Fachausdrücke von I bis Q

( I J K L M N O P Q )

 

I

 

 

Imagines: werden bei den Insekten die erwachsenen, fertig ausgebildete Insektenkörper und geschlechtsreifen Alttiere bezeichnet. Gelegentlich findet sich auch die deutsche Bezeichnungen: wie Vollkerf und auch Vollinsekt.

 

Innendienstarbeiten: Bau-, Pflege-, Reinigungs- und Wächterdienst, verrichtet durch Arbeiterinnen (z.B. kurz nach dem Schlupf - aber auch später), teilweise auch durch Altkönigin (Brut- und Pflegedienst).

 

Insektenkörper: Dreigegliedert (Kopf, Brust, Hinterleib), mit Außenskelett (Chitin), Gliederfüßen.

 

Integument: Chitinpanzer oder Körperhülle.

 

Incisura lateralis: Runde Ausbuchtung im unteren Teil des Kiefervorderrandes.


J

 

Jungkönigin: Eine noch nicht überwinterte Hummelkönigin, die erst im nächsten Jahr ein Nest gründet.

K

 

Kaste: (Die Kasten): Königinnen und Arbeiterinnen lassen sich bei Pocketmarker - Arten (siehe bei Pocketmaker) manchmal gar nicht unterscheiden. Bei Pollenstorern (siehe dort) ist die Kastenzugehörigkeit fast immer eindeutig.

 

Kastenbildung: Bei Termiten und Hautflüglern besonders entwickelte Formen, die einen Staat bilden, besonders Arbeiterinnen und Soldaten, Königinnen, Drohnen. "Kastenbildung" ... die nach Gestalt und Verhalten verschiedenen Formen bei staatenbildenden Insekten (Jacobs / Renner). - Bei sozialen Insekten, z.B. Hautflüglern auftretende, mit der Arbeitsteilung zusammenhängende Sonderform zahlreich auftretender Tiere, die spezifische Arbeiten im Sozialwesen verrichten. Bei Hymenopteren: sterile Weibchen, sog. Arbeiterinnen.

 

Königin: Als Königin bezeichnet man ein begattungsfähiges weibliches Geschlechtstier (Vollweibchen), das einzige regelmäßig sich fortpflanzende (eierlegende) Tier im Insektenstaat z.B. der Hummeln. Honigbienen auch Wespen (samt Hornissen) bilden ein Volk mit jeweils einer Königin. Die Königin selbst ist im Vorjahr von ein oder mehreren Drohnen   begattet wurden.

 

Körbchen: Löffelförmiger, von steifen Körbchenborsten umstandener Bereich der Schiene ("Schienbein") am Hinterbein von Honigbiene, Hummeln und vielen Wildbienen.

Körbchenborsten: Sind die Wimperförmigen Borsten, die um die löffelartig ausgekehlten Schienen der Sammelbeine stehen. Klebriger Blütenstaub wird beim Sammeln in die Schienenhöhlung der Hinterbeine, die Körbchen, gepreßt. Die Körbchenborsten halten, wie Muniereisen im Stahlbeton, den Höselpollen (in sog. Pollenhöschen oder als sog. Höselpollen- Klümpchen, Corbicularpollen) fest.

 

Körperlänge: Die Königinnen der einzelnen Arten sind stets größer als Arbeiterinnen und Drohnen. Die Drohnen sind meist größer als die Arbeiterinnen.

 

Kuckuckshummeln: Mehrere mit den "echten" Hummeln nahe verwandte Hummelgattungen entwickeln nur Geschlechtstiere, Drohnen und Weibchen. Die Arbeiterinnenkaste fehlt. Kuckuckshummeln gründen also keine eigenen Völker. Vielmehr leben sie als "Sozialparasiten" (daher auch "Schmarotzerhummeln") bei Hummeln der Gattung Bombus.

