Wann sucht eine Hummel ernsthaft einen Nistplatz oder ist sie vielleicht noch nicht so weit und sucht nur einen Schlafplatz?

                                                                                                                              11.04.12

Gedanken zur laufenden Hummelsaison 2012 hier in Südostbayern.

 

Es ist schwer eine Hummel zu finden, die sich ernsthaft auf Nistplatzsuche befindet um sie aktiv anzusiedeln. Viel einfacher ist es die Hummelhäuser so vorzubereiten, dass die Chance einer Selbstansiedlung groß ist. Rückkehrerinnen vom Vorjahr sind natürlich noch praktischer aber evtl. auch problematisch wenn es mehrere Interessentinnen für ein Haus gibt.

Ich hatte letztes Jahr meine Tante mit dem Hummelvirus angesteckt. Zu Ihrem Geburtstag im Herbst schenkte ich ihr ein selbst gebautes Hummelhaus und eine Einsetzhilfe dazu. Noch bevor sie heuer die erste Hummel damit einsetzen konnte, hatte sich eine Wiesenhummel selbst angesiedelt. Der Idealfall.

Der nicht so vom Glück verfolgte gewöhnliche Hummelfreund – wie ich - ist froh, wenn er Ende März/Anfang April die ersten Erd-, Baum- und Wiesenhummeln sieht, die einen typischen Suchflug zeigen. Endlich geht es los. Dieser langsame Flug dicht über dem Boden, jeder Schatten wird untersucht, jedes kleine Loch wird inspiziert. Sofort denkt man: „Diese Hummel sucht“ und man versucht sie sogleich in das längst sorgfältigst vorbereitete Hummelhaus einzusetzen.

Aber oft gelingt das nicht, denn die Hummel ist noch nicht so weit einen eigenen Staat zu gründen. Sie fliegt unbekümmert schnurstracks aus dem Haus, oder macht zunächst einen optimistischen Orientierungsflug um gleich daneben am Boden scheinbar weiter nach einer Bleibe (oder Blüte?) suchen.

Oder sie geht aus einem Hummelhaus raus und in ein anderes schnurstracks rein???

Ich konnte dieses Jahr beobachten wie ich scheinbar ein und dieselbe Wiesenhummel an einem Tag offensichtlich 3x erfolgreich angesiedelt habe, natürlich ohne es zu wissen. Das Ergebnis? Ich habe jedes Mal ein anderes Haus genommen, weil ich ja dachte die einzelnen Ansiedlungsversuche waren erfolgreich. Dass es immer dieselbe ist, wurde mir erst Tage später klar. Und nun hüpfte diese Wiesenhummel Tage lang „von Haus zu Haus“. Verweilt in jedem Eingang, verschwindet darin für 20 Minuten und mehr um danach einen Meter weiter das nächste Haus zu besuchen. Sogar Häuser in die ich sie nicht eingesetzt habe werden durchsucht offenbar weil sie ähnlich aussehen. Zum Glück hat sie sich 3 Wochen später endlich für ein Haus entschieden, aber nach jedem Flug inspiziert sie immer noch bei der Heimkehr die anderen Häuser (ohne sich zu setzen mittlerweile) bevor sie in „ihr Haus“ verschwindet. Sie hat übrigens das Haus vom Vorjahr gewählt, obwohl es heuer an einer anderen Stelle steht. Dass es eine Rückkehrerin war, davon bin ich überzeugt.

Wann ist es denn ideal eine suchende Königin in eine Hummelpension einzusetzen? Ich bin mir ziemlich sicher: Es kommt auf das Wetter an.

