Reparatur / Umbau - Schwegler Nistkasten
Hallo Hummelfreunde, 23.01.09
heute möchte ich euch den Schwegler Nistkasten vorstellen und wie ich ihn umgebaut habe, damit er den heutigen Anforderungen, die an einen Hummelkasten gestellt werden, erfüllt.
Dieser Hummelkasten wird in diesen und in allen anderen Beiträgen von mir, Hummelpension genannt.
Gliederung
- Schwegler Nistkasten
- Reparatur
- Hummelpensionsvorbau
- Anbringung der Hummelklappe
- Einbau neuer Tür
- Belüftung des Hummelpensionsvorbaues mit Wachsmottenabwehr
- Belüftung des Nistraumes mit Wachsmottenabwehr
- Abdichtung des Deckels
- Anbringung eines Sichtfensters
- Einbau eines Anzuchtdeckels
- Einrichten der Hummelpension
- Allgemeine Hinweise
1. Schwegler Nistkasten
Foto: Michael Schön , Nistkasten
Foto: Michael Schön
Foto: Michael Schön
2. Reparatur
Ihr werdet euch bestimmt Fragen was es da zu reparieren gibt?
Ich habe den Schwegler Hummelnistkasten mir schicken lassen, aber nicht vom Hersteller, sondern vom Hummelfreund Karsten Grotstück aus Kassel, der diesen Nistkasten schon über 20 Jahre im Gebrauch hatte. Ich sollte versuchen, ob sich an dieser Hummelpension eine Hummelklappe anbringen lässt und auch einige Veränderungen vornehmen, z.B. für eine bessere Belüftung des Nistinnenraumes sorgen.
Foto: Jürgen Börner
Das Paket brachte die Post, als ich es öffnete sah ich, dass der Deckel sehr beschädigt war und etliche Teile davon verstreut im Postpaket lagen.
Foto: Jürgen Börner
Als ich den Nistkasten aus dem Paket nahm, war ich sehr überrascht über das Gewicht des Nistkastens von 18,5 Kilogramm!!
Das war den Leuten von der Post wahrscheinlich auch zu schwer und sie haben das Paket auch mal fallen lassen, vermute ich.
Foto: Jürgen Börner
Zunächst habe ich mir erst mal vorgenommen, den Deckel der Hummelpension zu reparieren.
Die Abgebrochenen Stücke vom Deckel habe ich mit - Dicht 7 - (High-Tech-Kleber) wieder angeklebt.
Foto: Jürgen Börner
Da sich aber an diesen Deckel keine Schraubzwingen anbringen lassen und auch um einen gleichmäßigen Druck auf die Klebefläche zu erreichen, habe ich Gummispannbänder verwendet.
Foto: Jürgen Börner
Diese Gummispannbänder eignen sich hervorragend für diese arbeiten.
Foto: Jürgen Börner
Ein Stück vom Deckel fehlte, aber Karsten hat mir mitgeteilt, dass es schon damals nicht vorhanden war, als er den Nistkasten von der Firma Schwegler erhalten hat.
Foto: Jürgen Börner
Das restliche Teil wird noch angeklebt, die Farbe die Karsten aufgetragen hat an dieser Stelle entfernt und die fehlende Ecke ergänzt.
Dazu werden in den Deckel in verschiedene Richtungen, Schrauben eingeschraubt, dies geschieht zur besseren Verankerung des fehlenden Teiles.
Foto: Jürgen Börner
Ich habe eine Masse angerührt. Sie besteht aus Makulatur, Sägespäne, Wasser und Wasserfesten Holzleim. Nach dem anfeuchten dieser Stelle, wird die Masse aufgebracht. Dies geschieht in Etappen bis die fehlende Stelle komplett ist.
Foto: Jürgen Börner
Zwischendurch wird immer wieder verschliffen, dieser Vorgang nimmt einige Tage in Anspruch da die Masse zusammentrocknet. Nach einer reichlichen Woche ist die fehlende Ecke durchgehärtet und unlösbar mit dem Deckel verbunden.
Foto: Jürgen Börner
So sieht der Deckel aus wenn er repariert und farbig behandelt ist. Die Ecke die neu angesetzt wurde, ist links im Bild zu sehen.
Foto: Jürgen Börner
Im Grundkörper habe ich auch noch einen großen Riss entdeckt. Diesen habe ich für die Klebung mit - Dicht 7 - vorbereitet. Den Riss erweitert, damit der Kleber tief in den Riss eindringen kann und damit der Schwegler Nistkasten seine volle Stabilität zurück erhält.
Foto: Jürgen Börner
Nach dem einbringen des Klebers in den Riss, wird mit Schraubzwingen, Holzbeilagen und Holzkeilen der Riss zusammengepresst. Dieser wird dann nach dem aushärten mit der angerührten Spachtelmasse verspachtelt und später verschliffen, bis der Riss nicht mehr zu sehen ist.
