Norwegische Kuckuckshummel

(Bombus norvegicus)                                                                                                 13.11.2011

 

Kuckuck bzw. Schmarotzerhummel (- Psithyrus -)

 

Sozialparasit der Baumhummel - (Bombus hypnorum)

 

Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckushummel
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckushummel

Lebensraum

  

Vom Flachland bis ins Hochgebirge. Wälder- u. Gehölzstreifen mit alten Baumbestand. In Städten, Dörfern, Haus- und Schrebergärten mit alten hohlen Obstbäumen. Im Grunde überall dort, wo auch die Baumhummel als Hauptwirt und Wiesenhummel als Nebenwirt vorkommt.

 

 

Verbreitung

  

Mittel- und Nordeuropa bis Sibirien u. Japan, ganz Deutschland.

 

 

Neststandort

  

Sozialparasitisch immer in Nestern der Baumhummel, siehe deren Neststandort.

 

Link: http://www.hummelfreund.com/alles-über-die-hummel/hummelarten/baumhummel/

 

 

Erscheinen - Flugzeit

 

Überwinterte Schmarotzerhummelköniginnen fliegen gegen Mitte April bis Ende Mai suchend umher um Wirtsnester aufzufinden. Erstes Erscheinen von Jungweibchen (Königin) und Männchen (Drohnen) Anfang Juni. Flugzeit Ende ist bei der Art: Der Monat August zu nennen. Eine Generation im Jahr(univoltin).

 

Aussehen und Erkennungsmerkmale der Königin (Weibchen)

 

Grundfarbe schwarz; breite, gelbe, über den Flügelansatz hinausgehende Querbinde am kopfnahen Mesosoma (Thorax). Kopf Clypeus schwarz behaart, im Geschichtsfeld ein kleiner schwarzer Haarbüschel. Metasoma (Abdomen): 1. bis 3. Tergit schütter schwarz behaart - Chitinpanzer durchschimmert, 4. und 5. Tergit weiß behaart; 6. u. letzte Tergit rötlichbräunlich bis schwarz behaart am Ende zugespitzt. Dunkle, bräunlich gefärbte Flügel.

 

Link: http://www.hummeln.org/?page_id=284

 

 

Besondere Kennzeichen u. Merkmale der Männchen (Drohnen)

 

Das Männchen (Drohn) ähnelt der Königin; Kopf schwarz behaart. Brustabschnitt mit einer gelben Binde. Hinterrand oft mit gelbem Haarsaum. Hinterleib: 1. Tergit schwache, weißgelbliche Behaarung; 3. bis 6. Tergit weiß behaart.

 

Link: http://www.hummeln.org/?page_id=284     

 

Link zu Fotos: http://www.biopix.dk/Search1.asp?Language=de&Searchtext=Bombus%20norvegicus&Category=Insekter&q=bombus

 

Größe der Königin: Mittelgroß bis Groß

Flugton der Königin: Mit tiefen Flugton summend

Flug der Königin: Auffallend schwerfällig, dicht über den Boden führender Suchflug.

Körpermaße in mm                   Königin            Drohn

Körperlänge:                             18 - 22              15

Flügelspannweite: unbek.

Rüssellänge: unbek.

Kopf: unbek.

 

Biologische Angaben: Brutpflege - Fortpflanzung - Lebensweise

 

Sozialparasitisch: In Mitteleuropa ist Bombus hypnorum (Baumhummel) der Hauptwirt.

Ebenfalls ist Bombus pratorum (Wiesenhummel) als Nebenwirt belegt.

Die Art bevorzugt als Wirt eindeutig die Baumhummel gelegentlich auch die Wiesenhummel. Man kann sie verhältnismäßig oft in den Nestern dieser Arten antreffen. Das Weibchen schmuggelt sich im Frühjahr in das Nest ein. Geschieht dies zu frühzeitig, das heißt, bevor die Wirtskönigin ihre eigene Brut betreut, verlässt diese das Nest. Ist das Hummelvolk aber bereits in der Entwicklung weit fortgeschritten, hat die Schmarotzerhummel vermutlich keine Chance, sich der Übermacht der sie attackierenden Arbeiterinnen zu erwehren. Als günstigster Zeitpunkt erscheint daher eine frühe Entwicklungsphase des Hummelvolks, nachdem die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind.

Sie schleicht sich möglichst unerkannt in das Nest ein und drückt sich an die Waben, um so allmählich den Nestgeruch anzunehmen. Dann baut sie aus Wachs (z. B. von Einäpfchen, die sie zerstört - sie selbst ist nicht zur Wachsproduktion befähigt) - ein eigenes Ei-Näpfchen und legt darin ihre Eier ab. Die Brut wird danach von den Wirtsarbeiterinnen betreut. Die von ihr befallenen Nester entwickeln sich noch schneller als unter natürlichen Umständen. Die junge Generation entsteht mit Sommerende, die Männchen findet man ab Juni bis August zahlreich auf verschiedenen Disteln und Korbblütlern. Junge Weibchen überwintern.

