Ameisenwespe
Familie : Mutillidae - Ameisenwespe, Spinnenameise, Bienenwespen oder Bienenameise
Foto: Jürgen Börner, Männchen (Mutilla marginata) Körperlänge 20 mm
Weltweit sind rund 3000 parasitoide Arten bekannt, mit 8 Vertretern in Mitteleuropa.
In Deutschland haben wir 9 Arten der Familie Mutillidae, davon 2 Arten der Gattung Mutilla, die im Gelände nur teilweise bestimmt werden können.
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Die Ameisenwespen, welche oft auch Spinnenameisen, Bienenwespen oder Bienenameisen genannt werden, sind ein und dieselbe Art.
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Die Wirte sind meist Stechimmen (Bienen u. Hummeln), aber auch Käfer, Schmetterlinge oder Fliegen. Die Eiablage erfolgt auf ältere Larven, Puppen oder in deren unmittelbare Umgebung.
Die Vertreter dieser Familie zeichnen sich durch einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus aus.
Die Weibchen sind flügellos, die Männchen sind geflügelt und können fliegen.
Die Weibchen tragen 12gliedrige Fühler und einen Stachel.
Die Fühler der Männchen sind 13gliedrig, haben keinen Stachel und können somit nicht stechen.
Foto: Jürgen Börner, Weibchen, (Mutilla marginata) Körperlänge 15 mm
Mutilla marginata
Das auffällig rotbraun- und schwarzgefärbte Weibchen hat auf Grund seiner Flügellosigkeit gewisse Ähnlichkeit mit einer Ameise.
Die Ameisenwespe gehört zu den Hautflüglern.
Beide Geschlechter stridulieren hörbar. Der Stridulationsapparat befindet sich auf den Hinterleibssegmenten, zwischen den 3 und 4 Tergit. Die Töne werden durch ein schnelles Gegeneinanderreiben der Segmente erreicht. Bei Hautflüglern sind akustische Organe auch bei Ameisen und einer außereuropäischen Grabwespengattungen bekannt. Über den Zweck gibt es verschiedene Interpretationsansätze, so z.B. Anlockung der Geschlechtspartner, Grabhilfe, Kommunikation, akustische Warntracht bei den Männchen. Bei der Begattung stridulieren nur die Männchen, bei Beunruhigung oder Platznot (z.B. wenn man Männchen zwischen den Fingern hält oder sie einengt) beide Geschlechter.
Die sehr gewandten Ameisenwespenweibchen haben einen besonders dicken Chitinpanzer, den die Hummeln und auch Honigbienen nicht verletzen können.
Sie sind selbst in der Lage, dem Menschen sehr schmerzhafte Stiche zuzufügen. Die Weibchen besitzen nämlich einen ausziehbaren Stachel, ähnlich wie die Wespen. Bei der Eiablage übernimmt dieser Stachel, die Funktion der Legeröhre.
Ob der Stachel tatsächlich auch als Legeröhre genutzt wird von der Ameisenwespe, werde ich versuchen zu überprüfen.
Beim Aussuchen der Wirtsart für die Entwicklung der künftigen Nachkommenschaft ist die Spinnenameise gar nicht wählerisch. Die Larven können sich in den Nestern verschiedener Arten entwickeln. In der Regel leben sie in Hummelnestern, dringen jedoch vereinzelt in Bienenstöcke ein, wo eine einzelne Ameisenwespe schon ein regelrechtes Blutbad anrichten kann, um an Honig und Drüsensekrete der Biene zu kommen.
Die Honigbienen und auch die Hummeln versuchen den Eindringling aus ihrem Nest zu vertreiben, sie unterliegen jedoch und viele Honigbienen und Hummeln werden von den Ameisenwespen beim Abwehrkampf getötet. Schließlich geben sie den Abwehrkampf auf, die Ameisenwespen los zu werden und die Ameisenwespen können in aller Ruhe, ihre Eier an den Hummel-/ Bienenmaden ablegen.
Zwei Arten der sogenannten Ameisenwespen (Mutilla europaea, LINNAEUS 1758 und Mutilla marginata, BAER 1848) parasitieren vor allem Hummeln, seltener Honigbienen. Sie sind Endoparasiten und leben in den Larven fast aller unserer Hummelarten, besonders aber der Ackerhummel. Die Folge davon ist, dass die von diesen Parasiten befallenen Hummel- und teilweise auch Honigbienenlarven durch die Larven der bei den Ameisenwespen von innen her an- und aufgefressen werden. Mutilla marginata kommt besonders in den neuen Bundesländern, sowie im Osten von Niedersachsen vor.
Im übrigen Deutschland kommt nur Mutilla europäea vor, wobei diese Art vor allem in den Mittelgebirgen und Alpen häufig ist.
Im Flachland ist sie hier ebenfalls seltener, kommt aber überall vor.
