Fachausdrücke von R bis Z

( R S T U V W X Y Z)

 

 

R

 

Rüssel und Zunge: Besondere "Mundgliedmaße" von Bienen und anderen sich leckend-saugend ernährenden Insekten. Hochspezialisiertes Mundwerkzeug zur leckend-saugenden Aufnahme von Flüssigkeiten. Rüssel besteht aus langer, rinnenförmiger Zunge / Glossa (ausgeprägte, biegsame Verlängerung der Unterlippe / Labium, die als Saugrohr arbeitet). Durch sie wird Nektar aufgesogen. Der Rüssel wird mehrteilig zusammengelegt. Der innerste Teil, die Zunge, endet vorn, zu feinen Fransen aufgefasert, als "Pinsel" zum Auflecken von Pflanzensäften, z.B. Nektar und Honigtau. Ein Pumpmuskel in der Schlundregion ermöglicht dies. Die abwärts - einwärts gerollten Zungenseiten bilden eine nahezu geschlossene Röhre. Deren hermetischer Verschluss wird durch Umlegen der Maxillen und Labialpalpen erreicht. Andere Mundwerkzeuge der Hummel: Die Kiefer / Mandibel sind stumpf und zum Bearbeiten des Wachses für Waben und Nestbau entwickelte Knetwerkzeuge; ebenfalls bei kämpferischen Auseinandersetzungen eingesetzt. Auch beim Blüteneinbruch eingesetzt, s. Nektarraub; ferner zum "Stampfen" (Verfestigen) der eingetragenen Corbicularpollen in pockets bzw. in Pollenzellen.

Die Rüssellänge unserer Hummeln ist sehr unterschiedlich: kurzrüsselige Königinnen (z.B. Erdhummeln) haben durchschnittlich 8,5 mm Rüssellänge; langrüsselige (z.B. Gartenhummeln) bis zu 22 mm Rüssellänge; Gartenhummelarbeiterinnen etwa 16 mm. Wegen des Größenpolymorphismus der Arbeiterinnenkaste gibt es unterschiedliche Rüssellängen in jedem Volk. Entsprechend unterschiedliche Trachtpflanzenarten können durch Sammlerinnen eines einzigen Volkes erfolgreich und rasch besammelt werden. Dies ist eine Möglichkeit, über die z. B. Honigbienenvölker nicht verfügen, denn deren Arbeiterinnen besitzen alle gleichlangen Rüssel.

 

   

S 

 

Saftmal (Saftmalszeichnung): Saftmale sind auffallende Zeichnungsmuster in der Blüte, die Insekten zur Nahorientierung dienen und sozusagen den "Landeplatz" kennzeichnen. Saftmale senden oft UV-Licht aus. Bienen und Hummeln sehen Ultraviolett besonders gut. Die Funktion der Saftmale entspricht, technisch betrachtet, der "Landebahnbefeuerung" unsere Flugplätze. Saftmale sind besonders apart und deutlich zu sehen auf der Gelben Sumpfiris.

 

 

Sammelapparate: Sie befinden sich an beiden Hinterbeinen (Sammelbeinen) der Bienen und Hummeln. Der Sammelapparat der Schienenkörbchensammler verdankt Gestalt und Funktionstüchtigkeit an erster Stelle seinen besonders strukturierten borstenähnlichen Haarbildungen.

 

 

Sammelbeine: Beim Sammeln arbeiten zwar alle drei Beinpaare gemeinsam, doch sehr unterschiedlich. Erstes und zweites (vorderes und mittleres) putzen bzw. kehren nach dem Blütenbesuch den Pollen aus dem Haarkleid. Das zweite (mittlere) Paar bringt den Pollen gezielt an die hinteren (dritten) Beine, die als Sammelbeine eingesetzt werden. Sie haben in Sammelhaaren und Hohlform der Beinschiene eine Transportvorrichtung, die Verladen und Transport großer Pollenmengen ermöglicht. (s. auch Körbchen/Körbchenborsten.)

 

 

Sammelhaare: Fegen Pollen aus den Staubblättern der besuchten Blüten. Von dort bringt rasches Bürsten den Blütenstaub an die Sammelbeine, von wo er durch spezifische Sammelbewegungen in die Schienenkörbchen gelangt und als Corbicularpollen heimgebracht wird.