Die weiblichen Kuckuckshummeln fliegen erst dann, wenn die "richtigen" Hummeln schon ihre Völker gegründet haben und die Arbeitsteilung erfolgt ist, also ab Anfang Mai. Wenn sie einen Hummelbau gefunden haben, in dem sie ein Wirtshummelvolk riechen, versuchen sie sich "einzuschleichen". Manchmal werden sie entdeckt, vertrieben oder gar tot gestochen. aber nicht immer. Manchmal vertreibt der "Kuckuck" sogar die Hummelkönigin oder sticht sie tot. Ist die Kuckuckshummel erfolgreich zu den Brutwaben vorgedrungen, legt sie dort ganz rasch ungefähr 20 Eier. Die Hummelarbeiterinnen finden "so viele Eier" offenbar ganz toll und pflegen sie wie zuvor die Eier der eigenen Königin. Die Altkönigin ist dann vertrieben, tot oder "einflusslos" geworden. Sie sendet keine Sozialsignale mehr. Die Arbeiterinnen befolgen von nun an die "gefälschten" Signale des Kuckucks- bzw. Schmarotzerhummel-Weibchens. Wie beim Kuckuck der Vögel werden die Kuckuckskinder bei Hummeln von den Pflegeeltern, hier sind es Hummelarbeiterinnen, großgezogen. So "sparen" Kuckuckshummeln eine eigene Arbeiterinnenkaste.  Kuckuckshummeln leben also sozialparasitisch als Brutschmarotzer.
Es gibt bei sehr vielen Tieren "Kuckucke", die brutparasitisch leben.

 

Kulturfolger: Kulturfolger oder Hemerophile (griechisch hemeros = Kultiviert – philos = Freund).

Tier und Pflanzenarten, die vom  Menschen geschaffene und gestaltete Lebensräume bevorzugen und dadurch Vorteile erlangen. Sie finden dort oft günstigere Lebensbedingungen vor, als an ihrem ursprünglichen Lebensraum.

 

 

Kurzstreckenflieger: Es gibt Hummeln, die wenn eben möglich, nur 50 bis 100 Meter um ihren Neststandort sammeln: sogenannte Kurzstreckenflieger. Sie bilden meist kleine Völker mit wenigen Bewohnerinnen (Beispiele: Wiesen-, Acker-, Waldhummel).



 

L

 

 

Larvenaufzucht: Wird vor der Arbeitsteilung allein durch die Königin und nach der Arbeitsteilung überwiegend von Innendiensthummeln durchgeführt.

Verfüttert werden Nektar und Pollen. Wichtig sind die richtige Bruttemperatur (ca. 31,5 °C) und Nesttemperatur (ca. 27,0 bis
29,0 °C)sowie eine gleichmäßig hohe relative Luftfeuchtigkeit von wenigstens 60%, denn Hummeln nisten meist im oder am Boden.

 

Luftsack: Erweiterungen der Tracheen, besonders im Abdomen stark ausgebildet, s. Atemöffnung.

M

 

Männchen: s. Drohn

Megabombus: Große Hummel

 

Metamorphose: Entwicklung - Gestaltwandel: Erfolgt bei Bienen und Hummeln aus dem Ei über eine madenförmige (fußlose und farblose) Larve zum flugfähigen "Vollinsekt" (Imago, Mz. Imagines). s. Stichwort Entwicklung. Die Hummelmaden durchlaufen mehrere Entwicklungsabschnitte, die durch Häutungen von einander abgesetzt sind.

Milben: Spinnentiere (deshalb 4 Beinpaare). Hummeln sind oft und stark mit der Gattung Parasitus besetzt. Offensichtlich kommensal, vielleicht sogar symbiontisch; - Milben leben bei den Hummeln von Abfällen. Die Beziehung zwischen Milben und Hummeln ist eine "Phorese" (Transportgesellung): Nur das präadulte Deutonymphenstadium geht auf (meist junge Königinnen) über; überwintert mit ihnen; verlässt sie nach Nestgründung und besiedelt nun das Nest. (Adulte und Larvenstadien bis zur Protonymphe leben im Nest).

 

Mimikry: Meist optische Nachahmung oder gefährlicher oder ungenießbarer Tiere, z.B. Wespen, Bienen, Hummeln oder durch andere Insektenarten, die dadurch ebenso vor Angreifern geschützt sind wie ihre Vorbilder (Warntracht).

 


N

 

Nahrungsflug: Gibt die spezielle Funktion eines Fluges an: Nektar und Pollensammeln.

 

Nahrungspflanzenspektrum: Ganze Breite der Nahrungspflanzen (mit ihren spezifischen Blütenbautypen), die von einer Art oder Artengruppe zum Energiegewinn genutzt werden kann (Bau-Funktionsverschränkung, bei gegebener Blütenkonstruktion und Rüssellänge).

 

Naturschutzgesetze: Hinweise zu Schutzvorschriften und Ausnahmegenehmigung.