 

Link: http://de.wikisource.org/wiki/%C3%9Cber_die_Wege_der_Hummelm%C3%A4nnchen

 

 

Verwechslungsarten

 

Bombus flavidus (Gelbe Alpenkuckuckshummel)

 

Link: http://www.wildbienen.de/b-flavid.htm

http://www.hummeln.org/?page_id=246

 

Bombus sylvestris (Wald-Kuckuckshummel).

 

Link: http://www.wildbienen.de/b-sylves.htm

http://www.hummeln.org/?page_id=312

http://de.wikipedia.org/wiki/Wald-Kuckuckshummel

http://www.ruhr-uni-bochum.de/boga/html/Bienen/Psithyrus_sylvestris_Foto.html

 

 

Besonderheiten und Wissenswertes

 

Da die Psithyrus-Arten nach neueren Untersuchungen alle von einem gemeinsamen Hummel-Vorfahren abstammen, werden sie neuerdings von manchen Autoren zur Gattung Bombus gezählt. Zehn Arten im Gebiet 13 mm bis 25 mm. Sie haben keine Arbeiterinnenkaste mehr, sondern lassen ihre Nachkommenschaft von Arbeiterinnen eines Wirtsnestes aufziehen. Kuckuckshummeln unterscheiden sich von den echten Hummeln durch das auffallend träge Verhalten auf den Blüten, dunkle, bräunlich gefärbte Flügel und die weniger dichte, struppigere Hinterleibsbehaarung, welche die glänzend-schwarze Chitinhaut durchschimmern lassen. Weibchen haben eine deutliche eingekrümmte Hinterleibsspitze, die auch gut bewaffnet sind. Bemerkt sei auch, dass ihr Stachel besonders kräftig ist.

Außerdem ist ihr Körper sehr robust und mit einem sehr harten Chitinpanzer geschützt. Schmarotzerhummeln haben an den Hinterbeinen keine "Körbchenhaare", womit sie Blütenstaub einsammeln können, noch sind sie fähig Wachs auszuscheiden. Die Wirtshummelvölker haben offensichtlich für die bei ihnen Schmarotzen Kuckuckshummeln anlockende Nestgerüche. Der Nestgeruch scheint sehr wichtig bei Kuckuckshummeln zu sein, um schließlich den meist versteckten Nesteingang des Wirtshummelnestes zu finden. Wenn ein Kuckuckshummelweibchen erfolgreich in ein Hummelnest eingedrungen ist, verliert die Hummelkönigin ihren sozialen Einfluß. Von nun an befolgen, arbeiten und orientieren sich die Arbeiterinnen, nach den "gefälschten Signalen" der Kuckuckshummelkönigin. Die Arbeiterinnen versorgen von jetzt an nur noch die Eier und Larven des Kuckuckshummelweibchens.

 

Link

http://www.hymenoptera.de/html/gallery/Bienen/hummeln/beinvergleich.jpg.html

 

 

Erlebnisbericht

 

Folgendes konnte ich in meinen Garten beobachten: Wie sich mehrere Kuckuckshummelweibchen (Bombus norvegicus) an einem Meisennistkasten der in 1.50 m Höhe am Zwetschgenbaum hing, zu schaffen machten. Dort befand sich für die frühe Jahreszeit ein überaus starkes Baumhummelvolk. Natürliche Ansiedlung der Baumhummelkönigin war Ende Februar 2008. Der Überfall der Kuckuckshummeln ereignete sich zu einer Zeit Mitte April, wo die Obstbäume in voller Blüte standen. Am frühen Nachmittag waren mehrere Kuckuckshummelweibchen in meinen Obstgarten auf Wirtsnest suche. Sie flogen den Zwetschgenbaum von unten am Stamm an und sie suchten von unten nach oben bis sie schließlich am Meisennistkasten ankamen. Von einer Sekunde auf der anderen kamen dutzende von Baumhummelarbeiterinnen aus dem Flugloch förmlich rausgeschossen und stürzten sich auf die Angreiferinnen. Bei den Baumhummeln ist es ja bekannt, dass sie sehr wachsam sind. Es waren regelrechte Luftkämpfe, die anschließend noch am Boden weiter fortgesetzt wurden. Am Boden waren ganze Knäule von Arbeiterinnen, die nur mit einer einzigen Kuckuckshummelkönigin kämpften. An drei Tagen konnten so von mir an die 13 Kuckuckshummeln abgefangen bzw. gerettet werden, aber nicht wenige wurden auch von den Baumhummelarbeiterinnen totgestochen. Auch bei den überfallenen Baumhummeln kam es zu erheblichen Verlusten 70 Arbeiterinnen kamen dabei ums Leben. Das Baumhummelvolk hatte schließlich alle Übernahmeversuche der Kuckuckshummeln abgewehrt und entwickelte sich noch recht erfolgreich. So konnte ich gegen Mitte Mai die ersten Drohnen und Jungköniginnen beobachten. Meist gelingen nur wenigen Kuckuckshummelweibchen erfolgreiche Übernahmen, wenn schon sehr viele Baumhummelarbeiterinnen im Hummelnest sind. Baumhummeln durchschauen meistens sehr schnell welches Spiel mit ihnen gespielt wird. So konnte ich folgendes in einen meiner Hummelnistkästen beobachten: Das von einer Kuckuckshummel erfolgreich übernommene Nest, wo sich die Arbeiterinnen wehrten und fortlaufend immer wieder Kuckuckshummellarven aus dem Nest entfernten, so das sich nur sehr wenige Kuckuckshummeln entwickeln konnten.