 

Sammlerinnen: Tragen Nektar und Pollen von den Blüten der Trachtpflanzen als Futtervorrat für Brut, Königin und junge Geschlechtstiere in den Wabenbau ein. Beim Sammeln werden im Haarkleid der Insekten Pollenkörner auf die Narben anderer Blüten derselben Pflanzenart verschleppt bzw. übertragen. So kommt es zur Bestäubung der in Folge besuchten Blüten. Die strenge Blütenstetigkeit der Honigbienen wie die zunehmende Spezialisierung auf wenige Trachtpflanzenarten der Hummeln stellen die Blütenbestäubung sicher, weil immer wieder die einmal gewählten Blütenarten aufgesucht werden - am gleichen Tag vielfach - bei jedem Sammelflug ca. 400 Einzelblüten (s. Außendiensthummeln).

 

 

 

Schienenkörbchensammler: (Beinsammler).

 

 

Scutellum: Oberseite der Hinterbrust, trägt oft helle Haare.

 

 

Selektive Bebeutung: (Rüssellängen / Größenpolymorphismus), s. Größenpolymorphismus der Arbeiterinnen.

 

 

Schmarotzerhummel: s. Kuckuckshummeln!

 

 

Sozialparasitismus, permanenter: Durch Kuckuckshummeln (s. dort); ihnen fehlt die Arbeiterinnenkaste, daher besetzen sie - durch Nestgeruch geleitet - entwickelte Nester ihrer phänologischen früheren Wirte. Der stärker gepanzerte Körper und stärkere Stachel, ferner kräftigere Kiefer verleihen Kuckuckshummeln Vorteile im Kampf um die Übernahme des Nestes.

 

 

Sozialparasitismus, temporärer: Eine später geschlüpfte Königin überwindet in kämpferischer Auseinandersetzung eine Nestgründerin ihrer eigenen oder einer nahe verwandten Art und erobert deren Nest und Brut. (SLADEN fand bei Bombus terrestris 20 abgestochene Königinnen in einem Nest!). Temporärer Parasitismus wird relativ häufig von B. terrestris bei B. lucorum ausgeübt. Sozialparasiten wie die Kuckuckshummeln bezeichnet man exakter als Inquiline denn als parasitische Gattung. Kuckuckshummeln und Hummelköniginnen leben oft nebeneinander im Nest (besonders bei "friedlichen" Arten. - Die Inquiline vernichtet jedoch die Hummeleier und baut aus dem vorgefundenen Wabenmaterial stets selbst Zellen für ihre zahlreichen Eier (bis 23 Eier werden auf einmal abgelegt in nur 6 Minuten).

Die Entwicklungszeit eines Psithyrus - besetzten Hummelvolkes ist wesentlich kürzer als die eines nicht parasitierten, da ja weitere Arbeiterinnenbruten entfallen.

 

 

Schutz der Insektenlebensräume: Für Insektenschutz gilt dasselbe allgemein wie für Hummelschutz speziell: Wildpflanzenschutz, Brutstättenschutz, ökologisch sinnvoll und giftfrei angelegte Hausgärten; Zurückholen alter und weitgehend verdrängter "Unkräuter" in die Siedlungen (z. B. Schwarznessel, Taubnesseln, Gelber Steinklee etc.) sind einige wichtige Teilaspekte. Anders ausgedrückt: Ökologisch vernetztes Denken und Handeln sind unverzichtbar!

Wie wichtig Wildinsekten sind, zeigt der moderne Einsatz gezüchteter Hummelvölker im Gartenbau im Rahmen der Obst- und Gemüseerzeugung vor allem in Gewächshäusern und unter Folienschutz als preiswerte und besonders effektive Bestäuberinsekten (s. Stichwort Sammlerinnen).

 

 

Schutz für Wildbienen: Den rechtlichen Schutz für Wildbienen erläutert WESTRICH detailliert (Bd. 1, Seite 409 f.). Daraus sei hier nur ein kurzer Auszug wiedergegeben: Durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) vom 25. August 1980 wurden erstmals sämtliche Bienen (Apoidea, Bienen und Hummeln) unter besonderen Schutz gestellt. In der Verordnungsnovelle vom 19. Dezember 1886 wurde dieser Schutz fortgeschrieben. Danach ist es verboten, Wildbienen zu fangen, zu töten und ihre Nist- oder Zufluchtstätten zu beschädigen oder zu zerstören. Wenn ein naturkundlich interessierter Bürger zu Studienzwecken ein Bienen- oder Hummelnest oder auch nur Einzeltiere dieser Insektengruppe an sich nehmen möchte, benötigt er hierzu eine Ausnahmegenehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (s. Naturschutz - Hinweise auf rechtlichen Grundlagen!).

