weisen hier bereits deutliche Verarmungstendenzen auf oder sind bereits ganz verschwunden.
Trachtpflanzen
Bei der Steinhummel konnten rund 248 verschiedene Pflanzenarten, davon 21 Kulturpflanzenarten bei den Blütenbesuchen beobachtet werden. Auch bei Blüteneinbrüchen konnte diese Art wiederholt beobachtet und festgestellt werden.
Quellenangaben
Helmut und Margrit Hintermeier
Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
Obst- und Gartenbauverlag – München
ISBN: 3-87596-098-X
Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn
Hummeln, bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
Fauna Verlag
ISBN: 3-935980-28-0
Peter-Frank Röseler
Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln
TRIGA/Verlag
ISBN: 3-89774-280-2
Weiterführende Links zur Steinhummel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Steinhummel
http://www.wildbienen.de/huarten.htm
Hinweis: Fachausdrücke findet ihr links auf der Seite, unter Fachausdrücke von A bis Z
Dieser Beitrag wurde von Hummelfreund Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.
Foto: Jürgen Peters, Arbeiterin
Foto: Jürgen Peters, Drohn
Foto: Jürgen Peters, Königin