Naturgemäße Ansiedlung und Haltung von Hummeln in Nistkästen zu Schutz-

und Vermehrungszwecken

Von Hans- H. von Hagen

 

 

Hallo Hummelfreunde,

 

diesen Bericht habe ich von Frank Bierkamp unter

http://www.hornissen-hummeln.de/

zugesandt bekommen und möchte ihn hiermit für Euch zugänglich machen:

 

 

Inhalt

 

1        Die wichtigsten biologisch-ökologischen Daten

2        Wirtschaftliche Bedeutung der Hummeln

3        Die Haltung von Hummeln in speziellen Nistkästen

4        Die Umquartierung eines gefährdeten Hummelnestes aus der Natur in einem vorbereiteten

          Nistkasten. 

5        Vorbereitung des Nistkastens für die Umquartierung

6        Bester Zeitpunkt für die Umquartierung

7        Zur Technik der Umquartierung

8        Fütterung

9        Zur Umsiedlung in einen neuen Lebensraum

10    Aufstellung des Nistkastens

11    Die Besiedlung des Nistkastens mit einer Nest suchenden Hummelkönigin

12    Vorbereitung des Nistkastens für die Besiedlung mit einer Nest suchenden Königin

13    Geeignete Königinnen

14    Stimmungslagen der Königinnen bei der Nest suche

14   1. Stimmungslage

14   2. Stimmungslage

14   3. Stimmungslage   

14   4. Stimmungslage

15    Selbständige Besiedlung des Nistkastens durch eine Nest suchende Königin

16    Das Zusetzen einer Nest suchenden Königin in den Nistkasten

17    Kontrollmaßnahmen

18    Pflegemaßnahmen

19    Die Vorbereitung auf das nächste Jahr

20    Maßnahmen bei der Rückkehr überwinterter Königinnen

21    Schlussbemerkung

22    Anhang: Zusatzinformationen

 

                                                       1

Die wichtigsten biologisch-ökologischen Daten:

Die Hummeln gehören zu unseren größten, schönsten und nützlichsten Insekten. Allein in Deutschland sind 32 Arten der „echten" (nestbauenden, sozialen - im Gegensatz zu den sozialparasitischen) Hummeln nachgewiesen. Ein großer Teil unserer Hummelarten ist im Bestand gefährdet, verschiedene Arten sind bereits aus weiten Gebieten verschwunden.

Nach neuerer Auffassung werden die Hummeln in einer einzigen Gattung „Bombus" zusammengefasst. Sie umfasst demnach sowohl die „echten" nestbauenden Arten als auch die sozialparasitischen Kuckuckshummeln, welche bisher unter dem Gattungsnamen „Psithyrus" geführt wurden. Wir werden uns hier in der Folge nur mit den „echten" Hummeln beschäftigen.

Die Arten unterscheiden sich nicht nur durch ihre verschiedenartige Färbung und andersartige morphologische Kennzeichen, sondern auch durch eine Vielzahl weiterer Eigenheiten. Nur einige seien hier genannt.

So können z.B. die Ansprüche an die Umwelt ganz verschieden sein. Neben wenigen Arten mit größerer ökologischer Valenz   gibt es solche, die im Allgemeinen nur das offene (baumarme) Feld- und Wiesengelände bis allenfalls hin zum parkähnlichen Gelände bewohnen, andere, welche bevorzugt in Wäldern bis hin zum parkähnlichen Gelände vorkommen und wieder andere, welche die Waldrandgebiete bis hin zum offenen Gelände der Feldmark besiedeln.

Hinsichtlich der Ansprüche an den Nistplatz finden wir Arten, die im Allgemeinen nur unterirdisch nisten und solche, die ihre Nester lieber oberhalb der Erdoberfläche anlegen. Einige entwickeln volkreiche Staaten (bis ca. 300 - 600 Insassen), andere nicht (nur ca. 50 - 100 Insassen).
Von Bedeutung ist auch, dass es Arten gibt, deren Königinnen relativ früh im Frühjahr erscheinen (etwa zu Beginn der Salweidenblüte), bei anderen kommen sie dagegen erst später (etwa zu Beginn der Taubnesselblüte) hervor. Und schließlich zeigen sich sogar Unterschiede in der Art und Weise des Blütenbesuchs zwischen kurzrüsseligen und langrüsseligen Hummelarten, woraus sich wiederum ein ganz unterschiedlicher Bestäubungswert einzelner Arten ergeben kann.