 

 

Soziale Phase: Entwicklungsabschnitt des Hummelvolkes nach dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen. Arbeiterinnen übernehmen jetzt einen Großteil der Aufgaben, die bisher die Königin allein verrichtete, z.B. Durchführen von Nahrungsflügen, Brutpflege, Klimatisieren der Brutwaben usw.

 

 

Sozialmagen: s. Nektarblase!

 

 

Stielchen (Wespentaille oder Petiolus): Heißt das feine Verbindungsglied zwischen dem 1. und 2. Hinterleibssegment. Durch diesen engen Körperabschnitt verläuft im oberen Teil ein wichtiges "Blut-Gefäß". Darin strömt abgekühlte Körperflüssigkeit vom Hinterkörper zur Brust zurück. Im unteren Abschnitt des Stielchens strömt aufgeheizte Körperflüssigkeit vom "Motorblock" (denFlugmuskeln) in der Brust zum Hinterleib. Die Wärme kann, je nach Bedarf, entweder in den Hinterleib transportiert oder über einen Wärmetauscher direkt auf das in den vorderen Körperbereich zurückströmende "Blut" übertragen werden. Die erste Option wird genutzt, wenn die Hummel beim Brüten Wärme über den "Bauch" (das Wärmefenster) an die junge Brut weitergibt oder wenn beim Fliegen bei hohen Temperaturen "Abwärme" abgegeben werden muß (Kühlung des "Motors"). Alle anderen "Haut"-bezirke, außer der Hinterleibsunterseite der Hummeln sind durch Luftsäcke gut wärmeisoliert. Die zweite Option ermöglicht erhebliche Energieeinsparungen auf elegante Weise etwa dann, wenn Hummeln länger auf einer Blüte sitzen.

 

 

Stigma: s. Atemöffnung

 

 

Stirnaugen: s. Ocelli und Punktaugen.

 

 

Suchflug: (-verhalten) ist typisch für reife, neststattsuchende Königinnen im Frühjahr. Betont bodennaher, sehr langsamer, ausgedehnter Flug, meist dicht über dem Boden im Pflanzendickicht. Häufig unterbrochen durch Landen und Hineinlaufen in Klüfte, Spalten oder Mäuselöcher, zum Untersuchen derselben auf ihre Tauglichkeit als Neststandort. Der Suchflug dient dem Entdecken geeigneter Hohlräume mit isolierenden Nestmaterialien zur Anlage des eigenen Nestes. Suchflug zeigt an, dass die Königin "brutgestimmt" ist. Das ist der Beginn der Nestgründungsphase.

 

Sperma: Damit bezeichnet man den männlichen Samen, das Wort stammt aus dem Griechischen = säen. die Bildung der männlichen Samenzellen nennt man Spermatogenese. Zum Unterschied von der Eizellenbildung, die bei den Insekten durch Riesenwuchs und Reservestoffspeicherung gekennzeichnet ist, erfolgt bei der Spermienentwicklung die Ausbildung eines Bewegungsapparates.

Segment: Körperringe, aus denen alle Körperteile der Insekten in unterschiedlicher Ausbildung zusammengesetzt sind.

Spinnen: - Feinde der Bienen (Hummeln). Spinnentiere besitzen im Unterschied zu den Insekten vier Beinpaare, zu ihnen gehören u.a. die Milben. Die in der freien Natur lebenden Spinnen (Raub- sowie Netzspinnen) haben einen wesentlichen Anteil an der Vertilgung von Schädlingen, allerdings können sie den Bienen gefährlich werden. Der in den Heidegebieten im Herbst häufig auftretenden Labyrinthspinne gehen zahlreiche Bienen ins Netz, was bei einem Massenauftreten zu spürbaren Verlusten führen kann. Spinnen sollten geschont werden, denn sie nehmen einen wichtigen Platz im Haushalt der Natur ein.

 

 

Stridulation: Lauterzeugung bei Insekten durch Reiben bestimmter Körperorgane aneinander, z.B. bei Heuschrecken und Wespenameisen.

 

 

T

 

Tarsus: Fuß, Endglied des Insektenbeins, s. Gliederfuß, Gliederfüßer.

