Holzbiene

(Xylocopa)

Foto: Erika Zwicker
Foto: Erika Zwicker

Drei Arten im Gebiet (D: 2; A: 3; CH: 3).

Mit 14 - 28 mm Körperlänge, schwarz behaarte Bienen, die durch ihre Größe und die blauschwarzen Flügel mit keiner anderen Bienengattung verwechselt werden können. 

Einzig das Weibchen von Megachile parietina, sieht etwas Hummelartig aus,

jedoch dadurch dass sie eine Bauchbürste hat, ist diese leicht von einer Hummel zu unterscheiden.

Xylocopa iris lässt sich bereits im Feld zuverlässig feststellen, während X. valga und X. violacea ( Blaue Holzbiene ) im Gelände nur im männlichen Geschlecht auseinandergehalten werden können.

 

Bestimmungsliteratur: Schmiedeknecht (1930); Scheuchl (1995).

 

Flugzeit: April bis August. Gleich wie bei Ceratina können die einzelnen Arten während eines Großteils des Sommerhalbjahres als Imagines (Vollinsekt) angetroffen werden. Männchen und Weibchen schlüpfen bereits im Lauf des Sommers aus den Brutzellen und überwintern einzeln oder in kleinen Gruppen in Holzgängen, Mauerspalten, selbstgegrabenen Erdlöchern oder in den Geburtsnestern. Die Paarung findet erst nach dem Verlassen der Winterverstecke im Frühling statt, die nachfolgenden Nistaktivitäten ziehen sich bis weit in den Sommer hinein.

Eine Generation im Jahr.

Selbstgenagte Nester im Totholz (von X. violaceae, X. valga) oder in markhaltigen, dürren Pflanzenstengeln (von X. iris).

Die Brutzellen, welche durch Zwischenwände aus mit Speichel verklebten Holzspänen bzw. Markpartikeln getrennt sind, liegen linienförmig hintereinander. Die beiden totholznistenden Arten, nagen mit kräftigen Oberkiefern ihre meist in Richtung der Holzfasern verlaufenden Nestgänge, in gut besonnten sowohl aufrechten als auch liegenden Stämmen, Ästen oder Pfählen aus. Während in dünneren Ästen und Pfählen nur ein Gang ausgebildet ist, bestehen die Nester in voluminöserem Holz in der Regel aus mehreren parallelen Gängen, die meist in gleicher Richtung von einem gemeinsamen Zwischengang abzweigen, der zum Eingangsloch führt. Diese Gänge werden jeweils nach Fertigstellung der äußersten Brutzelle gegen den Zwischengang mit einem Pfropfen aus Holzspänen verschlossen. Der Nisteingang bleibt dagegen stets offen. Die Holzbienen kleiden ihre Brutzellen mit einer unbekannten, wasserdichten Substanz aus. Ihr brotlaibförmiger Larvenproviant liegt der Länge nach der Zellwand an. Die Weibchen legen die Eier auf die Längsseite des Nahrungsvorrates, indem sie ihren Hinterleib zwischen Zellwandung und Larvenproviant zwängen. Die Larven spinnen keinen Kokon. Die Entwicklung vom Ei bis zur Imago dauert eineinhalb bis zwei Monate. Wie bei Ceratina leben die langlebigen Weibchen bis zu ihrem Tod mit den frischgeschlüpften Nachkommen im Nest zusammen. Es ist unklar, ob es bei den mitteleuropäischen Arten dabei ähnlich wie bei außereuropäischen Arten zu sozialen Verhaltensweisen (Nahrungsaustausch u. ä.) kommt. Die drei mitteleuropäischen Arten leben solitär.

 

Pollentransporteinrichtung: Haarbürste an Hinterschiene und -ferse. Ein beträchtlicher Teil des Pollens wird jedoch im Kropf in das Nest transportiert. Der Pollen wird vor dem Verschlucken mit einem speziellen Pollenabnehmerkamm am Stipes der Unterkiefer aus den pollenbeladenen Vorderbeinen entfernt. Die drei mitteleuropäischen Arten sind polylektisch, besuchen bevorzugt Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und Lippenblütler (Lamiaceae). Holzbienen können mit ihrem kräftigen Rüssel enge Blütenröhren durchlöchern, um an den Nektar zu gelangen.

 

Die Männchen von X. valga und X. violaceae besitzen Brustdrüsen, die zwischen Hinterschildchen und Mittelsegment ausmünden und möglicherweise eine Funktion im Paarungsgeschehen besitzen. Schlafende Männchen wurden in selbstgegrabenen Erdlöchern gefunden.