 

Link: http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/viewtopic.php?f=24&t=913

 

  

Bestandssituation

 

Obwohl die Wirtsart Baumhummel und Wiesenhummel, gebietsweise nicht selten ist und auch im Bestand leicht zugenommen haben, muß die Norwegische Kuckuckshummel in einigen Teilen Deutschlands im Bestand als gefährdete Art eingeschätzt werden. Nach den bisherigen Beobachtungen liegt die Mehrzahl der Fundorte im Bergland oberhalb etwa von 200 m NN.

Rote Liste: Die Art gilt in einigen Teilen Deutschlands als gefährdet.

 

Link: http://www.wildbienen-kataster.de/

 

 

Gefährdung

 

Hauptursache des Rückgangs und Gefährdung von Hummeln ist fast immer die Zerstörung der Lebensräume, also auch deren Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen.

Der einzig wirklich nachhaltig wirkungsvolle und stärkste Hummelfeind ist der Mensch.

Das Fällen von sehr alten Baumbeständen kann Kuckuckshummeln gefährden, denn gerade in alten hohlen Bäumen mit Spechthöhlen nisten oft einige von ihren Wirtshummelarten.

Warum geht es den Hummeln immer schlechter?

Ursachen für den Rückgang: Infolge der Zunahme des Siedlungsbereichs (Verdopplung seit den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts) erfuhren die Biotope der früheren Kulturlandschaft einen starken Rückgang. Besonders betroffen sind hiervon Streuobstwiesen, Heiden, Grünland, Weinberge und die Biotope der Ackerlandschaft. Weitere Ursachen: Versiegelung durch Überbauung, übermäßige Pflege der öffentlichen Grünanlagen und Hausgärten, verstärkte Freizeitnutzung, Pflanzung florenfremder Gehölze oder Stauden mit zum Teil starkem Ausbreitungsvermögen sowie Beeinträchtigungen durch den Straßenverkehr. Angesichts des zunehmenden Flächenverbrauchs in der offenen Landschaft etwa durch Straßenbau, Errichtung von Einkaufszentren und Bau von Gewerbegebieten sowie der Übernutzung der Kulturlandschaft durch die intensive Agrarwirtschaft darf jedoch auch innerhalb des Siedlungsbereichs der Artenschutz einheimischer Tiere nicht vernachlässigt werden. Insbesondere im Siedlungsbereich sind von naturnäheren Flächen in der Regel nur noch kleine Reste übrig, die vor allem größeren Tieren zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse häufig nicht mehr ausreichen. Auch viele Insektengruppen weisen hier bereits deutliche Verarmungstendenzen auf oder sind bereits ganz verschwunden.

 

 

Trachtpflanzen: Nektar - Pollenquelle

 

Haupttrachtpflanzen sind im Frühjahr Löwenzahn und Obstgehölze zu nennen. Im Sommer meist Disteln, Flockenblumen, Skabosien, Beinwell und Rotklee.

 

 

Quellenangaben

 

www.wildbienen.de

http://www.hummeln.org/

http://www.egge-weser-digital.de/htm-inhalte/11003-vk22-bomnor.htm

 

Eberhard von Hagen - Ambros Aichhorn

Hummel

bestimmen - ansiedeln - vermehren - schützen

Fauna Verlag

ISBN: 3-935980-28-0

 

Helmut und Margrit Hintermeier

Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft

Obst- und Gartenbauverlag – München

ISBN: 3-87596-098-X

 

Günter R. Witte & Juliane Seger

Hummeln brauchen blühendes Land

Westarp Wisenschaften-Verlagsgesellschaft mbH, Hohenwarsleben

ISBN: 3-89432-097-4

 

Peter-Frank Röseler

Der Hummelgarten, Lebensraum und Biologie der Hummeln

TRIGA / VERLAG

ISBN: 3-89774-280-2

 

J.F. Gokcezade, B.-A. Gereben-Krenn, J. Neumayer & H.W. Krenn

Feldbestimmungsschlüssel für Hummeln

Österreichs, Deutschland und der Schweiz

Herausgeber: Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen

Plöchl Druck GmbH, Werndlstr. 2, 4240 Freistadt, Austria

ISSN Nr. 0253-116X

 

H.-J. Flügel

LEBBIMUK

Steinhummel, Bombus lapidarius: Insekt des Jahres 2005

Herausgeber: Lebendiges Bienenmuseum Knüllwald

ISSN Nr. 1613-8457

 

 

Diesen Beitrag, hat Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Foto: Jürgen Börner  , Königin  Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)

Königin 

Norwegische Kuckuckshummel

(Bombus norvegicus) 

Foto: Jürgen Börner  , Königin  Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner  , Königin  Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner  , Königin  Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner  ,  Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)
Foto: Jürgen Börner , Königin Norwegische Kuckuckshummel (Bombus norvegicus)