Den - Dicht 7 Kleber -, gibt es in verschiedenen Farben, ich habe schwarz verwendet.
3. Hummelpensionsvorbau
Foto: Jürgen Börner
In diesem Vorbau können die Wachsmotten, wenn noch keine Wächterin vorhanden, ungehindert eindringen und ihre Eier im Hummelnest ablegen.
Foto: Jürgen Börner
Die Schiebetürführung ist im laufe der Jahre ausgebrochen und es fehlt ein Stück.
Foto: Jürgen Börner
Ebenfalls ist auf der linken Seite hinter der Tür ein großer Spalt, wo ungehindert die Wachsmotte ihre Eier ablegen kann. (Dieser Spalt ist bei jedem Schwegler – Nistkasten vorhanden.)
Hinweis: Wer etwas über die Wachsmotte erfahren möchte, kann meine und Karstens Beiträge über die Wachsmotte lesen und ebenfalls mikroskopische Aufnahmen sich ansehen.
Ich hatte vor, den Vorbau komplett zu erneuern und ihn mit einem Hummelpensionsvorbau meiner neusten Generation auszustatten.
Doch leider ließen sich die Flügelschrauben vom Hummelpensionsvorbau nicht lösen, denn sie sind im laufe der vielen Jahre stark eingerostet. Da habe ich mich entschlossen den Vorbau umzubauen, dies ist nicht einfach, da es an diesem Vorbau keine gerade Fläche und keinen rechten Winkel gibt.
4. Anbringung der Hummelklappe
Foto: Jürgen Börner
Zunächst habe ich erst mal die Farbe entfernt wo ich die Hummelklappe anbringen möchte.
Dann angezeichnet wo die neue Bohrung für das Einlaufloch hinkommt und das alte Loch wird noch mit der angerührten Masse verschlossen.
Foto: Jürgen Börner
Danach habe ich eine kleine Platte 6 mm stark angefertigt und ein Loch von 18 mm hinein gebohrt, als Einlaufloch für die Hummeln. Die Platte ist wasserfest und wird im Handel unter den Namen Siebdruckplatte geführt. Diese Platte hat eine glatte und eine aufgeraute Seite.
Ich habe die aufgeraute Seite verwendet. Diese Oberfläche ist nur noch mit Sandpapier zu bearbeiten. Danach ist das Siebdruckmuster kaum noch zu sehen.
Wie eine Hummelklappe angefertigt wird, findet ihr in meiner Bauanleitung
-- Hummelklappe mit Anleitung und Bauplan --
Foto: Jürgen Börner
Diese Platte wird im 75° Winkel mit Dicht 7 an den Hummelpensionsvorbau angeklebt und nach dem Aushärten, mit der angefertigten Masse noch verspachtelt. Das Spachteln und schleifen dauert wie schon erwähnt einige Tage.
Foto: Jürgen Börner
Durch den Anbau der Hummelklappe, (Hummelklappe mit Holzplatte) hat sich das Anflugbrett verkürzt, deshalb habe ich dies verlängert und ebenfall das Dach darüber.
Holz angeschraubt und verspachtelt.
Foto: Jürgen Börner
Die Hummelklappe ist angebracht, das Anflugbrett und Dach verlängert und farbig behandelt.
5. Einbau neuer Tür
Foto: Jürgen Börner
Die Führung der alten Schiebetür wird mit einem scharfen Stechbeitel entfernt.
Ebenfalls einen kleine Schräge eingeleimt, damit die Hummeln durch die neu angebrachte Hummelklappe bequem einlaufen können.
Foto: Jürgen Börner
Eine neue Tür habe ich eingepasst, diese ist aus Siebdruckplatte,
12 mm stark, glatte Oberfläche nach außen und mit einem kleinen Griff versehen.
Diese Tür ist so eingepasst, das sie von ganz allein steht im Vorbau!
6. Belüftung des Humelpensionsvorbaues mit Wachsmottenabwehr
Ihr wollt bestimmt wissen wie ich dies gelöst habe, vor allem hat meine Konstruktion den Vorteil, dass gleich drei Sachen damit erfüllt werden.
1. Sichere Mottenabwehr
2. Ausreichende Belüftung des Hummelpensionsvorbaues
3. Dunkelheit im Vorbau
Foto: Jürgen Börner
Auf dieser Seite wird im oberen Bereich, 6 Löscher,
6 mm Durchmesser gebohrt.
Durch diese Löscher, wird in den Vorbau die Luft einströmen und ergeben zusammen eine Fläche von 1,7 cm²
Das Loch für links einlaufende Hummeln in den Vorbau, wird mit der angerührten Masse verschlossen.