 

 

Holzbienen - Steckbrief

 

Blaue Holzbiene - Xylocopa violaceae (Linne 1758)

 

Kennzeichen - Merkmale

 

Mit 20 bis 28 mm Körperlänge. Größte und gedrungenste Solitärbiene Mitteleuropas. Auf den ersten Blick kann man die Blaue Holzbiene mit einer Hummel verwechseln. Hinterleib rein schwarz gefärbt. Das Weibchen lässt sich im Feld nicht vom X. valga unterscheiden. Die Biene ist dunkel behaart; auf ihren ebenfalls dunklen Flügeln erkennt man deutlich einen Blauschimmer. Das Männchen ist dagegen durch das leicht geknickte, braunrot geringelte Fühlerende gut gekennzeichnet. Wegen der Gesamtfärbung kann sie noch mit der verwandten X. valga verwechselt werden, die stellenweise zahlreicher auftritt.

 

 

Vorkommen - Lebensraum

 

Inselartige Verbreitung. In Mitteleuropa selten, wenn auch meist einzeln. Die ausgesprochen wärmebedürftige Art ist in ihrer Verbreitung in Mitteleuropa weitgehend auf Wärmeinseln (Weinbaugebiete) beschränkt, hier aber gebietsweise nicht selten. Die Holzbiene lebt hauptsächlich in Südeuropa, in Mitteleuropa erreicht sie die Nordgrenze ihrer Verbreitung. Die nördlichste Verbreitungsgrenze verläuft durch das nördliche Deutschland. Im Mittelmeergebiet gehört sie zu den häufigsten Bienenarten.

An sonnigen Orten mit Nistmöglichkeiten (Totholz); besonders am Rand von Siedlungen in Gärten und Streuobstwiesen.

 

 

Flugzeit

 

Ab August und nach der Überwinterung von April bis Juli

 

 

Biologische Angaben

 

Wärmeliebende Art, die Landschaften mit Steppencharakter und Flusstäler besiedelt. Die Imago schlüpft Ende August/September. Beide Geschlechter überwintern in hohlen Bäumen, Mauern usw., oft mehrere Exemplare beieinander. Nester werden bevorzugt im morschen Holz ausgenagt. Das Weibchen wird erst im Frühjahr befruchtet, fliegt von Mai bis August. Das Weibchen legt im Laufe des Lebens 1 - 3 Nester an, für die es sich einen hohlen Baum, Baumstumpf usw. aussucht. Zuerst nagt es einen kurzen horizontalen Einschlupfgang, dann einen 15 bis 30 cm langen senkrechten Gang, der in der Regel wieder in einem senkrecht angelegten Ausschlupfloch endet, das mit Nagemehl verstopft wird. Diesen Nistraum unterteilt es in 10 - 15 Kammern. Jede Zelle ist etwa 2 cm lang und hat ein Durchmesser von 1,5 cm. Schließlich wird die Zelle mit einer Trennwand aus feinen Holzspänen und Speichel verklebt. In jede Kammer werden 2 g Pollen gebracht, in jeder entwickelt sich nur eine einzige Larve. Die Larven verzehren die Pollenvorräte und verpuppen sich. Die geschlüpfte Holzbiene zernagt schließlich die Trennwand an ihrer Brutzelle. Sind die Wände dünn, beißt sie sich durch eine eigene Öffnung in der Kammerwand ins Freie durch. Sind die Wände dick, muss sie warten, bis die Bienen in den darüberliegenden Kammern geschlüpft sind. Dann kommen die Holzbienen in einer Reihe hintereinander durch die Einschlupföffnung heraus. Die jungen Weibchen legen im folgenden Jahr ihr Nest normalerweise dort an, wo sie zur Welt gekommen sind.

 

Kropfsammler: Die charakteristischen Vertreter dieser Gruppe sind in Mitteleuropa die urtümlichen Maskenbienen (Hylaeus). Diese kleineren, bis zu 10 mm langen, fast unbehaarten Solitärbienen besitzen zwar an ihren Beinen spärliche kurze Haare, die daran haftenden Blütenstaubkörner könnten jedoch nie den Pollenbedarf der Brut decken. Der Pollen wird daher verschluckt, zusammen mit dem Nektar im Kropf zum Nest gebracht und dort wieder erbrochen. Diese Art des Pollentransportes im Körper der Bienen stellt ein ursprüngliches Merkmal dar, doch betätigen sich auch höher entwickelten Keulhornbienen (Ceratina) und die hummelartig behaarten Holzbienen (Xylocopa) überwiegend als Kropfsammler, auch wenn sie gelegentlich die stark behaarten Hinterbeine als Sammelapparat benutzen.

 

 

 

Trachtpflanzen

 

Die Blaue Holzbienen suchen Nektar und Pollen an recht verschiedenen Blüten, u.a. an Korbblütlern, Schmetterlingsblütlern und Lippenblütlern. Im Frühjahr trifft man sie mit großer Regelmäßigkeit an blühenden Spalieren (Kletterpflanzen) der Glyzinie - Blauregen (Wisteria sinensis). Neben Wildpflanzen werden auch farbenprächtige Stauden wie Phlox, Muskatellersalbei und der Familie der Mohngewächse häufig angeflogen und als Futterquelle genutzt.