Gemeinsames Merkmal aller nestbauenden Hummelarten bei uns ist aber, dass jeder Hummelstaat im Frühjahr von einer einzelnen überwinterten, im Vorjahr geborenen und begatteten Königin gegründet wird. Zuvor muss die Königin erst nach einer Nistgelegenheit suchen. Sie fliegt dann in der Nähe von Trachtpflanzen (z.B. Weidenbäumen, Obstbäumen, Taubnesseln) auf nicht zu tief gelegenen Wiesen und Weiden, an Böschungen, Steilabhängen, Gemäuern, Gräben, Straßen- und    Wegrändern dicht über der Oberfläche umher, um in immer wieder andere Löcher und Ritzen oder auch Grasbüschel hineinzukrabbeln, bis   sie endlich das Gesuchte gefunden hat: An geschützter Stelle feines warmhaltendes Nestmaterial (fast immer das  feinzerbissene Heu verlassener Mäusenester), in dessen Mitte sie ihre Waben errichtet und ihre Brut aufzieht. Solche nestsuchenden Königinnen lassen sich im Allgemeinen auch gut zur Annahme von Hummelnistkästen bewegen, deren wichtigster Inhalt natürlich auch feines Nestmaterial (und biologische Kleintiereinstreu) sein muss.
Bis zum Ausfliegen der ersten Arbeiterinnen (nach ca. 20 Tagen) sammelt die Königin Nektar und Blütenstaub selbst ein. Danach bleibt sie nur noch im Nest und legt in zunehmendem Maße Eier, beteiligt sich aber auch an sonstigen Arbeiten.

Die Kolonie wird im Laufe des Sommers volkreicher, schließlich, auf dem Höhepunkt der Volksentwicklung, werden nur noch Geschlechtstiere, Königinnen und Drohnen, aufgezogen. Da die ausgereiften Geschlechtstiere das Nest allmählich verlassen und die Arbeiterinnen nach und nach absterben, geht der kleine Staat mit der alten Königin im Spätsommer/Herbst ein.

Bemerkenswert ist, dass sich die Jungköniginnen - im Gegensatz zu den Drohnen - den Standort des Mutternestes durch Orientierungsflüge einprägen und nach ihren Hochzeitsausflügen zunächst regelmäßig wieder ins Mutternest zurückkehren, um dort weiterhin Schutz und Nahrung zu finden. Sie bekämpfen sich im Jahre ihrer Geburt nicht.
Nach erfolgter Begattung und dem Verzehr großer Futtermengen aus den Nestvorräten (insbesondere Pollen zur Anlage eines Fett-Eiweiß-Körperchens) fliegen die Jungköniginnen endgültig mit gefüllter Honigblase vom Nest ab, um außerhalb an geschützter Stelle zu überwintern (meist 12 - 15 cm tief in der Erde). Im nächsten Frühjahr versucht jede gesund überwinterte Königin wieder eine neue Kolonie zu gründen.
Von Bedeutung für die Erhaltung und Vermehrung seltener oder für Bestäubungszwecke besonders wertvoller Arten ist, dass ein Teil der überwinterten Jungköniginnen wieder die nähere und weitere Umgebung des alten Mutternestes bezieht, sofern  sie den Umweltansprüchen der betreffenden Art genügt und dort Nistplätze sowie genügend Trachtpflanzen vorhanden sind. Sehr bedeutsam ist ferner, daß bei künstlicher Haltung mit freiem Flug ein Teil der überwinterten Jungköniginnen auch die neu hergerichteten Nistkästen am alten Nistplatz wieder bezieht. Oft erscheinen so viele "Bewerberinnen", dass es zu Stechereien kommen kann.