Ein kleiner Raum entsteht zusätzlich, auf dieser Seite des Vorbaues. (siehe übernächstes Foto)
Foto: Jürgen Börner , Draufsicht
Eine kleine Ecksäule und Ansaugung / Außenwand ist noch anzupassen.
In diese Außenwand wird noch eine Bohrung von 25 mm eingebracht und verschlossen mit Fliegengitter.
Gitterbeschreibung siehe: Bastelmaterial und Beschaffung.
Foto: Jürgen Börner
Das Dach über den nun entstandenen Vorraum habe ich noch etwas verlängert.
Foto: Jürgen Börner
Den kleinen Vorraum habe ich noch mit Farbe ausgestrichen und die Innenseiten des Raumes mit Klebefalle ausgestattet: auf dieser bleiben Wachsmotteneier oder aus ihnen schlüpfenden Larven, für immer kleben!!
Klebefalle siehe: Bastelmaterial und Beschaffung.
Die Wachsmotten können anfliegen, der Hummelpensionsvorbau ist darauf vorbereitet!!
Dadurch dass die kleinen Löscher versetzt zu dem großen Bohrloch angebracht sind, ist kein Lichteinfall im Vorbau, wo die Hummeln einlaufen.
Neben dem zu sehenden Schraubenkopf, habe ich noch ein Sicherungsstift, (Draht 3 mm stäke) für die Tür eingeschoben.
7. Belüftung des Nistraumes mit Wachsmottenabwehr
Foto: Jürgen Börner
In die gegenüberliegende Seite vom Hummelpensionsvorbau habe ich mit einer Lochsäge, 2 Öffnungen von 32 mm eingebracht und mit Fliegengitter von innen verschlossen.
Angeleimt sind die Fliegengitter mit wasserfestem Holzleim.
Gitterbeschreibung siehe: Bastelmaterial und Beschaffung.
Foto: Jürgen Börner, Seitenansicht
An die Außenwand wird einen Holzrahmen angeschraubt, Dachschräge angesägt zum besseren ablaufen des Wassers. und mit Dicht 7 abgedichtet, verspachtelt und dem Grundkörper angepasst. Ein Dach aus Siebdruckplatte wurde aufgeleimt und ebenfalls abgedichtet mit dem genannten Kleber.
Foto: Jürgen Börner
1 Holzrahmen
2 Dach aus Siebdruckplatte
3 Blende mit Bohrungen und Fliegengitter
Gitterbeschreibung siehe: Bastelmaterial und Beschaffung.
Foto: Jürgen Börner
Der Rahmen ist angeschraubt, abgedichtet und mit Farbe behandelt.
Foto: Jürgen Börner, Ansicht von hinten
Unter das nun vorstehende Dach, wird eine Siebduckplatte in die drei Bohrungen von 30 mm sich befinden, davor geschraubt. Durch die 3 Löscher vom Anbau, die versetzt sind zu den 2 Löschern von der Hummelpension, ist absolute Dunkelheit im Hummelnest. Von innen werden diese Löscher ebenfalls mit Gitter verschlossen. Den angebrachten Holzrahmen habe ich ebenfalls wie schon den Hummelpensionsvorbau, mit einer Klebefalle ausgerüstet.
Vorteil dieser Innenklebefalle ist, dass keine Insekten ankleben können, sondern nur deren abgelegten Eier, oder daraus schlüpfenden Larven!
8. Abdichtung des Deckels
Foto: Jürgen Börner, Deckel von innen
Den Deckel habe ich abgedichtet mit einem rundem Moosgummi 8mm Stärke. Diesen habe ich mit Dicht 7 angeklebt. Auf Grund des Gewichtes des Deckels, wird der Moosgummi zusammengepresst und dichtet sehr gut ab. Damit der Gummi in der Ecke beim Ankleben gut anliegt, wird dieser mit einem Nagel angeheftet.
9. Anbringung eines Sichtfensters
Die Entwicklung der Hummeln können durch ein Sichtfenster besser beobachtet werden.
Foto: Jürgen Börner
Aus diesem Grund habe ich mit einer Stichsäge einen Ausschnitt in die Nistraumabdeckung gesägt.
Fliegengitter zugeschnitten und Leisten im Abstand von 1 cm um den Ausschnitt darauf geschraubt.
Es kann auch schwarzes Fliegengitter verwendet werden, durch dieses lässt sich noch besser hindurchschauen!
Foto: Jürgen Börner
In den nun entstandenen Rahmen, brauch nur noch eine kleine Holzplatte mit Griff eingelegt werden und schon ist das Sichtfenster verschlossen.
