Wiesenhummel

Foto: Jürgen Peters
Foto: Jürgen Peters

(Bombus pratorum)

 

 

Lebensraum und Vorkommen

Vom Flachland bis zum Hochgebirge ( 2300m ).
Meist im offenen Gelände der freien Feldmark, auf Wiesen, Viehweiden, Böschungen. Man findet sie auch an und in lichten Wäldern, gern unter Sträucher, Gebüsch und Heckenzonen. Häufig auch im Bereich von Garten und Parkanlagen. Im Grunde überall, wo sie einen geeigneten Platz für ihr Nest und Trachtpflanzen vorfindet; ein Ubiquist und Kulturfolger.


Nistweise und Neststandort

Sind Nestbezieher und Nestbauer. Wiesenhummeln bauen überwiegend ihr Nest oberirdisch unter Reisig, Moos und Grasbüscheln, in hohlen Bäumen, Vogelnistkästen, alte Vogelnester (Zaunkönignest) und Eichhörnchennestern, sowie an und in Gebäuden. An fast allen von ihr irgendwie geeigneten Plätzen, selten in verlassenen Erdbauten, (Mäusekesseln und Maulwurfsbauten). Gerne werden von ihr auch oberirdische und unterirdische Hummelnisthilfen angenommen.


Aussehen und Merkmale

Bei der Wiesenhummel ist die Grundfarbe des Hummelkörpers schwarz. Am kopfnahen Thorax (Brustabschnitt) weist sie einen gelben Querstreifen auf, der jedoch bei Farbvariationen fehlen kann. Auch das 1. Drittel des Abdomens (Hinterleib) ist schwarz und kann eine gelbe Querbinde tragen, die jedoch oft fehlt. 4. bis 6. Tergit sind in der Regel orangerot bis orange gefärbt. Verwechselungen mit anderen Hummelarten wie Pyrenäen-, Trug-, Bergland- und Höhenhummel sind in den Alpen möglich. Bei den Männchen (Drohnen) verdrängt die gelbe Behaarung die schwarze mehr oder weniger.

 

Besondere Kennzeichen der Männchen (Drohnen): Vom kopfnahen Thorax (Brustabschnitt) bis zum 1. Drittel des Abdomens (Hinterleib) mit vielen „struppig“ wirkenden gelblichen Haarbüscheln ausgestattet; meist breite gelbe struppig wirkende Binde über der Vorderbrust, teilweise um den Thorax ganz herum; dazu ein gelber Haarbüschel im Clupeus (Gesichtsfeld); Abdomen: 1. und 2. Tergit gelblich mit durchschimmerndem Chitinpanzer; 3 –4. Tergit schwarzer Chitinpanzer mit einigen schwarzen Haaren; 5. –6. Tergit orangerot.

 

 

Brutpflege – Typ: ( POLLENSTORER )

 

 

 


Körpermaße in mm:         Königin       Arbeiterin        Drohn

Körperlänge                        15 – 17           9 – 14           11 - 13

Flügelspannweite                28 – 32          18 – 26          23 – 26

Rüssel: (Mittellang)          12 – 14           8 – 12            8 – 10

Kopf                                      -    Kurz bis mittellang  -  



Flugzeiten

Nestsuchende Königinnen erscheinen je nach Witterung und Höhenlage von Anfang März bis Ende April.
Arbeiterinnen erscheinen ca. 18. bis 20. Tage nach der Nestgründung. Die Flugzeiten der Arbeiterinnen erstrecken sich von Ende März bis in den August hinein.
Jungköniginnen und Drohnen von Ende Mai / Anfang Juni (frühe Nester) und Ende Juli (spätes Vorkommen).

 

 

Größe der Königin: (KLEIN  –  MITTELGROß)

 

 

Fluggeräusche der Königin: (SEHR HELL BIS HOCH)

 

 

Volksstärke: 50. bis 120. Individuen.