 

Thorax: (Brustabschnitt), zweiter Abschnitt des dreigliedrigen Insektenkörpers. Aus drei Segmenten (mit je einem der drei kerbtiertypischen Beinpaare besetzt). - Mittel - und Hinterbrust tragen je ein Flügelpaar (= Hautfalten, keine Extremitäten!). - Brust birgt die massige Flugmuskulatur (Motorblock). Belüftung und Durchblutung (mit Hämolymphe) erfolgt vom Abdomen her über den Petiolus (s. Abdomen; s. Petiolus).

 

Trachtpflanzen: Nektar und / oder Pollen liefernde Nahrungspflanzen. (Siehe unter Futterpflanzen)

 

Tergit: Rückenplatte eines Segmentes 

 

Tibia: (Unterschenkel), s. Gliederfuß, Gliederfüßer.

 

 

Totfall: (Sterblichkeit), Durch Alterstod, Unfall, Vergiftung, Kampf um Niststätten etc. entstehender Verlust durch Tod.

 

 

Tracheenröhren: s. unter Stichwort "Atemöffnung".

 

 

Tracht: Imkerwort für natürliche Bienennahrung. (Massentracht) Imkerbezeichnung für Nahrung spendende Pflanzen, also Nektar- und / oder Pollenlieferanten während des Nahrungsangebotes, also der Blütezeit.

 

 

Trachtpflanzenkette: ("Hummelpflanzen-Uhr"), Aufeinanderfolge reichlicher Pollen- und Nektarangebote von April bis Oktober, schwerpunkthaft von Ende Juli bis Oktober - erzielbar (und in der Kulturlandschaft notwendig) nur durch Anpflanzen entsprechender insekten- und speziell hummelblütiger Pflanzen.

 

 

Trachtquelle: s. Trachtpflanze, Nektarien (extraflorale), Nektarproduktion.

 

 

Trachtlücke: Blütenlose Zeit, Mangel oder zeitweilig völliges Fehlen pollen- und nektarspendender Blüten (Schmalz spricht vom "sommerlichen Nektarloch"), in einer "nicht geschlossenen  Trachtpflanzenkette". Mehrere Trachtlücken drohen insbesondere außerhalb der Siedlungsgärten. Besonders katastrophal in den Monokulturen geprägten Kulturlandschaften für Hummeln, da diese keine Nahrungsvorräte anlegen. - Abhilfe: Gezielte Trachtangebote in Gärten / Feldern (Hummelpflanzenanbau).

Beachte: Erste Trachtlücke nach dem Verblühen der späten Weidenkätzchenblüte; zweite, nach der Wiesenmahd im Juni; eine dritte wesentlich schwerer wiegende Trachtlücke besonders ausgeprägt ab Ende Juli bis zum Herbst.

Gründe: Monokulturen, ökologisch unsinniges und übertriebenes Kurzhalten der Raine, Böschungen und "Ödflächen"; mangelndes ökologisches Bewusstsein in der Bevölkerung und auf den Behörden; Totspritzen der Wildkräuter; maschinelles Ausfräsen von Gräben.

 

Abhilfen:

 

1. Aufklären der Landwirte, der Bevölkerung, der kommunalen Entscheidungsträger.

 

2. Aufklären und Sensibilisieren der Jugend.

 

3. Aufmerksammachen auf den verstärkten Einsatz von Hummeln im Intensivobst- und Gemüsebau.

 

4. Stoppen der schädigenden Einflüsse.

 

5. Anlegen von Insektenfutterpflanzen, und man organisiere den Anbau geschlossener Trachtpflanzenketten von April bis Oktober, verstärkt ab Ende Juli (z.B. Rotkleeanbau oder Anlegen von Hummel-Kleegrasäckern mit "gestaffelter Mahd"), vgl. Stichwort Nahrungspflanzen / Trachtpflanzen (Nahrungspflanzenspektrum).

 

6. Unterstützen von "Ackerrandstreifen-Programmen" zusammen mit Jagdberechtigten, Vogel-, Amphibien- und Naturschützern.

 

7. Sorgen für "grenzlinienreiche" Strukturen im Offenland bzw. in der freien Feldmark.

 

8. Sorgfältigerer und umweltbewußterer Einsatz der "Pflanzenschutzmittel".

 

9. Beraten der Eigenheim- und Gartenbesitzer, um sie zum weitgehenden Verzicht auf "Sterilpflanzen" zugunsten artenreicher Gartenanlagen und multifunktionaler Pflanzenformen zu bringen (bunte, summende, duftende Gärten)! Als "Sterilpflanzen" im weiteren Sinne lassen sich alle Pflanzen bezeichnen, die für heimische Bestäuberinsekten absolut unattraktiv sind. Dazu gehören in der Mehrzahl die mit gefüllten Blüten. Diese produzieren nämlich i.d.R. keinen oder nur wenig Pollen, weil bei ihnen die Staubblätter durch züchterische Maßnahmen zu Blumenblättern umgewandelt worden sind.

