25.01.2010

Hummelsterben unter den Linden

 

1. Beitrag: Blühende Lindenbäume im Stadtgebiet und warum sterben gerade Hummeln bzw.     

                auch andere Insektenarten unter den Linden

 

2. Beitrag: Warum sterben gerade Erdhummeln und andere kurzrüsselige Hummelarten in so

                großer Zahl unter den Linden?

 

3. Beitrag: Wo viele Hummeln sich tummeln, kommen auch die Fressfeinde und Jäger!!!

 

4. Beitrag: Konkurrenz durch Honigbienen an blühenden Lindenbäumen

 

5. Beitrag: Weitere Ursachen: Warum blühende Linden keinen Nektar produzieren können?

 

6. Beitrag: Rechtzeitiges Wässern der Lindenbäume verschafft Abhilfe

 

7. Beitrag: Was die Zukunft bringen wird?

 

8. Beitrag: Die Linde

 

9. Beitrag: Ab wann die Linden am besten Honigen

 

 

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1. Blühende Lindenbäume im Stadtgebiet und warum sterben gerade Hummeln bzw.  

    auch andere Insektenarten unter den Linden?

 

 

Den Linden wird oft aus Unwissenheit Unrecht getan.

 

Alljährlich kommt es immer wieder zu einem rätselhaften, schon in den zwanziger Jahren beschriebenen Massensterben von Hummeln. Massen von verendenden Hummeln im Sommer unter blühenden Lindenbäumen gerade unter den Winter-Linden (Tilia cordata), Krim-Linden (Tilia euchlora) und der Silber-Linden (Tilia tomentosa), ein aus dem Balkan stammender Baum, der wegen seiner Widerstandkraft seit langem in Städten angepflanzt  wird.

 

Hunderte der beliebten, stechunwilligen Brummer, versuchten mit letzter Kraft auf die Beine zu kommen und sich wieder in die Lüfte zu erheben, aber sie taumelten, fielen um, strampelten auf dem Rücken liegend hilflos herum und starben. Das Bild rührte die Menschen und die Indizienlage war klar: Silber-Linde und die Krim-Linde vom Balkan war ein „Mörderbaum“, auch unter unseren beiden einheimischen Linden wie die Winter-Linde (Tilia cordata) und auch der Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) starben unzählige Hummeln.

Die Silberlinde lockte die arglosen einheimischen Hummeln mit reichem Nektarangebot im Gepäck, um sie dann mit einem verdauungsblockierenden Zucker heimtückisch zu vergiften.

 

Bei den Gartenbauämtern liefen im Sommer regelmäßig die Telefone heiß. Tierliebende Bürger forderten empört: die hummelmordende „fremdländische“ Silberlinde muss weg. In vielen Städten Deutschlands heulten schließlich die Motorsägen auf. 1993 meldete die „Westfälische“, zumindest für die Stadt Bielefeld, Vollzug: „Alle Silberlinden beseitigt“. Deutsche Hummeln konnten wieder ungestraft Zuckersaft schlecken.

Die armen Lindenbäume wurden umsonst geopfert!

 

1977 gab es erstmals Hinweise, der Nektar der spätblühenden Linden könnte Mannose enthalten, ein einfach strukturierter Zucker, dessen Giftwirkung auf Hummeln und Honigbienen bekannt ist. Schnell sprachen die Medien von „Todesbäumen“. Doch auch in punkto Mannose gibt es längst Entwarnung.

 

Wissenschaftler aus Münster haben seit 1990 viele tausend unter Silberlinden verendete Hummeln gesammelt und keinerlei Vergiftungen feststellen können. Trotz  langwieriger Analysen konnte im Lindennektar nämlich keine Mannose und auch kein anderer bienengiftiger Zucker gefunden werden, ebenso wenig in den sterbenden Hummeln. Um den Nektar gänzlich freisprechen zu können, wurden Hummeln fünf Tage lang ausschließlich mit dem Nektar jener Silberlinden gefüttert, unter denen große Mengen toter Tiere aufgefunden worden waren. Die gefütterten Hummeln zeigten keinerlei Schädigungen.