 

Nektar: Kohlenhydratreiche Pflanzensäfte, i. d. R. an Nektardrüsen (sog. Honigblättern) als Lockstoff und Belohnung für Bestäuber ausgeschieden. N. -Menge und Zuckergehalt unterschiedlich groß bei Insektenblütigen, Vogelblütigen, Fledermausblütigen. Windblütler liefern keinen Nektar aber dafür um so mehr Pollen.

Im Nektar liegt nur noch ein geringer Anteil der Mineralsalze des Phloem-(Siebröhren-)Saftes vor. Siebröhren leiten die Assimilationsprodukte in wäßriger Lösung von ihrem Entstehungsort - Blätter, chlorophyllführenden Zweigen - zum Zentrum der Pflanze, wo sie gespeichert werden können.

Frischer Nektar enthält etwa 20 bis 40 % Zucker; unter den nachgewiesenen Zuckerarten überwiegen die Monosaccharide (Einfachzucker) Saccharose, Glocose und Fructose. Honigbienen bevorzugen Zuckermischungen im Nektar gegenüber nur einer Zuckerkomponente. Aus einem Liter Nektar stellen Bienen 150 bis 200 g Honig her.

Nektar weist keinen spezifischen Nektarduft auf. Blütendüfte haben ihren Ursprung vielmehr in besonderen Duftdrüsen der Blumen. Manche Blütendüfte erinnern allerdings an Honigduft (siehe Nektarproduktion).

Nektar bei der Hummelaufzucht: wässrige Fruchtzuckerlösung (ca. 4 Gewichtsteile Zucker auf 6 Gewichtsteile Wasser). ein gestr. EL Honig auf 1 Liter Lösung zugeben! (Rübenzucker statt Fruchtzucker ist verwendbar, doch deutlich weniger attraktiv.) - N. ist Energielieferant für Arbeit und Wärmehaushalt der Hummeln - überwiegende Nahrung der Arbeiterinnen.

 

Nektaraufnahme: Saugen bzw. Auflecken von Nektar an Tränken bzw. Blüten; dient dem Betriebsstoffwechsel.

 

Nektarblase: (auch "Honigblase" genannt) oder Sozialmagen - "Bauch-Einkaufstasche" der Hummeln, in denen Nektar praktisch unverändert ins Nest gebracht und z. B. im Nektartopf gespeicht wird.

Sozialmagen: Teil des "Magens" weiblicher Hummeln und anderer Hautflügler, ist sehr dehnfähig und dient als "Sammel- und Transportgefäß" für Nektar, der als Nahrungsvorrat ins Nest eingetragen wird. Die Nektarblase ist sozusagen die Baucheinkaufstasche der Hummelweibchen. (Nektar erfährt dabei unseres Wissens bei Hummeln keine Aufarbeitung zu Honig durch Wasserentzug und Fermentation.)

 

Nektarien (extraflorale): Vor allem Laubblätter können der Ort sein, wo sich nicht-blütenständige (extraflorale) Nektardrüsen nachweisen lassen: So bei Flieder (Syringa), Steinobstarten (Prunus), Pappel (Populus), Weide (Salix), Balsamine (Impatiens), Holunder (Sambucus), Gemeinem Schneeball (Viburnum opulus), Wickenarten (Vicia). Wenn an besonders sonnigen Sommertagen gegen Mittag Photosyntheserate und Sccharoseproduktion besonders hoch sind, kann der Druck des Siebröhrensaftes der Laubblätter so stark ansteigen, dass es sich für Bienen, Hummeln und Wespen lohnt, den saccharosehaltigen Phloemsaft an laubblattständigen Nektardrüsen aufzunehmen.

 

Nektarproduktion: Die Nektarabgabe der Nektarien (Nektardrüsen der Pflanzen) wird durch Außenfaktoren beeinflusst: Bei ungünstiger Wasserversorgung wird weniger Zucker (überwiegend Rohrzucker) ausgeschieden als bei ausreichend hoher Bodenfeuchtigkeit. Dabei ist die absolute Nektarmenge je Tag und Einzelblüte sehr unterschiedlich: beim Borretsch beispielsweise 5,3 mg, bei der Sommerlinde 2,3 mg, bei der Winterlinde 1,9 mg.

