Rückkehrerin im September

Erdhummeln (Bombus terrestris)                                                                         23.09.2011

 

Ich stelle unmittelbar nach der Reinigung meiner Hummelpensionen immer an gleicher Stelle wieder auf, wenn in der näheren Umgebung noch Flugverkehr herrscht.

 

Jetzt denkt ihr sicherlich warum stellt „der" wieder seine Hummelpensionen auf, die Hummelsaison beginnt doch erst im nächsten Frühjahr!

 

Foto: Jürgen Börner Hummelstand
Foto: Jürgen Börner Hummelstand

Hier meine Begründung:

Meine Hummelpensionen habe ich in einem Hummelstand untergebracht.

Mein Ackerhummelvolk (rechts unten) was dieses Jahr zum wiederholten Mal sehr groß ist, da fliegen seit reichlich zwei Monaten Jungköniginnen. Diese machen ihren Orientierungsflug und prägen sich ihre Umgebung genau ein. Fehlt eine Hummelpension oder mehrere stört dies den Jungköniginnen nicht, doch wenn sie im nächsten Jahr ihr Geburtsnest wieder anfliegen, finden sie eine veränderte Umgebung vor, die sich nicht deckt mit dem was sie bei ihrem Orientierungsflug und dem mehrmaligen Anfliegen ihrer Hummelpension dieses Jahr abgespeichert haben.

Das ist der Grund, warum ich Hummelpensionen wieder dort aufstelle, wenn in anderen Hummelpensionen in unmittelbarer Nähe, noch Flugverkehr von Jungköniginnen herrscht!

Foto: Jürgen Börner
Foto: Jürgen Börner

 

 

Ich hatte mein Erdhummelnest (Bombus terrestris) gesäubert am 23.08.2011 und an gleicher Stelle wieder im Hummelstand aufgestellt.

Am Abend des 14.09.2011, ich war gerade mit meiner Kapokpflanzenzucht auf der Gartenterrasse beschäftigt, da hörte ich einen tiefen Brummton der sich schnell näherte und es kam hinterm Gartenbambus, eine Erdhummelkönigin zum Vorschein, die sofort die Hummelpension anflog, die ich vor 3 Woche gesäubert hatte und landete, Hummelklappe auf und drin war sie.

 

Das erinnerte mich sofort an das, was ich vor einem Jahr erlebt hatte mit der Wiesenhummelkönigin, die kam auch noch Wochen zurück!

 

Jetzt wollt ihr sicherlich wissen was ich in dieser Situation gemacht habe.

Die Hummelklappe hab ich mit einem kleinen Stein blockiert, so dass die Königin nicht raus konnte, in den Keller gespurtet und das verzupfte Kapok was ich für den Beitrag Kapokschote + Anleitung für Kapokpflanzenzucht verwendet hatte, geschnappt; wieder hoch aus dem Keller und zum Hummelstand der in unmittelbarer Nähe von der Terrasse steht. Habe geschaut ob die Jungkönigin bereits sich wieder an der Hummelklappe befindet, aber dem war nicht so; die Hummelpension vorsichtig aus dem Hummelstand herausgezogen und ab ging es zum Terrassentisch. Vorsichtig den Deckel heruntergenommen, ebenfalls den Deckel vom Brutraum, konnte gerade noch sehen wie sie wieder in der Einlaufröhre verschwand!

Habe schnell etwas Kapok rein getan, aber so, dass kein Absatz von Einlaufröhre zum Kapok entsteht, die Deckel wieder darauf gelegt und die Hummelpension wieder an gleicher Stelle aufgestellt. Den kleinen Stein entfernt, den ich zuvor für die Blockierung der Hummelklappe verwendet hatte und mich auf meine Terrasse begeben.

Auf die Uhr schnell noch geschaut und mich in meinen Gartenstuhl fallen lassen.