In der Regel haben sie zwei Generationen im Jahr. Die erste Generation schlüpft im Juni, die Weibchen suchen nach der Begattung ein anderes Hummelnest. Die zweite Generation schlüpft im August, diese Weibchen überwintern. Da die Weibchen nicht fliegen können, ist ihr Aktionsradius sehr begrenzt. Die Ameisenwespe hält sich hauptsächlich am Boden auf und kann demnach mühelos in ebenerdig aufgestellte Hummel- und Bienenvölker eindringen. In Hummelnistkästen mit einer gesicherten Hummelklappe wurden sie noch nie beobachtet. Nur wenige von ihnen finden überhaupt ein Hummelnest.
Es kann sich also bei diesen beiden Parasiten, wenn sie zahlreich auftreten, um sehr gefährliche Hummelschädlinge handeln, die Hummelvölker diverser Arten schwächen und vernichten können!
Ameisenwespe – Steckbrief
Große Ameisenwespe (Mutilla europaea, LINNAEUS 1758)
Kennzeichen - Merkmale: Große Art. Körperlänge : Weibchen 10 bis 15 mm, Männchen 11 bis 17 mm. Zwischen Männchen und Weibchen bestehen zahlreiche Unterschiede. Das Männchen ist geringfügig länger, hat stets zwei Hauptflügelpaare, 13gliedrige Fühler, auf dem Kopf drei Punktaugen ( Ocellen ), eine gegliederte Brust und einen 7gliedrigen Hinterleib. Das Weibchen hingegen ist ungeflügelt, seine Fühler sind kürzer und nur 12gliedrig, und es besitzt keine Punktaugen (Ocellen). Weibchen mit kleinen Facettenaugen. Auch die Brust ist anders gebaut als die Brust des Männchens, der Hinterleib ist nur sechsgliedrig. Von allen erwähnten Merkmalen ist aber das Vorhandensein von Flügeln für die Unterscheidung von Männchen und Weibchen am deutlichsten. Körper dicht und grob punktiert mit silbrigweißen Flecken und Querbinden und ganz behaart. Mittlerer Teil des Thorax ( Brustabschnitt ) rotbraun, ansonsten schwarz gefärbt. Hinterleib mit breiten, weißen Haarbinden, von denen die hinteren in der Mitte unterbrochen sind. Männchen mit stark verdunkelten Flügeln und deutlichem Blauschiller auf dem Körper.
Verbreitung: N-Afrika bis Sibirien. In Mitteleuropa fast überall zu finden, aber nur selten in größerer Anzahl zu beobachten.
Phänologie – Flugzeit: Mai bis August.
Lebensraum : In sehr unterschiedlichen Lebensräumen, in diversen Biotopen, auf Trockenrasen ebenso wie in lichten Wäldern auch im Siedlungsbereich, in Gärten, sogar in den Alpen in über 2000 m Höhe.
Biologie – Lebensweise: Männchen werden bei dieser Art ziemlich selten gefunden, am ehesten sieht man sie beim Blütenbesuch auf Doldengewächsen. Der natürliche Aufenthaltsort der Bienenameise (Mutilla europäea L.) ist das Hummelnest, doch dringen die flügellosen Weibchen zuweilen auch in Bienenvölker ein. Die Weibchen suchen zur Eiablage Hummelnester auf. Sie bevorzugen solche der Ackerhummel, wurden aber auch schon bei anderen Hummelarten nachgewiesen. Sie suchen deren Nester durch einen selbst gegrabenen Gang auf, dort belegen sie mit Larven besetzte Zellen mit je einem Ei.
Die schlüpfende Parasitoidenlarve ernährt sich von der Hummelbrut und verzehrt sogar noch vorhandenen Pollen- und Nektarvorräte. Sie verpuppt sich im Nest, hier schlüpft auch die Spinnenameise. Je mehr Nahrung die Larve während der Entwicklung bekommt, desto größer wird sie und desto größer ist später auch die Ameisenwespe. Daher gibt es zwischen den Ameisenwespen auch beträchtliche Größenunterschiede. Unter günstigen Bedingungen kann es zur Massenentwicklung kommen, so dass aus einem Hummelnest unter Umständen mehr Ameisenwespen als Hummeln schlüpfen. In der Regel gehört diese Art aber eher zu den Seltenheiten. Sie tritt offenbar in zwei Generationen pro Jahr auf.
Wissenswertes: Als vor 200 Jahren die Ameisenwespe in einem Hummelnest entdeckt wurde, galt die Ansicht, dass es sich nur um ein Zusammenwohnen beider Arten handele. Später kam man darauf, dass die Spinnenameise kein unschuldiger Mitbewohner ist. Ihre Larven sind der wichtigste Feind der Hummellarven. Spinnenameisen sind bei Auseinandersetzungen mit ihren Wirten durch eine äußerst starke Panzerung geschützt.
Auffallend bei allen Arten ist die lange struppige Behaarung, die meist ein kontrastreiches Muster bildet. Beide Geschlechter können, vor allem bei Beunruhigung, laut zirpen, indem sie mit dem Hinterleib schnelle, pumpende Bewegungen ausführen. Gedeutet wird dies als Warnsignal, denn die Weibchen können außerordentlich schmerzhafte Stiche austeilen. Weiteres siehe oberen Text.