 

 

Gefährdung

 

Wegen ihrer hohen Wärmeansprüche und ihrer Abhängigkeit von geeigneten Nistmöglichkeiten gilt die Art in Deutschland als gefährdet bzw. stark gefährdet.

 

 

Nisthilfen

 

Die Wärme liebenden Holzbienen suchen sonnige Orte mit geeigneten Nistmöglichkeiten, die sie in alten Obstbäumen, auf Streuobstwiesen oder auch in einem Totholzhaufen im Garten finden. Wir Menschen selbst können einiges für diese schöne und seltene Art was tun z.B. Totholzhaufen im Garten, oder alte Obstbäume mit toten Ästen im Garten dulden, Holzklötze oder Holzschelte, die an einer sonnigen Hauswand gestapelt sind, sind geeignete Nistmöglichkeiten. Am besten man baut gleich ein Insektenhotel mit vielen anderen Nisthilfen, die gern von anderen Insekten mit angenommen werden.

 

Totholz: Holz nagenden Arten kann man im Boden belassene Baumstümpfe, morsche Wurzeln oder Äste sowie halb verrottete Balken in sonniger Lage als Nisthilfen anbieten. Von besonderem Wert sind alte, teilweise oder ganz abgestorbene Bäume sowie mürbe oder verwitterte Zaunpfähle, die auch von Papierwespen zum Abnagen von Nistmaterial aufgesucht werden. Haeseler (1979) konnte an einem Zaun mit 86 etwa 60-jährigen Pfählen bis zu 46 Bienen- und Wespenarten feststellen, davon 6 Bienenarten, 2 solitäre Faltenwespen- und 9 Grabwespenarten nistend. Länger lagernde Holzstapel wären ebenfalls als Nisthabitat geeignet, können aber leicht zur Falle werden: Gerade wenn Holz bienentauglich wird, d.h. nach einer Lagerung von fünf Jahren, wird es zum Verbrennen verwertet, wodurch alle Bruten der Insekten vernichtet werden.

 

 

Verschiedene Links zur Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violaceae):

 

http://images.google.de/images?q=Holzbiene&rlz=&um=1&ie=UTF-8&ei=c22ySs2MF9aKsAaC35HJCw&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=1

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Holzbiene

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Holzbienen

 

http://www.wildbienen.de/wbarten.htm

 

 

Ameisenschutzwarte:

 

Wer hat die Blauschwarze Holzbiene beobachtet?

http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/viewtopic.php?t=299

 

Holzbiene (Xylocopa) mit Milben !

http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/viewtopic.php?t=524

 

Xylocopa iris:

http://de.wikipedia.org/wiki/Xylocopa_iris 

 

Xylocopa valga:

http://www.biologiezentrum.at/pdf_frei_remote/WM_16_0047-0054.pdf

 

 

 

Quellenangaben

 

Heiko Bellmann

Hautflügler Mitteleuropas

Bienen, Wespen, Ameisen

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH

ISBN: 3-440-06932-X

 

J. Zahradnik

Bienen, Wespen, Ameisen

Die Hautflügler Mitteleuropas

Kosmos

Gesellschaft der Naturfreunde

Franckh`sche Verlagshandlung Stuttgart

ISBN: 3-440-05445-4

 

Andreas Müller - Albert Krebs - Felix Amiet

Bienen

Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung

Natur Buch Verlag

ISBN: 3-89440-241-5

 

Wolf Richard Günzel

Das Insektenhotel

Naturschutz erleben

- Bauanleitung

- Tierporträts

- Gartentipps

pala verlag

ISBN: 978-3-89566-234-8

 

Helmut Hintermeier

Artenschutz in Unterrichtsbeispielen

Informationen - Arbeitsblätter - Folienvorlagen

Teil 2

Schmetterlinge

Honigbienen

Hummeln

Wildbienen

Wespen

Hornissen

Schwebfliegen

Marienkäfer

Biologische Schädlingsabwehr

Auer Verlag GmbH

ISBN: 3-403-02799-6

 

Diesen Beitrag, hat Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.

 

 

Foto: Erika Zwicker, Holzbiene am Mönchspfeffer
Foto: Erika Zwicker, Holzbiene am Mönchspfeffer
Foto: Erika Zwicker, Holzbiene am Mönchspfeffer
Foto: Erika Zwicker, Holzbiene am Mönchspfeffer
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Simone Margraf , Holzbiene auf Blaurautenblüte
Foto: Jürgen Börner , Holzbiene auf Wilde Karde
Foto: Jürgen Börner , Holzbiene auf Wilde Karde
Foto: Jürgen Börner , Holzbiene auf Wilde Karde
Foto: Jürgen Börner , Holzbiene auf Wilde Karde