Übrigens: Die ersten Blüten der Linden liefern gar keinen Nektar, und in den sich später öffnenden Blüten nimmt mit zunehmendem Alter der Zuckergehalt von zunächst 38 % auf schließlich 26 % ab. Des weiteren läßt sich bei verschiedenen Pflanzen eine Tagesrhythmik der Nektarproduktion nachweisen: So sezerniert die Wegwarte (Cichorium intybus) nur zwischen 7 und 12 Uhr, während bei der Kapuzinerkresse (Tropaeolum) das Sekretionsmaximum in den Nachmittags- bis Abendstunden und bei Linden in den Abend- und Nachtstunden liegt.

Auch die Zuckergehalte einer Pflanze können im Tagesverlauf variieren: Bei der Sonnenblume (Helianthus annuus) fallen die Maxima von Quantität (Angebotsmenge) und Qualität (Energiewert/Zuckergehalt) des Nektars zusammen. bei Linden (Tilia), Waldweidenröschen (Epilobium angustifolium) und Majoran (Origanum vulgare) fallen Qualitätsmaxima uns Quantitätsmaxima hingegen auf unterschiedliche Tageszeiten.

 

Nektartopf (auch: "Honigtopf"): Nestgründende Königinnen bauen für die Zeit der subsozialen Phase (Zeit vor der Arbeitsteilung) einen fast fingerhutgroßen dünnwandigen Wachsbehälter (-becher) für Nektarvorräte, in Reichweite des Rüssels der brütenden Nestgründerin, charakteristische Erstausstattung des gerade angelegten Nestes gleich nach Fertigstellen der ersten Eiwiege. Nektartopf enthält Nahrung für einen Bruttag (Energievorrat für die Nacht / Schlechtwetterüberbrückung). Davon trinkt die Königin während der Brutphasen und nachts. Der Nektartopf steht in Reichweite des Rüssels vor der Brutwabe in Richtung Nestausgang. Er wird nach den täglichen Sammelflügen immer wieder (auch als Schlechtwettervorrat) aufgefüllt.

 

Nektartrinken: dient dem Energiegewinn. Arbeiterinnen nach dem Schlupf und Drohnen, wenn sie ihr Mutternest endgültig verlassen haben, leben ausschließlich von Nektar.

 

Nestdecke, Nestkuppel: Wärmeisolierende halbkugelförmige Kuppel über den Brutwaben bzw. Wachswabenbau als Wand und Umgrenzung des eigentlichen Hummelnestes (feuchtigkeitshaltend, zugleich wasserabstoßend). Hummeln errichten ihren Wabenbau in Nestchen aus Tier-, Pflanzen-, oder technischen Wollen bzw. Watten, also isolierenden Fasern zum Warmhalten. Diese Materialien werden zurechtgezupft, aufgelockert, gewissermaßen toupiert und zu einer Nestkugel geformt. Wasserfestigkeit, "Unzerreißbarkeit" und zusätzlich Wärmeisolation erreichen solche Nestdecken durch Wachs, Pollen, Nektar und Baumharzen, Materialien, die mit den Fasern verarbeitet werden. Funktionell und quantitaiv wichtigstes Baumaterial der Nestdecke ist Wachs (feuchtigkeitshaltend, zugleich wasserabstoßend).

 

Nestgründerin: Überwinterte Königin, die im Vorjahr (Sommer/Herbst) begattet wurde, überwintert hat und nun ihr eigenes Nest gründet. Nestbau mit Initialwabe, bestehend aus einer Eiwiege, ferner einem Nektartopf. Die zunächst eine solitäre Phase einleitet. In der folgenden sozialen Phase des Hummelvolkes wird die Nestgründerin zur Altkönigin. Der Begriff "Königin" bedeutet im Frühjahr nichts anderes als Nestgründerin. Im Sommer, wenn bereits erste nachgezogene Jungköniginnen im Nest sind, ist eine Unterscheidung zwischen vorjähriger Königin und diesjährigen Jungköniginnen wichtig: Man spricht dann, im Gegensatz zu diesen nicht mehr von einer Nestgründerin, sondern von der Altkönigin. (vgl. Königin, vgl. Nektartopf, vgl. Eiwiege).

 

Nestgründung/Nestgründungsphase: Zeit unmittelbar nach der Suchphase; N. beginnt mit der Annahme einer Niststatt, für den Beobachter gekennzeichnet durch den Orientierungsflug. 