Die weitere Untersuchung sterbender Hummeln brachte endlich die Todesursache: Massensterben durch Verhungern.

Die Silberlinde hat das Pech, dass sie zu einer Zeit blüht, in der ansonsten für die Hummeln nicht mehr viel zu holen ist.

Die hungrigen Tiere, darunter auch viele Geschlechtstiere vor allem Jungköniginnen, die sich Energiereserven für die Überwinterung anfressen müssen, stürzen sich auf die letzte ergiebige Nahrungsquelle. Der Andrang an den Blüten wird so groß, dass viele Tiere nicht mehr ausreichend zum Zuge kommen und entkräftet aus dem Geäst purzeln.

Der vermeintliche Mörderbaum ist rehabilitiert.

Er ist kein Hummelkiller, dass Gegenteil ist der Fall. Gäbe es keine Silber-Linden, hätten die Hummeln in den ausgeräumten Stadtbiotopen noch schlechtere Karten. Die Linde bietet bei Vorhandensein verschiedener nacheinander blühender Arten und Sorten, daher besonders in den Städten eine über mehreren Wochen lang anhaltende und ergiebige Sommertracht für unsere Hummeln.

 

 

Quellenangabe:

 

 Klöcker, Ausländer.doc – Erfolgreiche „Ausländer“ in Deutschland ?

- Einige neu  eingeführte Baumarten  setzen  sich  durch  -  Die Silberlinde ein „Mörderbaum“?

   

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2. Warum sterben gerade Erdhummeln und andere kurzrüsselige Hummelarten in so großer Zahl unter den Linden?

 

Lindenblüten werden gern von Hummeln besucht. Doch gerade Linden können dem Hummelfreund großen Kummer bereiten. Unter allen Lindenarten besonders Winter-, Krim-, und Silberlinden findet man sehr oft die toten Hummeln, vor allem die Erdhummel.

Was ist passiert? Bei langer Trockenheit herrscht arger Nektarmangel. Viele Hummeln, hauptsächlich Erdhummeln fliegen im Juni mit letzter Kraft zu blühenden, duftenden Sommer- und Winterlinden oder im Juli zu der später blühenden Silberlinde. In manchen besonders trockenen Sommern liefern allerdings auch diese keinen Nektar mehr. Dann sterben die erschöpften Hummeln massenhaft, verhungert unter den reich blühenden Lindenbäumen, deren Blüten die einzigen vielversprechenden Trachtquellen waren, die zu dieser Zeit reichlich Nektar erwarten ließen. Denn Wiesen und Raine sind inzwischen gemäht, und die Hummelvölker benötigen gerade jetzt besonders viel Energie, weil sie herangewachsen sind und viele Mäuler gestopft werden müssen.

 

Erdhummelarbeiterinnen bevorzugen größere Bestände einer Blütensorte, da kommt die Linde mit ihrer Blütenfülle gerade recht.

Der Vorteil ist, sie müssen nicht die Handhabung verschiedener Blüten erlernen und können dieses Nahrungsangebot optimal ausnutzen. Für die Linde ist diese Blütenstetigkeit von Vorteil, garantiert sie doch die Bestäubung der Blüten. Da eine Erdhummel-Sammlerin nur etwa 20 bis 30 Tage lang lebt, was der Blühperiode der meisten Pflanzen entspricht, braucht  sie in der Regel nicht mehr umlernen. Auf den ersten Blick scheint ein Spezialist effektiver, er kennt ja seine Blüte. Ein Nachteil tritt dann auf, wenn die Blütezeit zu Ende geht. Zunächst überweiden Hummeln die restlichen Blüten, der Sammelflug wird immer weniger profitabel. Schließlich müssen sie auf eine andere Pflanze umlernen. Können sie das nicht, dann sind Spezialisten sehr gefährdet und vom Aussterben bedroht, falls die Lieblingspflanze selten wird. Eine Erdhummel kann sich möglicherweise nicht so viele Blütenpflanzen merken. Außerdem besitzt eine Erdhummel große Völker, die die Spezialisierung einzelner Arbeiterinnen gestattet.