In der Natur gelingt es nur sehr wenigen Hummelköniginnen, ihre neu gegründeten Kolonien bis zur Aufzucht neuer Geschlechtstiere durchzubringen. Durch Witterungseinflüsse, Ausmähen, Pflanzenschutzmittel, Verschütten, Industrialisierung, Betonierung, Versiegelung und Uniformierung der Landschaft, Straßen- und Autobahnverkehr, Zertreten, Verlust der   Nestmutter während des Trachtfluges, Verhungern infolge des jetzigen sommerlichen Blütenmangels in der Feldflur sowie    durch Parasiten, wie die Raupen der Hummelwachsmotte (Aphomia sociella) oder andere Feinde, wie Fuchs, Dachs, und Waschbär, wird ein großer Teil der Kolonien vernichtet.

 

                                                         2

Wirtschaftliche Bedeutung der Hummeln:

Obwohl man von den Hummeln keinen Honig ernten kann, sind sie doch für die Landwirtschaft und für Obst- und Gartenbaubetriebe von erheblicher Bedeutung. Sie leisten ausgezeichnete Bestäubungsdienste, welche die der Honigbienen in bestimmten Fällen übertreffen. Dies gilt besonders für die Bestäubung von Rotklee, Ackerbohnen, Wicken und Erbsen sowie für die Bestäubung aller Blüten, welche von den Bienen infolge des kürzeren Rüssels nicht oder nur wenig beflogen werden. In Neuseeland wurden daher in den Jahren 1885 und 1886 verschiedene Hummelarten zum Zweck der Rotkleebestäubung erfolgreich angesiedelt. Später wurden Hummeln auch in Australien, die Philippinen und Südafrika  eingeführt, doch scheint eine dauerhafte Ansiedlung nur in Neuseeland erfolgt zu sein.

Wenn auch die Hummelkolonien nicht so volkreich wie Bienenvölker werden, ist doch zu berücksichtigen, dass eine Hummel in einer Zeiteinheit weitaus mehr Blüten befliegt als eine Honigbiene. Außerdem fliegen einige Hummelarten länger am Tage und auch bei erheblich ungünstigerem und kälterem Wetter als Bienen, wenn sie erst einmal Nester gegründet haben. In Deutschland und in anderen Ländern, wie Belgien, Holland, Dänemark, Frankreich und der Tschechoslowakei werden daher Hummeln mit gutem Erfolg zu Bestäubungszwecken eingesetzt.
Dennoch wird hierzulande der große Nutzen der Hummeln fast allgemein nicht beachtet. In keiner Weise wird bisher dafür gesorgt, bestehende Hummelpopulationen zu erhalten.

Durch vielerlei Maßnahmen sind die Umweltbedingungen für die Hummeln fast überall sehr verschlechtert worden. Besonders Flurbereinigung, Pflanzenschutzmaßnahmen, Straßenbau und Straßenverkehr haben sich durch Vernichtung von Nistgelegenheiten und Trachtmöglichkeiten sowie durch erhöhte Ausfälle von Königinnen und Arbeiterinnen während des Trachtfluges negativ ausgewirkt. Aus falsch verstandener Ordnungsliebe werden zudem immer noch rücksichtslos die wenigen verbliebenen besonders wichtigen Trachtpflanzen, wie Taubnesseln, Kleebestände und Wicken, in voller Blüte an Gräben, Straßen- und Wegrändern sowie an Böschungen abgemäht. Die Hummelbestände sind dadurch sehr verringert worden. Am meisten haben die Arten gelitten, die im Allgemeinen nur im Feld- und Wiesengelände vorkommen (sog. „Offenlandarten")und auf die dortigen Trachtverhältnisse angewiesen sind. Hier hat sich auch der weiträumige Wegfall des Rotkleeanbaus überaus negativ ausgewirkt.

Aber auch die Arten, welche die an sich oft günstigeren Trachtmöglichkeiten in den Ortschaften ausnutzen, sind dort zunehmend bedroht, wo Blumenfreunde und Kleingärtner rücksichtslos Insektizide an blühenden Pflanzenbeständen einsetzen. 