 

So betrachtet, sind folgende Blütenpflanzen und -typen "ökologisch wertlos" und sollten nur ausnahmsweise und nur in wenigen Exemplaren im Privatgarten angebaut werden, und in kommunalen Anlagen sollte nach Möglichkeit ganz auf sie verzichtet werden:

 

Forythien (Goldglöckchen); sämtliche gefüllten Sorten, wie gefüllt blühende Rosen, Mohnsorten, Dahlien, Astern usw. ferner Freilandbegonien (z.B. Apfelblümchen), Petunien, Pantoffelblumen und Pelargonien ("Geranien")

Letztere haben allerdings auf sonnigen Balkonen eine wichtige Funktion und sind hier für Laien unersetzbar. Ebenso selbstverständlich ist es, dass ein Rosarium (Rosensammlung) gefüllte Sorten zeigt und, daß diese regelmäßig auch schädlingsbekämpft werden müssen. Es gibt eben keine Regel ohne begründete Ausnahmen! Ein Hinweis: Engagierten Balkon- und Dachgärtnern liefert WESTRICH (Bd. 1. Seiten 428 - 430) wertvolle Fingerzeige für eine insektenfreundliche Blumenauswahl.

 

10. Verzicht auf langes Bloßliegenlassen von (dann besonders erosionsgefährdeten und unschönen) Bodenlagern und Äckern: Anregen, jeden Erdaushub, der länger als zehn Wochen liegt, sofort mit einer sinnvollen Pflanzendecke zu versorgen: Einsaat von Zottelwicke - Phacelia - Klatschmohn - Kornblume - Schwarznessel - Sonnenblumensaat. Oberflächliches Ausstreuen genügt (flaches Einharken ist optimal). Was ausläuft, sollte sich zu einer dünnen Pflanzendecke in einem Artengemisch entwickeln. Phacelia blüht bereits sechs bis acht Wochen nach der Aussaat und wirkt äußerst attraktiv auch für Honigbienen. Auf diese Art und Weise lassen sich, nahezu zum Nulltarif, in jeder Gemeinde ständig eine Reihe bunter Blumenfluren auf Zeit garantieren. Auch dieser Aspekt gehört zum Begriffsinhalt "Unser Dorf soll schöner werden!" Der Erfolg unterstützt die Überzeugungsarbeit! Unseres Ermessens könnte das benötigte Saatgut von den Gemeinden bereitgehalten und gratis gestellt werden, denn ein attraktiv blühendes Dorfbild macht "unser Dorf wirklich schöner".

 

 

11. Keine Schulklasse ohne Kübelbeet! Es paßt in die Lehrplanvorgaben für die Klassen zwei und drei und eignet sich gut auch für ältere Schulkinder! Dabei sind die Vorbildfunktion, das Produkt und die Gesprächsgrundlagen wichtiger als die momentane Gewinn für die Insekten. Es geht um eine Sensibilisierung für später, um Zukunftsbezug!

 

12. Habt Mut zu unkonventioneller Naturerfahrung! Traut Euch, ein Ja zu sagen zu Schönheit und Ästhetik! Effizienz und Ernteerträge sind nicht alles!

 

 

Trompeter: Klimatisierende Hummel (im Innendienst), die durch Flügelschwirren beim Klimadienst ein tiefes Summen erzeugt. (Nicht identisch mit Abwehrsirren beim Nahen von Maulwurf oder Spitzmaus, in deren Gangsystem eine Hummel ihr Nest verteidigt.)

Im alten, stark menschengeprägten (anthropomorphen) Schrifttum sind "Trompeter" mit teilweise märchenhaften Aufgaben ausgestattete Hummeln, die z.B. das Volk in der Frühe "zur Arbeit rufen". Bei starken Völkern ventilieren, besonders nach heißen Tagen, Hummeln hin und wieder in oder vor dem Nesteingang z.B. bei Überhitzung, wenn das Nest stark besonnt steht. Dies geschieht besonders bei oberirdisch stehenden Nestern von Baumhummeln und Wiesenhummeln. Ventiliert werden muß auch dann, wenn künstliche, nicht optimal aufgestellte, Nistkästen bei zuviel anfallender Stoffwechselfeuchtigkeit im Wabenbau "trockengepustet" werden müssen. Dabei verursachen die Hummeln vom "Klimadienst" "ungewöhnliche" Geräusche durch die im Stand rasch rotierenden Flügel: Das "Trompeten" ist zu hören. Offensichtlich sind die in alten Schriften beschriebenen Trompeter energisch mit der Klimaregulation beschäftige Innendiensthummeln, sozusagen die "Bewetterungsfachfrauen".