 

Die Blüten der Linden bilden von einem auf den anderen Tag keinen Nektar mehr. Die Erdhummel, die auf das Sammeln an größeren Blütenbeständen spezialisiert ist, sitzt nun in einer Falle. Sie sucht verzweifelt weiter von Blüte zu Blüte, bis sie schließlich erschöpft zu Boden taumelt und stirbt. Da weit und breit in der ausgeräumten  Landschaft keine weiteren Nahrungsquellen zur Verfügung stehen, verhungern die armen Tiere.

 

 

Quellenangabe:

 

Peter-Frank Röseler, Der Hummelgarten – Lebensraum und Biologie der Hummeln.

TRIGA/VERLAG, ISBN: 3-89774-280-2

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3. Wo viele Hummeln sich tummeln, kommen auch die Fressfeinde und Jäger!!!

 

Hummeln sterben nicht nur durch Verhungern unter den Lindenbäumen, sondern sie werden gezielt bejagt in den Baumkronen durch Singvögel speziell von Meisen. Kohlmeisen konzentrieren sich dann darauf. Sie holen sich nur ihren Anteil, weil es leichter und bequemer ist bei so einer Masse zu jagen, als einzelne Beute hinter her zu jagen. Hornissen und auch Wespen haben hier bei den Linden leichtes Spiel um reiche Beute zu machen.

 

Link: http://www.waldklein.de/w-bau/Exotenanbau_lang.pdf

Hinweis zum Link: Der Beitrag umfasst 30 Seiten, es lohnt sich diesen zu lesen!

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4. Konkurrenz durch Honigbienen an blühenden Lindenbäumen

 

Honigbienen und Hummeln konkurrieren um diese Nektarquelle. Im Moment wird untersucht, ob Honigbienen den Baum zum Zeitpunkt der Nektarsekretion (frühe Morgenstunden) gezielt abernten, so dass die Hummeln leer ausgehen. Bienen sind im Vorteil, da sie über ein Zeitgedächtnis verfügen. Sie können sich den Zeitpunkt der Nektarsekretion einer Tracht merken. Hummeln, die die Lindenbäume später aufsuchen, haben Pech und gehen dabei leer aus.

  

Wenn eine Sammlerin zum ersten Mal ausfliegt, dann weiß sie natürlich nicht, wo es Blüten gibt und bei welchen Blüten sich ein Besuch lohnt. Im Gegensatz zur Honigbiene können sich Hummelarbeiterinnen nicht gegenseitig darüber informieren, wo sich eine Trachtquelle befindet, in welcher Richtung und in welcher Entfernung. Kehrt eine Sammlerin mit Nektar und Pollen ins Nest zurück, erfahren andere Arbeiterinnen dadurch lediglich, dass es ertragreiche Blüten gibt. Der Duft der Nahrung informiert zusätzlich über die Blütensorte, so dass eine Arbeiterin diese gezielt ansteuern kann, wenn sie in die Nähe der betreffenden Blüte kommt und den Duft wahrnimmt.          

 

Link: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974951056&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974951056.pdf

Hinweis zum Link: Der Beitrag umfasst 72 Seiten, es lohnt sich diesen zu lesen!

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5. Weitere Ursachen: Warum blühende Linden keinen Nektar produzieren können?

 

 

Die Linden in den Städten und Dörfern stehen meistens in Alleen, an Straßenrändern und auch als Einzelbäume in Parkanlagen. Gelegentlich auch noch an Landstraßen weit außerhalb von Ortschaften. Meist haben diese Linden zwischen der Straße und dem Bürgersteig einen sehr eng begrenzten Grünstreifen für ihre Wurzeln zur Verfügung. Dann müssen sie es noch fertig bringen,

in diesen eng begrenzten Raum der ihnen zu Verfügung steht, ihren Wasserbedarf zu decken.

Eine normal gewachsene Linde verbraucht an einem einzigen heißen Sommertag ca. 300 Liter Wasser, zum Teil noch mehr.