Gefährdung - Bestandssituation: Verbreitet. Obwohl diese Ameisenwespen zu den selteneren Aculeaten (gebietsweise sogar zu den ausgesprochenen Raritäten) gehört, kann sie aufgrund ihrer Bevorzugung einer überall häufigen Wirtsart (Ackerhummel) nicht als gefährdet gelten.
Ähnliche Arten: Die sehr ähnliche Mutilla marginata wird oft mit dieser Art verwechselt. Sie besitzt aber einen viel feinere Punktierung und einen schmäleren Thorax, doppelt so lang wie breit und schmaler als der Kopf, beim Männchen ist dieser stets schwarz gefärbt. Die Länge beim Männchen : 11 bis 15 mm, und beim Webchen : 10 bis 15 mm. Ihre Lebensweise dürfte ähnlich aussehen wie bei der vorigen Art, doch bleibt hier noch vieles aufzuklären. Wohl die häufigste der europäischen Ameisenwespe. Bewohnt einen Großteil Europas und Kleinasiens.
Diese genannten Maßangaben treffen aber nicht immer zu, siehe Fotos, denn dies ist auch abhängig von der Ernährung. Es ist stark anzunehmen, das Weibchen der Ameisenwespe Mutilla marginata ihre Eier in ein großes Hummelnest gelegt und die Larven sich durch auffressen der Hummelbrut und sich bedienen aus den Futtertöpfen der Hummeln, so groß entwickeln konnten.
Weiterführende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ameisenwespen
http://de.wikipedia.org/wiki/Mutilla_europaea
http://de.wikipedia.org/wiki/Bienenameisen
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Spinnenameise
http://www.stechimmen-in-westfalen.de/Biologie/Mutillidae.htm
Quellenangaben
Rolf Witt
Wespen
Beobachten, bestimmen
Natur Buch Verlag
ISBN : 3-89440-243-1
Heiko Bellmann
Hautflügler Mitteleuropas
Bienen, Wespen, Ameisen
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH
ISBN : 3-440-06932-X
Jiri Zahradnik
Bienen, Wespen, Ameisen
Die Hautflügler Mitteleuropas
Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde
Franckh`sche Verlagshandlung Stutgart
ISBN : 3-440-05445-4
Liselotte Gerlt-Seifert
Imker-Bibliothek
Krankheiten und Schädlinge der Biene
Neumann-Neudamm Verlag
ISBN : 3-7888-0455-6
Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn
Hummeln
bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
Fauna Verlag
ISBN : 3-935980-28-0
Peter-Frank Röseler
Der Hummelgarten
Lebensraum und Biologie der Hummeln
TRIGA / Verlag
ISBN : 3-89774-280-2
Diesen Beitrag, hat Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.
Fundort dieser auf den Fotos abgebildeten Ameisenwespen (Mutilla marginata)
ist 29416 Riebau, Sachsen – Anhalt, Altmarkkreis Salzwedel, Deutschland.
Foto: Jürgen Börner, Weibchen (Mutilla marginata)
Foto: Jürgen Börner, Männchen, (Mutilla marginata) Flügel geöffnet zum losfliegen.
Foto: Jürgen Börner, Männchen, Ameisenwespe (Mutilla marginata)
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespenweibchen (Mutilla marginata)
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespenweibchen (Mutilla marginata)
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespenweibchen (Mutilla marginata)
Die Ameisenwespen fressen sich Gänge in totes Holz.
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespen (Mutilla marginata) links Männchen u. rechts Weibchen
Kurz vor der Kopulation.
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespen (Mutilla marginata) unten Weibchen oben Männchen
Das Männchen dreht sich schnell und wirft sich von hinten auf das Weibchen und hält das Weibchen fest.
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespen (Mutilla marginata) vorn Weibchen hinten Männchen
Das Männchen klappt das Weibchen regelrecht zusammen und umschließt sie.
Geschlechtsteil des Männchens wird immer nur kurz angedockt beim Weibchen für 3 Sekunden; dabei ist ein lautes dumpfes Sirren, erzeugt durch die Flügel des Männchens zu hören.
Das Männchen trennt sich immer wieder vom Geschlechtsteil des Weibchens, ungefähr 3 mm, um dann erneut sein Geschlechtsteil anzudocken und dabei wieder kurz zu sirren mit den Flügeln.
Foto: Jürgen Börner, Ameisenwespen (Mutilla marginata) links Weibchen u. rechts Männchen
Auf dem Foto ist die Ausstülpung des Geschlechtsteils des Männchens zu sehen, dies wird geöffnet beim trennen vom Weibchen und beim andocken / umschließen des Geschlechtsteiles des Weibchen, zusammengekniffen. Dieser Vorgang wird, wie schon beschrieben, bei der Kopulation ständig wiederholt.
Die Kopulation dauert im Durchschnitt ein bis drei Minuten.
Hier noch ein Link:
Jürgen Börner
Danken möchte ich Dr. Christian Schmid-Egger von www.hymis.de für Bestimmung der Ameisenwespe Mutilla marginata.