 

 

 

U

 

 

Ubiquist: In den unterschiedlichsten Biotopen lebende Arten.

 

Unkraut: Die zunehmend wachsenden Einsichten in die gegenseitigen Abhängigkeiten in der Tier- und Pflanzenwelt lassen die
willkürlich oder aus Zweckmäßigkeitsgründen getroffenen Klassifizierungen in Nützlinge/Schädlinge oder Kräuter/Unkräuter
immer bedenklicher erscheinen. So werden auch viele Pflanzen, die den Anbau von Kulturpflanzen kaum beeinträchtigen, als Unkräuter bezeichnet, obgleich sie im Kreislauf der Natur unersetzliche Aufgaben erfüllen. Sie können auch für Imker hervorragende Trachtpflanzen sein, die den Bienen und Hummeln reichlich Pollen oder Nektar anbieten.
Hier liegt eine besondere Aufgabe für den Imker und Hummelschützer, darauf hinzuwirken, die Unkrautbekämpfung nicht immer und überall perfekt durchzuführen, vor allem, wenn eine eventuelle Ertragsminderung in keinem Verhältnis zum Zeit- und Kostenaufwand einer Unkraut - Bekämpfungsmaßnahme steht.

 

Unterart: Kategorie der biologischen Systematik unterhalb der Art:

Gruppe von ähnlichen Individuen, die einerseits untereinander paarungsfähig sind (also ein wichtiges Kriterium der Abgrenzung von Arten nicht erfüllen), anderseits aber als Gruppe hinreichend eindeutig gegen andere Gruppen (Sippen) abgrenzbar sind und oft auch ein unterschiedliches Areal besiedeln.

 

 

Überwinterung: Da die begatteten Jungköniginnen der früh im Jahr lebenden Arten, z.B. Wiesenhummel, Gartenhummel, Kleine Erdhummel (Bombus cryptarum) sich schon zwischen Ende Mai und Mitte Juli zur Ruhephase eingraben, ist "Überwinterung" ein hierfür unscharfer Begriff: Wiesenhummeln z.B. "überwintern" demnach von Anfang Juni bis März des kommenden Jahres; "übersommern" wäre fast richtiger! Selbst bei hohen Außen- und Bodentemperaturen von z.B. 29 °C. gehen sie "in Winterruhe".

Das Fremdwort "Diapause" ist passender und neutral. Es bedeutet "Unterbrechung" der aktiven Phase - leben "auf Sparflamme".

 

 

Überwinterungshöhle: Viele Königinnen graben sich zur Diapause eine "Überwinterungshöhle" (Hibernaculum), besser: ein "Diapausenversteck" im Boden oder suchen eines auf. Wir fanden bei der Gartenarbeit Ende Oktober 10 cm unter der grasbewachsenen Erdoberfläche im festen Lehm eine ungefähr fingerhutgroße eiförmige Höhle. Darin lag "in Diapause" und starr eine Ackerhummelkönigin. In solch eine Überwinterungshöhle ruht die begattete Königin bis zum nächsten Frühjahr, ungefähr sieben Monate lang also, in energiesparender Starre. Wenn die Tage wieder länger werden, der Boden sich zunehmend erwärmt und die frühen Weidenkätzchen erblühen, verlassen die ersten überwinterten Königinnen ihre Verstecke und fressen sich satt.

Überall entdeckt man hungrige Königinnen, die Weidenkätzchen oder andere energiereiche Trachtquellen aufsuchen.

Ackerhummelköniginnen werden erst etwas später als Gartenhummel die Winterquartiere verlassen: Die meisten Ackerhummelköniginnen fliegen nämlich erst, wenn die Rote Zierjohannisbeere (Ribes sanguineum) in unseren Gärten blüht.

Angaben von Witte & Seger.



 

V

 

Volucella bombylans: Schwebfliege, deren Larven im Hummelnest von Abfällen leben; Beispiel für Mimikry: 2 Farbtypen der
Imagines, die schwarz-gelben bzw. schwarz-roten Hummeln ähneln. Vermutliche selektive Bedeutung: Irreführen potentieller
Insektenfresser durch Imitation eines wehrhaften / giftigen "Modells".