Ich wartete und warte, doch die Königin kam nicht raus, es vergingen 10 Minuten, 15 Minuten. Ich dachte jetzt gebe ich ihr noch 5 Minuten und dann schaue ich nach!

Es waren 20 Minuten vergangen und es wurde schon langsam dunkel die Abenddämmerung setzte bereits ein. Stand auf und wollte gerade losgehen, da sah ich wie die Hummelklappe wackelte und schon war die Königin draußen. Ich stand da, dachte jetzt ja nicht sich bewegen; die Königin untersuchte die Hummelklappe hob kurz ab, flog genau vor die gelbe Markierung rechts bei der Klappe, landete wieder und die Hummelklappe wurde von ihr energisch hochgeklappt und verschwand im inneren der Hummelpension.

Hatte mich gerade wieder hingesetzt, da rief meine Frau das es Abendbrot gebe; ich konnte natürlich jetzt nicht mein Platz verlassen, denn ich hatte ja wichtigeres zu tun!

Konnte meine Frau, die übrigens viel Verständnis für mein Hobby hat, überzeugen, dass ich jetzt nicht weck könnte. Nach 8 Minuten kam die Königin erneut wieder raus, schaute sich kurz um und verschwand wieder im Inneren der Hummelpension.

Foto: Jürgen Börner
Foto: Jürgen Börner

 

 

Meine liebe Frau brachte mir mein Abendbrot und ich konnte in aller Ruhe zu Abend essen.

Die Jungkönigin habe ich an diesem Abend nicht mehr gesehen aber 2 Tage später konnte ich sie wieder am Abend beim Anflug auf die Hummelpension beobachten.

Da ich mich darauf vorbereitet und Fotoapparat bereit gelegt hatte, konnte ich sie gerade noch fotografieren bevor sie in der Hummelpension verschwand.

Eine Woche hat sie genächtigt in der Hummelpension, zur Kontrolle hatte ich ein kleines Holzstäbchen schräg angelehnt an die Hummelklappe; seit etlichen Tagen war dieses nicht mehr umgefallen.

Sie ist sicherlich glücklich und zufrieden in ihre Diapause gegangen, denn ihre Geburtsstätte war noch da, bei ihrer "Kontrolle". 

 

Jürgen Börner

 

 

                                                                                                                       24.09.2011

Hallo Jürgen,

ich konnte dieses Verhalten auch bei zwei Königinnen in diesem Jahr beobachten. Als erstes kam eine Wiesenhummel im Juli zurück, nachdem bereits die ersten Jungköniginnen Mitte Mai ausgeflogen waren. Sie suchte ihr altes Nest, doch konnte nicht verstehen, wo dies geblieben ist, weil ich den Kasten aufgrund eines Wachsmottenbefalls schon gesäubert hatte, schnell holte ich Polsterwolle und tat jene in den Kasten. Danach konnte ich die Königin nicht wieder beobachten. Anfang September konnte ich dann ein ähnliches Verhalten bei einer Erdhummel (terrestris) beobachten, auch in diesen Kasten tat ich schnell Polsterwolle. In beiden Fällen fanden die Königinnen die Hummelkästen ohne Probleme wieder, sie wussten auch noch genau, wie die Hummelklappen funktionieren. Bei beiden Königinnen kam es aber nicht zur Nestgründung. Interessant ist es schon, da ich besonders über eine Rückkehr der Erdhummel überrascht worden bin, weil ich das erste Mal eine Jungkönigin dieser Art bei der Rückkehr beobachten konnte. Evtl. sind dies die Jungköniginnen, die auch im nächsten Jahr wieder kommen, sofern ein Nistkasten noch an derselben Stelle steht. 