Die Nestgründungsphase wird eröffnet durch eine ihr zusagende Niststatt "suchende Königin". Höhepunkt der Nestgründung besteht im Zurichten des aufgefundenen isolierenden Nistmaterials, dem Anlegen einer "Pollenmatratze" aus Bienenbrot, dem Ablegen der ersten Eigruppe (Eiwiege und Bestiften derselben und überziehen der Eiwiege mit einem (später) sattelförmigen Wachsüberzug), dem beginnenden Bebrüten derselben (auch: erste Brutwabe/ Initialwabe/ erster junger Brutklumpen), schließlich mit dem Bau und Anlegen des Nektartopfes und Füllen des Nektartopfes , sowie das Brüten auf der Eiwiege, dem Füttern der ersten Larvengruppe und dem Vergrößern der Brutwabe, in der die Maden leben und verpflegt werden, ihrem zunehmenden Wachstum entsprechend. - Der sattelförmig strukturierte obere Teil (von der Königin bebrüteten) Larvenwiege wird "Brutgrube" genannt.

Die Nestgründungsphase endet mit dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen nach knapp drei Wochen. Nun beginnt die soziale Phase des jungen Volkes. Die Nestgründungsphase heißt auch subsoziale Phase.

 

Nestklima: Besonders die Nester bodenbrütender Arten weisen hohe relative Luftfeuchten auf. Durch Errichten einer Nestdecke und zusätzliche Klimatisierung vermögen alle Arten Luftfeuchte und Temperatur im Nest konstant zu halten, Sauerstoff und Kohlenstoff- Gehalt zu beeinflussen. - (Vergleiche Nestdecke). In unseren gemäßigten Breiten liegt die Nesttemperatur zwischen 29,0 °C. und 32,5 °C., in arktischen Gebieten (in Lemmingnestern) bei konstant 35 °C. (Hummeln kommen bis in 880 km Entfernung vom Nordpol vor.)

Der zentrale Wabenbau wird bei einer Bruttemperatur von etwa 31,5 °C. gehalten. Die Luftfeuchte darf weder zu niedrig (Austrocknungsgefahr) noch zu hoch (Schimmel- oder Tropfwasserbildung) liegen: mehr als 60 % relative Luftfeuchte sind richtig. Hummeln besitzen an den Antennen "eingebaute Klimameßgeräte", mit denen sie Abweichungen der Ist-Nestklimawerte vom "Sollwert" feststellen. Erforderliches Heizen oder Lüften, Zubauen oder Öffnen und Rückbauen der aus Wachs gefertigten Nestdecke stellt die Nestklima-Sollwerte wieder her. Energielieferant für all diese Leistungen ist Blütennektar. (Pollen wird hingegen im Wesentlichen als Aufzuchtfutter verwendet.) Wichtigstes "Heizgerät" sind die Flugmuskeln der Hummeln: Sie können ohne Flügelbewegung (unsichtbar und unhörbar für den Beobachter) "wärmezittern" und dabei Veratmungswärme aus "chemisch gebundener Energie" des Nektars erzeugen. Legt man die Hand auf die Nestdecke eines jungen Volkes, dann spürt man deutlich die angenehme Wärme.

 


O

 

Orientierungsflug: Einprägen (Lernen nach Landmarken und Düften) der Nestumgebung und des Nesteingangs nach Übernahme einer Niststatt durch die Nestgründerin; beim ersten Verlassen des Nestes durch alle weiblichen Hummeln.

 

Ocelli: (Stirnaugen), Hummeln besitzen drei Stirnaugen (Punktaugen). Die Fähigkeit, über besonders viele Tagesstunden zu sammeln, basiert u.a. auf der Funktion der Ocelli: Soziale Bienen (Hummeln) können bereits ausfliegen, wenn die Helligkeit es noch nicht / nicht mehr erlaubt, sichtbare Landmarken wahrzunehmen. Sie nutzen das polarisierte Himmelslicht (das selbst bei bedecktem Himmel wahrnehmbar ist), um heimzukommen. Die drei Ocelli, kleine, "einfache" Augen, die (zwischen den Facettenaugen) auf dem Oberkopf stehen, sind für die Orientierung besonders wichtig. Hummeln ohne arbeitsfähige Ocelli starten später am Tag und beenden ihre Sammelflüge früher; solche mit funktionierenden Ocelli vermögen in Spiralen aufzusteigen und erhalten ihre Standortdaten über das polarisierte Himmelslicht. Beim Rückflug finden sie geradewegs direkt ins Nest - selbst wenn keine Landmarken mehr sichtbar sind. Ohne polarisiertes Himmelslicht fliegen Hummeln im Zickzackflug, richten sich nach bekannten Landmarken, brauchen länger für den Heimflug. Finden sie keine, so gehen sie im Sammelgebiet zu Boden. (Nach Heinrich).  (Siehe unter mikroskopische Aufnahmen)

 

 

 

Ozellus: Einzelauge; es befinden sich drei Ozelli auf dem Scheitel des Kopfes.