 

Vollweibchen: s. Königin

 

Volk: Gesamtheit aller Nestinsassen (Imagines und Larven) bei sozialen Insekten, vor allem bei Hautflüglern (Ameisen; Bienen und Hummeln; Wespen), s. Stichwort Hummelvolk.

 

Volksentwicklung: Jahresgang - vom solitären Zustand (Nestgründerphase) über den sozialen Hummelstaat (Reifephase) bis zu dessen Auflösung am Ende der Deklinationsphase (s. dort).

 

 

 

W

 

Wachs (-produktion): Obwohl bei Hummeln an allen Hinterleibsringen (außer dem letzten) auf Rücken- und Bauchseite
Wachsdrüsen münden, ist Wachs im Hummelvolk stets Mangelware. Wachs ist ein Stoffwechselprodukt, das auf dem Rohstoff Nektar basiert.

Wachse, stehen den Fetten nahe. Es sind Ester, denen ein einwertiger höherer Alkohol zugrunde liegt. Aus Bienenwachs wurde der Palmitinsäuereester des Myricylalkohols C-30, H-61, OH isoliert. - Wachs ist ein stark wärmehaltendes Material: Eine Wachsabdeckung hält Eier und Larven in den Wiegen bei Brutunterbrechung warm (Effekt einer ölgefüllten Wärmeflasche. - Eine fette Brühe kühlt nur langsam aus.) - Der Chitinpanzer der Hummeln ist mit einem Wachsfilm überzogen: ein hervorragender Schutz gegen Austrocknung (Wasserverlust) des Körpers.
Wachs ist Hauptbestandteil der wärmeisolierenden und feuchtigkeitshaltenden Nestkuppel. Löcher darin werden innerhalb weniger Minuten repariert. Gebrauchtes Wachs (von Larvenwiegen) wird wiederverwendet (biologisches Recycling). Wachs ist ein Umwandlungsprodukt des Nektars (s. chemische Formel): Ein Teil desZuckers wird im Stoffwechsel der weiblichen Hummel in Wachs umgewandelt.
(Übringens: ca. 90% der Nektarenergie wird in Wärmeenergie umgewandelt.) Ausgeschwitztes Wachs wird, mit Pollen verknetet, von den Hummeln als Baumaterial für Waben, Wachstaschen (pockets, s. pocketmaker) und Nestkuppel eingesetzt. Wachs wird von weiblichen Hummeln in Form von Wachsplättchen ausgeschwitzt. Die Wachsdrüsen stehen zwischen den Segmentplatten der Ober- und Unterseite des Hinterleibs. (Honigbienen besitzen lediglich auf der Abdomenunterseite Wachsdrüsen.)

 

Wachsmotte: Kleine Hummelwachsmotte, Aphomia sociella. Schmetterling (Fam. Pyralidae, Zünsler), legen Eier an Hummelwaben. Die Larven (Raupen) leben vom Wachs und zerstören das Nest meist in kurzer Zeit.
Die Hummelhaltung in künstlichen Niststätten lockt dichter Stand der Völker die Parasiten verstärkt an. Außerdem sind Arten offensichtlich unterschiedlich anfällig. (Siehe unter Wachsmotte)

 

Warntracht: Auffallende, meist gelb, rot und schwarz geteilte Zeichnung die auf Ungenießbarkeit oder Gefährlichkeit hinweist und als Signal zu bezeichnen ist. Wird in der Mimikry von harmlosen Arten nachgeahmt, die dann ebenso gefährlich aussehen wie ihre Vorbilder.

 

Wärmeisolation: Erfolgt am Hummelkörper durch "eingebaute"Luftsäcke, am Hummelnest durch wärmeisolierendes und durch Wachs, Pollen und Nektar imprägniertes "Dämmaterial" (s. hierzu Stichwort Nestgründung; vgl. auch Bruttemperatur sowie Luftsack).

Wärmeregulation: Siehe, Stichwörter Ökonomie ("sparsame Vorgehensweisen") sowie Stielchen/ Wespentaille, ferner Nestklima und Nestgründung, schließlich Nestdecke.

 

Weitstreckenflieger: Sind Hummeln, die leicht 1 bis 2 km zum Sammeln zurücklegen (s. Kurzstreckenflieger). Sie haben meist große Völker mit sehr vielen Bewohnerinnen (etwa Stein-, Hain-, Erd-, Baumhummeln).
Die Gartenhummel gilt ebenfalls als Weitstreckenflieger. Ihre individuenarmen Völker weisen allerdings nur wenige Arbeiterinnen auf.