                                                       3

Zur Haltung von Hummeln in Nistkästen:

Vorbemerkung: Die Hummeln gehören bundesweit zu den besonders geschützten Tierarten. Die Haltung von Hummeln in Nistkästen, die Umquartierung von Hummelnestern aus der Natur in einen Nistkasten sowie eine Umsiedlung der Hummeln in einen anderen geeigneten Lebensraum sind daher nur zulässig, wenn auf diese Weise die Hummeln vor einer drohenden Vernichtung oder einer anderweitigen Schädigung oder Gefährdung bewahrt werden können. Die hierfür erforderlichen Ausnahmegenehmigungen erteilen die zuständigen Naturschutzbehörden. Auch die Haltung von Hummeln durch Entnahme aus der Natur zu Bestäubungszwecken, für Zwecke der Forschung, Lehre oder Wiederansiedlung oder diesen Zwecken dienende Maßnahmen der Aufzucht oder künstlichen Vermehrung bedürfen einer Ausnahmegenehmigung (vgl. § 42 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 1 sowie § 43 Abs. 8 Nr. 2 und Nr. 3 des Bundesnaturschutzgesetzes).

Besonders angesichts der heutigen für die Hummeln schwierigen Verhältnisse kann durch eine artgerechte Haltung von Hummeln in Nistkästen mit zusätzlichem Trachtangebot ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Förderung gefährdeter Hummelpopulationen geleistet werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Hummeln in Nistkästen einzugewöhnen: 


1. In der Natur aufgefundene gefährdete Hummelnester können in einen Hummelnistkasten     umquartiert werden.

2. Hummelköniginnen, die noch kein Nest haben, können zur Annahme eines Hummelnistkastens veranlasst werden.

 
                                                                4

Die Umquartierung eines gefährdeten Hummelnestes aus der Natur in einen vorbereiteten Hummelnistkasten

 

 

 

Innenmaße des Nistraums: 35 x 35 cm Höhe des Fluglochs über d. Boden 12 cm Nistraum und Vorraum zus.: 50 cm lang Innenhöhe: 30 cm
Flugloch: Ø 2,5 cm; am Vorbau: 1,5 cm.
Der Gang wird in die Fluglöcher eingepasst; er soll aus einer stabilen Pappröhre bestehen. Die Pappe saugt den Kot der Hummeln auf. Plastik und anderer nicht saugfähiger Kunststoff ist nicht optimal. Der Gang darf nicht weit in den Nistraum hineinragen, da er sonst als „Falle" wirken kann.
In der Praxis wird der Gang bündig am Trennschied abgeschnitten.

Innenmaße des Nistkastens ohne Gang. 35 x 35 cm

Biologische Kleintiereinstreu gibt es bei der
Firma Hugro-Vertrieb
Deutschland
Günter Leugers
Grüner Weg 5
48268 Greven

Unbehandelte Polsterwolle (Insektizidfrei) gibt es bei der
Firma August
Hasselberg
31061 Alfeld

Als Alternative kann auch zu Heu getrockneter Rasenschnitt (Länge ca. 8-10 cm) benutzt werden. Es hat sich gezeigt, dass die Tiere dieses natürliche Material sehr gerne annehmen.

Der Vorbau am Hummelnistkasten kann z. B. aus einer stabilen Pappschachtel bestehen, in die man leicht die seitlichen Fluglöcher und die erforderliche Klappe zum Zusetzen einer Königin sowie zur etwaigen Fütterung mit einem scharfen Messer einschneiden kann. Die seitlichen Fluglöcher und die Wand um diese Fluglöcher herum sollten mit etwas Moos oder Polsterwolle verblendet werden, durch welche man mit einem Finger ein Loch zum Flugloch hin bohrt. Den so getarnten Nesteingang finden Parasiten weniger leicht. Auch die Hummeln bevorzugen versteckte Nesteingänge. Manche Hummelköniginnen, vor allem solche von Bombus lucorum, zerren und kratzen in der freien Natur selbst eifrig tarnendes Material um und über ihren Nesteingang.

Zum Einlassen einer Hummelkönigin wird die Klappe am Vorbau geöffnet und die Königin mit Hilfe einer Ansatzröhre durch das Nistkastenflugloch in den Kasten gelassen.