Ozellusorbitalfeld: Um den seitlichen Ozellus herum bis zum Rand des Komplexauges reichendes Feld mit oft artlich verschiedener Punktur.

 

 

P

 

Parasit: Tierischer oder pflanzlicher Schmarotzer an anderen Tier- oder Pflanzenarten, die dadurch geschädigt werden oder zugrunde gehen (bei Symbiose nützen sich beide Aretn gegenseitig). Der Parasit ist in der Regel kleiner als sein Wirt, dem er Nahrung entnimmt. Parasiten (Gefährdung durch Tiere), die Hummeln nachstellen: 1. Schlupfwespenart, Bienenameisen, Dickkopffliegen, Hummel-Schwebfliegen, Schimmelkäfer, Wachsmotten, Milbenarten, Hummelnematoden, Hummeldarmparasiten und unter den Hummeln sind sogenannte Kuckuckshummel (Schmarotzerhummel) zu nennen.

 

Parasitoid: Schmarotzer am oder im Körper des Wirts, den er schließlich tötet.

 

 

 

Parthenogenese: Jungfernzeugung - wenn Arbeiterinnen Eier legen und sich daraus - da unbefruchtet - nur Drohnen entwickeln Können.

 

Petiolus: Familienkennzeichnendes "Stielchen", auch "Wespentaille" (erstes Hinterleibssegment), verbindet Brust mit Hinterleib. Bei Hummeln wichtiges Element im Wärmeaustauscher-System und damit für die Wärmeregulation im "Motorblock"-Bereich, der Brust (mit Flugmuskulatur). Im Petiolus verläuft die Arterie mit abgekühlter Hämolymphe / "Blut" (vom Herz her aus in dem Abdomen kommend) brustabwärts. Unter diesem Gefäß strömt frei - ventiliert durch das untere Diaphragma - der "heiße" Hämolymphstrom zum Abdomen. Bei niedriger Außentemperatur kann im Petiolus der Abfluss gestoppt werden. In jeden Fall wird hier die rückfließende kalte Hämolymphe vorgewärmt. Gute Isolation sorgt dafür, dass 2/3 der theoretisch abgeführten Wärme im Petiolus -Bereich zu- oder abgeschaltet werden. (Bei Zuschaltung wirkt nur das "thermische Fenster" auf der Bauchseite als "Kühlrippe". Hier erfolgt auch die Wärmeabgabe während des Brütens auf die Brutwabe, auf Ei- bzw. Larvenwiegen.)

 

Phloem: Bei den Gefäßpflanzen besteht ein Leitungssystem, das dem Transport gelöster organischer Stoffe von den Bildungs- und Speicherungsorten zu den Verbrauchsteilen der Pflanze dient. Es handelt sich um lebende, unverholzte Zellen, es sind langgestreckte Siebzellen mit siebartig durchbrochenen Querwänden. Der zuckerhaltige Phloemsaft,
der von der Pflanze zum Aufbau von Zellulose (Holz) benötigt wird, dient zahlreichen Pflanzensaugern durch Anstechen des Leitungssystems als Nahrungsgrundlage und ist auch die  Quelle des von den Bienen und Hummeln gesammelten Honigtauhonigs.

 

Phorese: Transportgesellung (Milben).

 

Phänologie: "Lehre vom Erscheinen bzw. der Aufeinanderfolge von Pflanzen- bzw. Tierarten im Jahreslauf" ("Pflanzen-Uhr"). Es gibt phänologisch frühe Hummelarten - Erd-, Hain- und Wiesenhummel; mittelfrühe - Steinhummel, Gartenhummel; späte - Wald- und Deichhummel.

 

Pocketmaker: Meist langrüsslige Hummeln (z.B. Ackerhummel, Gartenhummel), die besondere Pollentaschen aus Wachs, sog. Pockets, unter bzw. an die Brutwaben bauen, in welche die Pollenvorräte von den heimkehrenden Sammlerinnen gestapelt werden. Die Larven bedienen sich selbst: Sie fressen von oben aus diesen Pollenschubladen.
Lediglich Nektar muss den Larven von ihren Ammen vor die Mundöffnung gespuckt werden.