Alexander aus Dortmund

 

 

 

                                                                                                                            09.10.2011

 

Hallo Hummelfreund Jürgen u. Alexander

 

Ich habe bei meiner Gartenhummel-Jungkönigin dieses Jahr ähnliches beobachtet. Das Nest der Gartenhummel-Kolonie war bereits Mitte Juli abgestorben. Den Nistkasten "Typ Schwegler mit Hummelklappe" (Harry Abraham) hatte ich auch schon gleich abgeräumt und gesäubert. Nun rund einen Monat später, Mitte August, flog zu meiner Verwunderung, an einem Samstagvormittag, an jener Stelle wo einst der Nistkasten stand, eine suchende Gartenhummeljungkönigin umher. Sie suchte ihr altes Mutternest wo sie einst selbst geschlüpft war, aber sie suchte vergeblich, denn es war ja von mir leider schon weggeräumt worden. Die Gartenhummeljungkönigin stieg auf und kam gleich wieder zur gleichen Stelle zurück, denn sie konnte nicht verstehen, wo der Nistkasten geblieben war. Sie hatte sich bei ihren allerersten Ausflug aus dem Nistkasten den Standort so eingeprägt. Doch der Standort hatte sich rapide auf einen Schlag verändert und dies tat sie fast eine ganze halbe Stunde lang so, bis sie schließlich aufgab und davonflog. Habe sie danach nicht wieder gesehen. Schade!!!

Bei einer Baumhummeljungkönigin konnte ich am 1. Oktober auch an einem Samstagvormittag, bei herrlichen Altweiber-Sommerwetter, dieses gleiche Verhalten beobachten wie zuvor bei der Gartenhummel.

Es ist schon eigenartig, dass die Jungköniginnen sich vergewissern wollten, ob der alte Neststandort noch vorhanden ist.

 

 

Ps: Nachtrag

Ich verfolge jedes Jahr aufs Neue mit großer Vorfreude, Erwartung und Spannung, welche Hummelköniginnenart zuerst bei mir aus ihren Winterschlaf bzw. Diapause kommt. Dies sind in der Regel in meinen Garten Anfang März zuerst Erd-, Wiesen-, und Baumhummeln kurz danach folgen Stein-, Garten-, und Ackerhummeln.

Als gute Rückkehrer sind vor allem bei mir Baum-, Garten-, Stein-, Wiesen-, u. Ackerhummeln zu nennen. Erdhummeln kommen zwar auch gelegentlich zurück, aber ich habe den Eindruck, sie können mit der veränderten Umgebung im Frühjahr nichts anfangen und den Standort nicht so gut merken wie es die anderen Arten tun. Folgendes: Wenn die Hummelkönigin erst einmal erwacht ist, schaut sie zu allererst nach ihrem alten Neststandort. Wenn die Nistgelegenheit noch vorhanden ist, wird sie genaustens inspiziert u. untersucht. Danach wird sich erst mal richtig satt gefressen bis sie anschließend ein Nest gründet. Dies kann 3 bis 10 Tage lang dauern.

Eberhard von Hagen hat über dieses Verhaltensmuster in seinem Buch "Hummeln" ausführlich berichtet.

 

Grüße aus Kassel

Karsten Grotstück

 

                                                                                                                  09.10.2011

Hallo Hummelfreunde,

 

dies erklärt auch, warum Rückkehrerinnen immer die ersten Ansiedlungen sind. Dies ist bei den frühen Arten die Regel. Es kann letztendlich aber auch sein, dass diese Königinnen evtl. vorhatten doch noch einmal ein Nest zu gründen, was bei einigen Arten durchaus immer mal wieder vorkommt.

Erdhummeln sind bei mir übrigens noch nie zurückgekehrt, ich denke auch, dass es an der veränderten Umgebung liegt. Man sieht im Frühjahr auch immer mal wieder Königinnen von terrestris und lucorum, die nicht gerade intensiv suchen und dann auch wieder an eine Blüte gehen. Es könnte so eine Art Zeitvertreib sein, wenn sie ihr Mutternest nicht wiederfinden. Erst wenn mehrere Erdhummeln draußen sind, suchen auch diese intensiv nach einem Nest. (Eigene Beobachtung)

Gruß Alexander aus Dortmund