Beide empfohlenen Nistkastenarten werden von geeigneten nestsuchenden Königinnen aller hier fliegenden Hummelarten angenommen, vorausgesetzt, anderweitiger Lichteinfall als durch das Flugloch wird vermieden. Der Nistkasten mit Gang sollte, da erweiterungsfähig, vor allem für volkreichere Arten benutzt werden (B. terrestris, lucorum, hypnorum, lapidarius).

Die Annahme des Nistkastens mit Gang ist noch etwas sicherer als die des Nistkastens ohne Gang. Nach erfolgter Besiedlung sollte der Gang mit dem Trennschied entfernt und der Vorraum mit Kleintiereinstreu aufgefüllt werden. Andernfalls wird der Gang im Laufe der Zeit zu stark bekotet, was aus hygienischer Sicht unerwünscht ist.

Als Dachabdeckung haben sich Onduline-Wellplatten gut bewährt.

 

 

                                                        5

 

  

Vorbereitung des Nistkastens für eine Umquartierung:

Der beschriebene Hummelnistkasten wird für die Umquartierung von Hummelnestern wie folgt vorbereitet:

Für sehr große volkreiche Hummelnester wird das im Nistkasten befindliche Trennschied mit der Einlaufröhre entfernt, um somit den gesamten Nistraum zur Verfügung stellen zu können.

Für kleinere Völker belässt man Trennschied und Einlaufröhre und benutzt nur den somit etwas verkleinerten Nistraum.

Der vorgesehene Nistraum wird nun bis zur Höhe des Eingangs mit Kleintiereinstreu aufgefüllt.

Damit das eingefüllte Material sich besser absetzt, kann der Nistkasten mehrmals vorsichtig auf den Erdboden aufgestoßen werden. Inmitten des Nistraumes wird in der Kleintiereinstreu eine flache, ca. 5 - 7 cm tiefe Mulde angelegt, deren Durchmesser je nach der zu erwartenden Größe des umzuquartierenden Hummelnestes ca. 20 - 30 cm betragen wird. Diese Mulde wird mit feiner Polsterwolle oder sauberem und trockenem Moos bzw. fein geschnittenem, sauberem und trockenem Heu vom Rasenmäher gut ausgestattet. 

                                                         6

Bester Zeitpunkt für die Umquartierung:

Ist der Nistkasten auf die beschriebene Weise vorbereitet, stellt sich noch die Frage nach dem besten Zeitpunkt für die Umquartierung. Grundsätzlich sollte eine Umquartierung bei warmer Witterung vorgenommen werden, damit evtl. während des Umquartiervorgangs abfliegende Junghummeln nicht abseits vom Nest erstarren und umkommen. Sollte ein Hummelvolk jedoch bei extrem schlechter Witterung zu verhungern drohen, wird man auch bei kühlerer Witterung eingreifen müssen, zumal, wenn sich das Volk bereits in Hunger- und Kältestarre befindet und keine Aussicht auf Besserung besteht.

Nester mit der noch einzelnen Königin oder kleine Völkchen mit ca. 10 - 20 Arbeiterinnen können am späten Nachmittag oder am nicht zu späten Abend (Vorsicht vor der oft rasch einsetzenden Abkühlung am Abend!) umquartiert werden. Man muss dann nicht so lange auf die vom Trachtflug zurückkehrenden Sammlerinnen warten, um sie einzufangen und dem umzuquartierenden Nest zuzusetzen. Auch können sich die Tiere während der Nacht noch besser an den Nistkasten gewöhnen.
Nur, wenn das Nest leicht zugänglich ist und nicht die Gefahr besteht, dass die Hummeln während der Umquartierung  aufgestört werden und abfliegen, können in Einzelfällen Völker auch während der Dunkelheit (dann am besten mit Rotlicht-Leuchte) umquartiert werden. Wenn das betreffende Volk dabei aufgestört wird, besteht immer die Gefahr, dass auch noch  nicht eingeflogene Jungtiere in die Dunkelheit entkommen; ohne vorangegangenen Orientierungsflug finden diese Tiere jedoch nicht wieder zurück, sind für das Volk daher verloren. Auch die Sichtverhältnisse sind während der Dunkelheit recht ungünstig. Zu berücksichtigen ist auch, dass ein Teil der Arbeiterinnen außerhalb des Nestes übernachtet. Zumindest der Anfänger sollte daher grundsätzlich bei Tageslicht umquartieren. Volkreiche Staaten wird man am besten in den Vormittagsstunden umquartieren, damit die zahlreichen abgeflogenen Arbeiterinnen bzw. die Sammlerinnen dem Nistkasten zufliegen bzw. zugesetzt werden können.