Pockets: Es ist eine Pollentasche, die seitlich und unter der Larvenwiege angebaut ist. Sie sieht ein bisschen aus wie der Hohlraum eines holländischen Holzschuhes und funktioniert vergleichsweise wie eine halbaufgezogene Schublade für Blütenstaub.

 

Pollen: (Blütenstaub) Besonders in nektarlosen Blüten, wie Anemone, Klatschmon, Rose, Johanniskraut, Lupine wird oft Pollen in großen Mengen angeboten: Klatschmon liefert je Blüte im Schnitt 2,6 Millionen Pollenkörner, Pfingstrosen mit ca. 3,6 Millionen Pollenkörnern.

 

Pollentopf: Wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, werden die Puppenzellen gesäubert, überarbeitet und anschließend als Behälter für Blütenstaub-Vorräte genutzt. Manchmal werden besondere Pollenzylinder gebaut, die durch die ganze vertikale Tiefe des Wabenbaues reichen. Heimkommende Sammlerinnen lösen ihre Pollenpakete (Corbicularpollen) und lassen sie in Töpfe oder Zylinder hineinfallen. Anschließend wird der Pollen mit den Kiefern/Mandibeln zerkaut und eingestampft. Fertig "verpackt" sieht der Inhalt aus wie eine Nougatpraline.

 

 

Pollenaufnahme: Fressen / auch Sammeln von Blütenstaub als Eiweißnahrung; Hauptfutter während der Larvenentwicklung; sehr wichtig für die Eier produzierende Königin, die Spermien produzierenden Drohnen. Pollenaufnahme dient dem Baustoffwechsel.

 

 

Pollenstorer: Brutökologische Gruppe von (kurzrüsseligen) Hummelarten. Meist kurzrüsselige Hummeln, z.B. Erdhummeln, Baumhummeln, Wiesenhummel, aber auch die eher langrüsseligen Steinhummel speichern den Pollen in leere Puppenzellen oder in speziell gebaute besondere Pollenzylinder und holen von dort bei Bedarf Blütenstaub-Portionen zum Verfüttern ab: Ihre Larven werden also von Ammen auch mit Pollen direkt verpflegt (siehe Stichwort Fütterung der Jungtiere).

 

Polymorphismus: (Vielgestaltigkeit) Größenpolymorphismus der Arbeiterinnen: Unterschiedliche Größe der weiblichen Hummeln, speziell der Arbeiterinnen im Volk.

 

Putzscharte: (Putzbein) Das erste Beinpaar der Hummeln ist mit einer Putzscharte zum Hindurchziehen der Antennen ausgestattet und dient (zusätzlich zur laufenden und kletternden Lokomotion) als spezialisiertes Putzbeinpaar.

Putzen: Pollen und Nektarreste werden bei der Körperpflege in kurzen Abständen aus der Behaarung und von Zunge und Extremitäten mittels streichender oder kehrender Reinigungsbewegungen der Füße herausgebürstet. Zum Putzen der Fühler dient eine besondere Putzscharte in den Vorderbeinen, durch welche die Fühler zum Reinigen wie durch einen Kamm hindurchgezogen werden (Stichwörter: Putzbein und Putzscharte). Ein irreversibel verklebtes Haarkleid lässt Hummeln bald eingehen. Hygiene ist nicht nur für Katzen und Menschen ein wichtiges Gebot, dem täglich mehrmals nachgekommen wird. Übrigens: Komfortverhalten (Putzbewegungen) lassen sich bei Hummeln leicht beobachten.

Pelz: "Behaarung" der Hummeln ("Biene im Pelz"): Stichwort Körperhaare!

 

Psithyrus-Arten: (Kuckuckshummeln) Kuckuckshummeln bei Nahrungsaufnahme: Der (solitäre) Psithyrus verweilt im Durchschnitt 58 Sek. am Blütenstand der nordamerikanischen Ericacee Chamaedaphne calyculata, um Pollen und Nektar der 4 bis 8 Einzelblüten zu ernten. - Eine (soziale) Hummelkönigin benötigt für die gleiche Arbeit lediglich 4 Sek.

 

Pyrobombus: Feurige oder wilde Hummel.

 


Q