Der Zeitpunkt ist scheinbar ideal, wenn ein schöner, warmer Tag besteht und sich am nächsten Tag ein Wetterumschwung über Nacht ankündigt. Dann sieht man, wie so ein Suchflug wirklich aussieht. Plötzlich sucht die Dame nicht mehr halbwegs und immer in Eile. Sie sucht jetzt viel ausgiebiger. Sie setzt sich viel öfter auf den Boden, krabbelt Minuten lang herum. Hat sie ein interessantes Loch gefunden will sie da rein. Im Gegensatz zu den „nicht ernsthaft“ suchenden Kolleginnen lässt sie sich dabei von nichts abbringen. Kein menschlicher Schatten über ihr, keine anderen Tiere, nichts bringt sie davon ab dieses interessante Loch genau zu untersuchen. Sie lässt sich viel einfacher einsetzen.

Ich hatte letztes Jahr eine Steinhummel, die in einem Bau von hunderten Sandbienen „wilderte“. Sie kämpfte förmlich mit den Bienen um sich in deren gegrabenen Löchern und Gängen genau umsehen zu können. Diese Steinhummel lief mir (incl. einiger Sandbienen) direkt in meine Einsetzhilfe, sie war wie irr und nahm sofort den bereitgestellten Hummelkasten an. Der Einsetzversuch verlief dank der Sandbienen überhaupt nicht vorbildlich, aber diese Steinhummel war wie besessen genau jetzt eine Bleibe zu finden. Sie blieb auch und ihr Staat war im Herbst so groß, dass sogar Wächterinnen am Eingang abgestellt wurden. Das war 2011 eine Woche nach Ostern.

Hier im südöstlichen Bayern ist es in diesem Jahr noch nicht absehbar wann die Hummelsaison wirklich beginnt. Ich denke heute (10.04.) war es so weit. Zwar habe ich seit 26.3. vereinzelt suchende Hummeln gesehen, aber sehr sehr wenige nur. Teilweise nur 2-3 am Tag (Erd- und Wiesenhummeln), obwohl ich die ganze Zeit Urlaub hatte und sehr viel im Garten war.

Von meinen 12 Kästen sind die meisten noch frei. Ich habe bisher eine Baumhummel-Selbstansiedlung (trägt seit heute Pollen ein) und 2-3 Wiesenhummeln, aber das war es auch schon.

Gestern und vorgestern war es kalt, fast frostig und es gab Schneefall und Hagel. Heute machte der April seinem Namen alle Ehre und es waren herrliche 20 Grad. Für Morgen sind 4-6 Grad und Regen angekündigt, bereits in der Nacht.

Wohl deshalb war es heute ab Mittag scheinbar der ideale Zeitpunkt einer Hummel eine Behausung anzubieten. Im 10-Minutentakt sah ich heute suchende Erd- und Wiesenhummeln. Um die Mittagszeit herum, war der Suchflug noch „wischi-waschi“. Einsetzversuche von 3 Erdhummeln – vorbildlich wie aus dem Lehrbuch ohne Brummen oder Protest – scheiterten an mangelndem Interesse der Damen. Nach 10 Minuten raus aus dem Haus und fort. Fassungslos sieht man dabei zu und denkt sich: Warum? Ich habe doch sicher nichts falsch gemacht!

Gegen Abend dann eine weitere suchende Königin. Viel langsamer unterwegs als die anderen. Sie krabbelte viel auf der Wiese, suchte intensiver und verschwand in ein von mir vorbereitetes Loch im Garten, wie alle anderen auch. Doch jetzt der zweite Unterschied zum Nachmittag: Sie war viel weniger aufgeregt und viel viel ruhiger, das ist schwer zu beschreiben. Nach ca. 10 Minuten im Haus ein Orientierungsflug wie aus dem Lehrbuch, wobei sie mehrmals ein- und ausflog bzw. zum Eingang zurückkehrte.

Ob sie bleibt? Wer weis das schon.

 

 

 

Der Beitrag wurden geschrieben von Stefan Helget aus Töging / Südostbayern.

 

 

Hinweis: Selbstansiedlung und aktive Ansiedlung findet ihr im Beitrag Hummelansiedlung.