10. Einbau eines Anzuchtdeckels
Foto: Jürgen Börner
Zusätzlich zum Deckel, (jetzt mit eingebauten Sichtfenster ausgestattet) ist noch ein weiterer kleinerer Anzuchtdeckel eingebaut worden. Dieser verkleinert den Brutraum in der Anzuchtfase und schafft für die Königin bessere Brutbedingungen. Ein kleinerer Raum lässt sich mit weniger Energie aufheizen als ein großer Raum. Diese Verkleinerung des Nistraumes hat noch weitere Vorteile, die Königin braucht weniger Zeit bei ihrer „Inspektion“ und kann sich damit schneller entscheiden, ob ihr die angebotene Nistmöglichkeit gefällt oder nicht. Weiterhin wird weiniger Polsterwolle benötigt und eine schnellere Nestkontrolle ist möglich.
In der Anzuchtfase reicht die einströmende Luft von der Einlaufröhre fällig aus, es bedarf keine weitere Öffnung zur Belüftung des Hummelnestes.
Foto: Jürgen Börner
Als Auflage für den Anzuchtdeckel dienen vier Holzdübel. Diese dafür benötigten Bohrlöscher werden mit einem Spiralbohrer 8 mm stärke in zwei gegenüberliegenden Seiten gebohrt. Der Deckel wird der Form des Nistkasteninnenraumes angepasst und mit einem Griff versehen.
11. Einrichten der Hummelpension
Foto: Jürgen Börner
Der Nistraum wird mit Hobelspänen, etwas ansteigend bis Unterkante Einlaufröhre aufgefüllt und etwas festgedrückt. Zusätzlich habe ich noch etwas Lavendel darauf gestreut. In der Mitte wird eine kleine Kuhle gebildet.
Foto: Jürgen Börner
In diese und das gesamte Nest wird mit zerzupfter unbehandelter Polsterwolle (Insektizidfrei), rund 1cm ausgelegt. Die Kuhle wird zu einer kleinen Höhle ausgebildet, 30 mm im Durchmesser reichen dabei völlig aus. Von dieser kleinen Höhle bis zur Einlaufröhre wird die Polsterwolle etwas festgedrückt.
Foto: Jürgen Börner
Die kleine Höhle wird abgedeckt.
Auf dem Foto links, ist nur noch der Eingang zur Höhle zu erkennen.
Foto: Jürgen Börner
Der Laufgang bekommt ebenfalls eine Überdeckung.
Die Polsterwolle liegt auf der Pappröhre auf, die nach innen ins Hummelnest leicht reinragt.
Danach wird das Hummelnest bis über die Holzdübeln / unterkante Anzuchdeckel aufgefüllt.
Foto: Jürgen Börner
Der Anzuchtdeckel wird aufgelegt und die Polsterwolle dabei leicht zusammengedrückt.
Es darf kein Hohlraum zwischen Deckel und Polsterwolle sich befinden.
Nach der 3. Hummelgeneration ist der Anzuchtdeckel zu entfernen und es steht den Hummeln eine großer Nistraum, mit ausreichender Belüftung zur Verfügung. Weitere Polsterwolle brauch nicht hinzugegeben werden.
Foto: Jürgen Börner
Die Hummeln können nun ungestört, nach entfernen der kleinen Abdeckung durch das Sichtfenster beobachtet werden. (siehe unter 9. Anbringung eines Sichtfensters)
Foto: Jürgen Börner , Nistkasten
Der Deckel kommt auf den Nistkasten.
Ein schattiger Platz im Garten gesucht und die Hummelpension wird aufgestellt.
So sieht die Hummelpension komplett aus.
Foto: Jürgen Börner
Die Tür des Vorbaues ist entfernt. Die Hummelklappe geöffnet.
Alle Vorbereitungen zum Ansiedeln einer Hummelkönigin sind abgeschlossen.
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Allgemeine Hinweise
Wichtig für das Ansiedeln von Hummeln ist, dass in der Umgebung genügend Futterpflanzen vorhanden sind. Die Blüten sollten ungefüllt sein. (siehe Futterpflanzen)
Die Hummelpensionen dürfen auf keinen Fall der Sonne ausgesetzt werden. Dazu ist es wichtig den Sonnenstand im Verlauf des ganzen Tages zu beobachten. Ebenfalls muss daran gedacht werden, dass der Sonnenstand vom Frühjahr zum Sommer sich verändert. (Die Sonne steigt, die Schatten werden kürzer)
Jeder Hummelfreund kann die von mir vorgestellten Konstruktionen nachbauen. Sollte aber jemand die Absicht haben dies zu vermarkten, bitte ich, sich meine Zustimmung vorher von mir einzuholen!
Jürgen Börner
Heute den 09.04.09 wurde der Schwegler Nistkasten von einer Erdhummelkönigin (Bombus terrestris) als Niststätte angenommen.
Hinweis: Kann dieses Video nicht angesehen werden, dann bitte ich euch mir dies mitzuteilen.