Ihr Blätterdach ist sehr dicht, wenn es regnet tropft der meiste Regen von den Blättern auf den Asphalt und der arme Lindenbaum hat nichts davon. Er leidet extrem unter chronischer Trockenheit. So ist es nicht verwunderlich, dass wenn die Linde blüht,
hunderte toter Hummeln und andere Insekten unter diesen Bäumen liegen, da diese Bäume wegen Wassermangel keinen Nektar produzieren können.
Wir wissen, dass ein Lindenbaum 800 – 1000 g  Zucker absondert. Dabei ist die Nektarproduktion vom Klima und Bodenfeuchtigkeit abhängig. Kommen noch warme Ostwinde hinzu, trocknen die offenliegenden Nektarien leicht aus.

Die Stadtplaner und Garten-Ämter haben falsche Standorte für ihre Lindenbäume gewählt meist dort, wo die Linde von Natur aus nicht vorkommt. Meistens aus Unwissenheit. Die Linde ist ein Baum des Au-Waldes, schattenverträglich und in ihren Feuchtigkeitsansprüchen der Buche vergleichbar. Nur dort, wo die Feuchtigkeitsansprüchen der Linde optimal ist, kann sie all die hungrigen Mäuler stopfen und genug Pollen und Nektar für Hummeln und Co. produzieren.


Quellenangabe:

Klaus-Heinrich Gleim, - Die Blütentracht – Kräuter, Stauden, Sträucher, Bäume im Ablauf des Jahres.

DELTA-VERLAG, ISBN: 3-922898-00-9

   

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6. Rechtzeitiges Wässern der Lindenbäume verschafft Abhilfe

 

Blühende Lindenbäume von Juni bis Anfang August, sollten in trockenen Sommer mit viel Wasser versorgt werden, damit sie Nektar in großen Mengen liefern können! Das ist nötig geworden, seit Linden nicht mehr auf feuchten Waldböden stehen (wo sie eigentlich zu Hause sind), sondern fast nur noch in Siedlungsnähe. Da liegt der Grundwasserspiegel meist zu tief und für die Wurzeln der Bäume nicht mehr erreichbar. In längeren Trockenperioden wird das in den oberen Bodenschichten pflanzenverfügbare Wasser für diese „waldgewohnten Bäume bald knapp. Dann verhungern die erschöpften von weit herbeigeflogen Hummeln unter den Linden. Der Lindenduft hat sie angelockt, aber die Blüten liefern keinen Nektar mehr, weil den Bäumen Wasser fehlt. Das ist besonders auffallend und dramatisch, weil um diese Jahreszeit überall eine tödliche Trachtlücke besteht. Wer Hummeln vor dem Verhungern im Sommer schützen will, muss viele Hummelpflanzen säen und pflanzen. Mit klug bepflanzten und bewässerten Gärten und Anlagen kann hier Abhilfe geschaffen werden. Er muss von März bis Ende Oktober für eine nicht endende Reihe blühender Hummelpflanzen sorgen; Hummelfreunde sprechen von einer ununterbrochenen Trachtpflanzenkette.

 

Quellengabe:

 

Günter R. Witte & Juliane Seger, - Hummeln brauchen blühendes Land

WESTARP WISSENSCHAFTEN, ISBN: 3-89432-097-4

 

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7. Was die Zukunft bringen wird?

 

In Zukunft wird sich das Problem bei uns in Mitteleuropa mit der zunehmenden Sommertrockenheit noch weiter verschärfen. Grund ist die zunehmende Klimaerwärmung. Dies wird leider nicht mehr aufzuhalten sein, nach den jüngsten Prognosen von Wissenschaftlern. Für die Hummeln sind die Zukunftsaussichten fatal: Es wird immer schwerer werden genügend Blüten zu finden, die auch noch Nektar enthalten, um satt zu werden.

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8. Die Linde

 

Die Gattung Tilia umfasst 50 Arten, sommergrüne Gehölze mit hinfälligen Nebenblättern. Blüten zwittrig, radiär, zur Reife 1-samige Nussfrüchte an einem geflügeltem Fruchtstand. Das Areal erstreckt sich über die nördlich gemäßigte Zone der Alten und Neuen Welt und reicht südlich bis Mexico bzw. Indochina. Das Mannigfaltigkeitszentrum liegt in Ostasien. In Europa sind 5 Arten vertreten. Die Linde gehört zur Familie der Lindengewächse (Tiliaceae). Sie umfasst 50 Gattungen mit 450 Arten in allen Erdteilen, vor allem in den Tropen und Subtropen.