 

Wirt: Lebende Nahrungsgrundlage der Larven oder Insekt; kann eine Wirtspflanze sein oder ein tierischer Wirt, an dem das Insekt als Parasit lebt oder als Parasitoid frisst und ihn dann tötet.


Wirbellose: Alle Tiere ohne Rückgrat. Dazu gehören z.B. Insekten, Krebse, Muscheln und Schnecken.

Wirbeltiere: Tiere mit Rückgrat, einer aus einzelnen Wirbeln zusammengesetzten Wirbelsäule. Dazu gehören Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien sowie Fische und Rundmäuler.

Winterschlaf: Aktivitätsminderung mit Absinken der Bluttemperatur.

Winterruhe: Aktivitätsminderung mit langen Schlafperioden ohne Absinken der Bluttemperatur.



 

X

 

Xylamon: Ein Holzschutzmittel, das sich nicht zum Anstrich von Hummelnistkästen eignet. Auch nach langer Wartezeit entwickeln sich bei Erwärmung Gase, die den Hummeln den sicheren Tod bringen.

 

Y

 

Z

 

 

Zwergarbeiterinnen: In der solitären Phase der Nestentwicklung zieht die Königin recht kleine Arbeiterinnen, sog. Z. (s. auch Größenpolymorphismus), heran. Ursache: schwankende Brutwärme im Nest / Wärmeabfall während der Sammelflüge bis zu 7 °C und geringes Nahrungsangebot. Später bekommen nur die zentral in den Wiegen gelegenen Larven ein Nahrungsoptimum. (Jetzt wird die Nesttemperatur durch die Arbeiterinnen permanent auf dem Sollwert gehalten). Die "Hungerformen" bleiben klein. (Vgl. Größenpolymorphismus.) Z. besitzen volle Funktionsfähigkeit (sammeln, stechen ect.). Nur besonders kleine Tiere beschränken sich zeitlebens auf den Innendienst im Nest. Der Größenpolymorphismus der Arbeiterinnen bewirkt biologisch sinnvolle Ergebnisse (selektive Bedeutung): Große Arbeiterinnen (mit langen Rüsseln) eines bestimmten Volkes haben geringeren Energieaufwand, um ihren Thorax (z.B. bei 5 °C Außentemperatur) auf 32 °C Flug- und Sammeltemperatur zu halten (günstiges Verhältnis von wärmeproduzierendem Körpervolumen zu wärmestrahlender Oberfläche).
Kleine Arbeiterinnen (mit kürzerem Rüssel) des gleichen Volkes haben einen relativ höheren Energieaufwand zu betreiben. Während die größeren Arbeiterinnen sich eher für das Sammeln an längerkronigen, lockeren Blütenständen / Einzelblüten eignen, arbeiten kleinere
Arbeiterinnen wesentlich effektiver auf dichten Blütenständen mit flachliegendem Nektar (kurze Blumenkronröhren). Übrigens: im Mittel besucht eine Hummel 10 bis 20 Einzelblüten pro Minute.

   

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Quellenangaben:

Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn
Buch, Hummeln: bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
Fauna Verlag: ISBN 3-935980-28-0

Günter R. Witte & Juliane Seger
Buch, Hummeln brauchen blühendes Land
WESTARP WISSENSCHAFTEN: ISBN 3-89432-097-4

Helmut und Margrit Hintermeier
Buch, Bienen, Hummeln, Wespen – im Garten und in der Landschaft
Obst- und Gartenbauverlag – München: ISBN 3-87596-098-X

 

Peter-Frank Röseler
Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln
TRIGA – VERLAG
ISBN 3-89774-280-2

 

Bernd Heinrich
Der Hummelstatt
List Verlag München - Leipzig
ISBN 3-471-77896-9

 

Hummelschauanlagen
Ein praxisgerechter Weg zu prophylaktischem Naturschutz über Denken und Handeln in Beziehungszusammenhängen
Autor: Günter R. Witte und Juliane Seger Norbert Häfner

 

Hinweis: In diesem Beitrag wurden auch eigene Beobachtungen und Erfahrungen mit eingebracht!
Ebenfalls sind neue Fachbegriffe hinzugekommen, z.B. Hummelklappe, Hummelpension und Hummelpensionsvorbau.



Diesen Beitrag, Fachausdrücke von A bis Z , hat Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.