 

 

1. Kuckuckshummelart: Wald-Kuckuckshummel, Fernaldaepsithyrus sylvestris (Lepeletier – 1832).

 

Nach neusten Beobachtungen parasitiert sie auch Völker der Baum-, Garten-, Dunklen und Hellen Erdhummel, auch Hainhummel genannt.

                                      

 

 

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wald-Kuckuckshummel

 

 

 

2. Kuckuckshummelart: Norwegische Kuckuckshummel, Fernaldaepsithyrus norvegicus (SPARRE SCHNEIDER).

 

Der Hauptwirt dieser Kuckuckshummelart ist die Baumhummel, nur gelegentlich werden Wiesenhummelvölker parasitiert.

                                    

 

 

Link: http://www.wildbienen.de/b-norveg.htm

 

 

 

Kuckuckshummelart: Feld-Kuckuckshummel, Psithyrus campestris

 

Hauptwirt der Feld-Schmarotzerhummel ist die Ackerhummel und als Nebenwirt wird die Wiesenhummel genannt.

 

Link: http://www.wildbienen.de/b-campes.htm


 

Besonderheiten und Wissenswertes

Die Wiesenhummel ist ein Pollenstorer (Brutpflegetyp).
Wiesenhummeln kann man durchaus als Kulturfolger und Ubiquist bezeichnen. Sie ist überall recht häufig und zum Zeitpunkt noch nicht gefährdet. Die Königin besitzt einen hohen Summton. Wiesenhummeln nehmen sehr gerne Hummelnistkästen an, da sie ja die oberirdische Nistweise vorziehen. Die Königin ist in der Lage, wenn sie schon ein Nest gegründet hat, bei Temperaturen um 0° C. auszufliegen, um zu ihren Nahrungspflanzen zu gelangen. Selbst starker Schneefall hält sie nicht davon ab. Wiesenhummelarbeiterinnen sammeln schon ab 5° C.. Sie starten schon sehr früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang und sie beenden ihre Sammelflüge erst, wenn schon die Abenddämmerung hereingebrochen ist. Wiesenhummelvölker entwickeln sich rascher als alle anderen Hummelarten. Bei ihrer Entwicklung, von der Nestgründung bis zu den ersten Geschlechtstieren, betragen gerade mal 7 Wochen (50 Tage). Wiesenhummeln haben durch ihre rasche Entwicklung weniger zu leiden durch Trachtmangel als andere Hummelarten.

Gefährdungsgrad und Gefährdungsgründe

 

-         Unsachgemäßes Ausbringen von Insektiziden (Winddrift beachten!) in der Nähe -

-         blühender Trachtpflanzen.

            Beerenobststräucher werden in rauen Lagen fast nur von Hummeln bestäubt.

-         Sonst weniger gefährdet, da anspruchslos und von der Sommer-Trachtlücke nicht

          beeinträchtigt (keine Flugsaison mehr). -    

-         Durch Eingriffe in die Biotope.

-         Vernichtung von Hummelnestern, am Haus, im Haus und im Hausgarten.

-         Landwirtschaft und Forstwirtschaft.

-         Rasen mähen, gefährlichen Kreisel- und Schlägelmäher.

-         Straßenverkehr und Autobahnen.

-         Tiere (Dachs, Waschbär).

-         Wachsmotten.

 