 

Mit 1000 Jahren immer noch lebendig. Überall in Mitteleuropa zeugen Baumriesen von alten Zeiten. Die Linden gehören zu den langlebigsten. Der Volksmund sagt, eine Linde komme 300 Jahre, stehe 300 Jahre und vergehe 300 Jahre. Aber nicht selten erneuert sie sich von innen heraus und grünt noch als tausendjähriger Baum.

 

Die Linden sind Bäume mit einer kräftigen Pfahlwurzel und ein weitausgreifenden Seitenwurzeln-Systems. Sie benötigt tiefgründige, feuchte und relativ nährstoffreiche Böden und ein mäßig warmes und feuchtes Klima.

Heimisch sind hier nur zwei Arten: die Winterlinde, Tilia cordata Mill., und die Sommerlinde, Tilia platyphyllos SCOP., sowie deren Bastard, die Holländische Linde, Tilia x europaea L.(= Tilia vulgaris HAYNE).

Es werden aber etliche andere Arten als Zierbäume bei uns gepflanzt. Von einiger Wichtigkeit sind darunter die Silberlinde, Tilia tomentosa MOENCH und die Krimlinde, Tilia x euchlora K. Koch.

 

In Mitteleuropa beginnt die Sommer-Linde als erste unter den Linden-Arten an zu blühen. Die Sommer-Linde hat als Blütenstand eine Trugdolde mit 2 – 5 Blüten. Ihre Nüsschenfrüchte sind kantig gerippt, die Blatter tragen weiche Härchen, sind groß und unterseits grün. Auf der Unterseite fallen in den Winkeln der Blattnerven von weißen Haaren gebildete Bärtchen auf. In ihnen leben Milben, kleine Spinnentiere von 1,5 mm Größe.

 

8 – 14 Tage später als die Sommerlinde beginnt die Blüte der Winter-Linde. Die Winter-Linde hat rostrote Milbenhäuschen, ihre Blätter sind kleiner, kahl und unten blaugrün. Die Nüsschenfrüchte tragen undeutliche Kanten, und die Trugdolden besitzen 5 – 11 Blüten, gelb-weißlich und stark duftend.

Die Sommer-Linde blüht nicht nur früher als die Winter-Linde, sondern unterscheitet sich auch anderweitig. Außerdem gibt es noch Kreuzungen zwischen beiden.

 

Die Silberlinde blüht als letzte der bei uns angepflanzten Linden-Arten, fast 4 Wochen nach der Sommerlinde und gut 2 Wochen nach der Winter-Linde. Die Blüten der Silber-Linde sind zwittrig, mit doppelter, freiblättriger, 5-teiliger Hülle, gelb-weißlich, stark duftend, zu 5 – 10 in einem büscheligen Blütenstand. Laubblätter 2-zeilig; Stiel 3-5 cm lang, filzig behaart, Spreite schief-herzförmig, mit asymmetrischem Grund, 7-13 cm lang, genauso breit, oben kurz zugespitzt; oberseits anfangs behaart, nahezu verkahlend und dunkelgrün; unterseits durch Sternhaare silbern weißfilzig, deutlich geadert, ohne Achselbärte; Rand tief gesägt.

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9. Ab wann die Linden am besten Honigen

 

Die Lindenarten gehören zu den hinsichtlich der Nektarsekretion und des Bienenfluges am besten erforschten Trachtpflanzen.

Die Bestäubung der Lindenblüten erfolgt durch Insekten. Blütenbesucher sind außer Bienen und Hummeln vor allem Fliegen, Wespen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und auch Nachtfalter. Der Blütenduft wird besonders gegen Abend intensiv. Nektarabsonderung ist ungleichmäßig über den Tag verteilt:

Die Nektarabsonderung erfolgt hauptsächlich in den Morgenstunden (vor 6 Uhr) und gegen Abend (16 – 18 Uhr).

Der Morgennektar ist zuckerarm. Sein Zuckergehalt beträgt bei den bisher untersuchten Lindenarten 16 – 27 %.

Erst in den Abendstunden wird viel zuckerreicher Nektar abgesondert, dessen Zuckergehalt 50 – 80 % beträgt.

 

Dementsprechend zeigt der Bienenbesuch an blühenden Linden zwei Maxima, das eine zwischen 8 und 10 Uhr vormittags, das andere zwischen 16 und 18 Uhr nachmittags.

 

Während der Mittagsstunden ist der Nektar oft so konzentriert, dass ihn die Bienen nicht mehr aufnehmen können. Bei den zwittrigen Blüten reifen die männlichen Organe (Staubbeutel) vor den weiblichen (Griffeln). Das männliche Stadium dauert meist nur 1 – 2 Tage, das weibliche 4 – 8 Tage. Zwischen den beiden Reifestadien bestehen Unterschiede der Nektarabsonderung.

Menge und Zuckergehalt des Nektars und damit der Zuckerwert können im weiblichen Stadium doppelt bis mehrfach so hoch sein wie im männlichen.

Als Mittelwert der täglichen Nektar- und Zuckerabsonderung werden für die 5 hauptsächlich in Europa verbreiteten Lindenarten für je 10 Blüten die Werte der nebenstehenden Tabelle genannt.

 

Mittelwerte der täglichen Nektar- und Zuckerabsonderung

 

Art                    Nektarmenge                    Zuckergehalt                         Zuckerwert

                             In mg                                in %                                   in mg

 

Sommer-             17,7                                    33,9                                        5,4

Linde

 

Winter-                11,7                                    39,7                                        3,9

Linde

 

Kreuzung             27,7                                    32,5                                        8,0

S/W.-Linde

 

Krim-                  14,1                                     30,9                                        4,2

Linde

 

Silber-                30,5                                      25,9                                        7,1

Linde

 

 

Ähnliche Werte wurden für 14 weitere, gelegentlich als Zierbäume angepflanzte Lindenarten festgestellt.

 

 

Die gesamte  Zuckerabsonderung der Linden wird im Mittel je Baum mit 700 – 1000 g angegeben, wobei aber große Unterschiede von Jahr zu Jahr und zwischen den einzelnen Arten bestehen.

Die Nektarsekretion der Linden ist stark abhängig von äußeren Faktoren, vor allem von Bodenfeuchtigkeit und Temperatur.

 

Ein Absinken der Temperatur hat im allgemein einen Rückgang des Zuckerwertes des ausgeschiedenen Nektars zur Folge.

Nicht alle Lindenarten sind jedoch gleich empfindlich für Temperaturschwankungen.

Nach den bisherigen Untersuchungen scheinen zwischen den einzelnen Lindenarten auch Unterschiede der Zuckerzusammensetzung des Nektars zu bestehen. Während im Nektar von Sommerlinde und der Kreuzung von Sommer- Winterlinde die drei Hauptzucker (Frucht-, Trauben- und Rohrzucker) in annähernd gleichen Mengen auftreten (Verh. Fr/GI = 1,0; Verh. S/Fr + GI = 0,7), herrscht im Nektar von Winterlinde Rohrzucker mit über 70 % vor (Verh. Fr/GI = 0,92; Verh. S/Fr + GI = 2,79). Außer den Hauptzuckern wurden im Lindennektar zusätzlich die Zuckerarten Melibiose und Galaktose nachgewiesen.

 

 

 

Quellenangaben:

 

Klaus-Heinrich Gleim, - Die Blütentracht – Kräuter, Stauden, Sträucher, Bäume im Ablauf des Jahres. DELTA-VERLAG ISBN: 3-922898-00-9

 

Anna Maurizio, Ina Grafl – Das Trachtpflanzenbuch – Nektar und Pollen die wichtigsten Nahrungsquellen der Honigbiene. Ehrenwirth Verlag München ISBN: 3-431-02035-6

 

Dr. Ulrich Hecker, - Bäume und Sträucher

BLV Verlagsgesellschaft, ISBN: 3-405-14738-7

 

Diesen Beitrag hat Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.