Ursachen für den Rückgang: Infolge der Zunahme des Siedlungsbereichs (Verdopplung seit den Fünfzigerjahren) erfuhren die Biotope der früheren Kulturlandschaft einen starken Rückgang. Besonders betroffen sind hiervon Streuobstwiesen, Heiden, Grünland, Weinberge und die Biotope der Ackerlandschaft. Weitere Ursachen: Versiegelung durch Überbauung, übermäßige Pflege der öffentlichen Grünanlagen und Hausgärten, verstärkte Freizeitnutzung, Pflanzung florenfremder Gehölze oder Stauden mit zum Teil starkem Ausbreitungsvermögen sowie Beeinträchtigungen durch den Straßenverkehr. Angesichts des zunehmenden Flächenverbrauchs in der offenen Landschaft etwa durch Straßenbau, Errichtung von Einkaufszentren und Bau von Gewerbegebieten sowie der Übernutzung der Kulturlandschaft durch die intensive Agrarwirtschaft darf jedoch auch innerhalb des Siedlungsbereichs der Artenschutz einheimischer Tiere nicht vernachlässigt werden. Insbesondere im Siedlungsbereich sind von naturnäheren Flächen in der Regel nur noch kleine Reste übrig, die vor allem größeren Tieren zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse häufig nicht mehr ausreichen. Auch viele Insektengruppen weisen hier bereits deutliche Verarmungstendenzen auf oder sind bereits ganz verschwunden.

 

Trachtpflanzen

Bei den Wiesenhummeln konnte an 128 verschiedene Wildpflanzenarten und 21 Kulturpflanzen ein Blütenbesuch nachgewiesen werden. Wie bei allen anderen kurzrüssligen Hummelarten, wozu auch die Wiesenhummel zählt, kommt es häufig zu Nektarraub durch Anbeißen von Kronröhren und Blütenfortsätzen (z. B. an Lerchensporn, Beinwell, Leinkraut und manche Orchideenarten).



Quellenangaben

Eberhard von Hagen – Ambros Aichhorn
Hummeln, bestimmen – ansiedeln – vermehren – schützen
Fauna Verlag
ISBN 3-935980-28-0

Helmut und Margrit Hintermeier
Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
Obst- und Gartenbauverlag – München
ISBN 3-87596-098-X

Peter-Frank Röseler
Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln
TRIGA – VERLAG
ISBN 3-89774-280-2

Günter R. Witte & Juliane Seger
Hummeln brauchen blühendes Land
WESTAPP – WISSENSCHAFTEN
ISBN 3-89432-097-4

 

 

Weiterführende Links zur Wiesenhummel:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesenhummel

 

http://www.wildbienen.de/huarten.htm

 

 

Hinweis: Fachausdrücke findet ihr links auf der Seite, unter Fachausdrücke von A bis Z

 

 

Dieser Beitrag wurde von Hummelfreund Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

Foto: Jürgen Peters
Foto: Jürgen Peters
Foto: Jürgen Peters,  Drohn
Foto: Jürgen Peters, Drohn
Foto: Jürgen Börner,  Königin (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Königin (Bombus pratorum)

 

 

 

 

Erster Ausflug einer jungen Wiesenhummelkönigin:

Sie hat es gerade geschafft, von der Hummelpension 2 Meter zu fliegen, muss sich erstmal ausruhen auf einem Kirschlorbeerblatt, denn sie ist ganz schön dick.

Foto: Jürgen Börner, Königin (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Königin (Bombus pratorum)

 

 

 

 

Sie war reichlich eine Stunde unterwegs.

Foto: Jürgen Börner,  Königin (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Königin (Bombus pratorum)

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Nach einigen Versuchen hat sie die Hummelklappe geöffnet.

Foto: Jürgen Börner,  Arbeiterin (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Arbeiterin (Bombus pratorum)

 

 

 

Arbeiterin beim Eintragen von Pollen.

Foto: Jürgen Börner
Foto: Jürgen Börner

 

 

Wiesenhummel (Bombus pratorum) an der Himbeere

Foto: Jürgen Börner
Foto: Jürgen Börner
Foto: Jürgen Börner, Drohn (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Drohn (Bombus pratorum)

 

 

 

       

 

 

      

              Wiesenhummeldrohn

              (Bombus pratorum)

Foto: Jürgen Börner, Drohn (Bombus pratorum)
Foto: Jürgen Börner, Drohn (Bombus pratorum)

 

 

 

 

 

              Wiesenhummeldrohn

              (Bombus pratorum)

              

                     Hier gut sichtbar, Ausstülpung

               des Geschlechtsteiles.

 

Wiesenhummelnester siehe hier.