 

 

                                                        7

Zur Technik der Umquartierung

Ist alles sorgfältig geplant, geht man mit dem für die Umquartierung vorbereiteten Nistkasten zum Nistplatz. Sollte das Hummelnest in der Erde sein, gräbt man mit dem Spaten vorsichtig dem Gang nach, wobei man immer wieder mit dem Finger vorfühlt, in welche Richtung der Gang weiterläuft. Vorher kann man vorsichtig in den Gang pusten, um sich zu vergewissern, dass sich keine Hummeln im Gang befinden oder sich gar das Nest schon in nächster Nähe befindet. Auf das Pusten hin melden sich die Hummeln mit einem scharfen Verteidigungssirren, so dass man über die Lage des Nestes informiert ist. Mit dem Spaten gräbt man vorsichtig bis kurz vor die Nesthöhle. Danach wird das Nest nicht etwa von oben freigelegt, weil dadurch zuviel Erde auf das Nest fallen würde, sondern man untergräbt das Nest mit Hilfe eines Messers, bis man schließlich mit einer Hand unter das gesamte Nestmaterial fassen und das Nest vorsichtig herausheben kann. Sollte das Nestmaterial von Wurzeln durchwachsen sein, schneidet man diese vor dem Herausheben des Nestes mit einer Schere ab. Nach dem Herausheben entfernt man am besten einen Teil des oft verschmutzten Nestmaterials, besonders unterhalb der von den Hummeln  angelegten kleinen Nestkugel aus Heu, die heil bleiben sollte, und bettet das Nest dann im Nistkasten in das dortige Nestmaterial ein. Dabei ist darauf zu achten, dass das Nest auch aufrecht steht, so dass kein Nektar aus den Zellen laufen  kann. Die von den Hummeln angelegte Nestkugel platziert man im Nistraum in die mit Nestmaterial ausgestattete Mulde so,  dass ihr Eingang zum Eingang des Nistraumes gerichtet ist. Dann deckt man die Nestkugel noch mit etwas feinem Nestmaterial ab, lässt aber den vorderen Teil der Nestkugel mit ihrem Eingang frei, damit die Hummeln in dem ihnen zunächst fremden Nistkasten ihr Nest mit seinem Eingang wieder finden können (sie zerren später selbst Nestmaterial über den freigebliebenen Teil ihrer Nestkugel).

Falls man während der Umquartierung zahlreiche Parasiten (z.B. Milben oder den kleinen braunen Käfer Antherophagus nigricornis, dessen Larven Hummelnester im Anfangsstadium schwer schädigen oder vernichten können) entdeckt, sollte man sich nicht scheuen, die Waben aus der Nestkugel zu entnehmen und frei vom alten Nestmaterial in das dortige Material zu platzieren, in dem man dort die Mulde der Größe der Waben anpasst, die evtl. zuvor abgefangene (n) Hummel (n) auf die  Waben laufen lässt und dann über den Waben Nestmaterial so anbringt, dass sich die Waben wie in der ursprünglich von den Hummeln angelegten Nestkugel in einem kleinen Hohlraum befinden.

Auch hier lässt man einen Eingang gegenüber dem Nistkasteneingang frei und hütet sich, das neue Nest nach vorne zum Nistkasteneingang zu mit zu viel Nestmaterial zu überdecken, damit die Tiere sich nicht in der fremden Umgebung verirren.

Sollte sich das umzuquartierende Hummelnest in einem Grasbüschel, Heuhaufen o.ä. befinden, kann man es von dort am  besten mit Hilfe einer Schere herausschneiden und dann in den Nistkasten einlogieren.

Wichtig ist stets, dass man während der Umquartierungsmaßnahmen nicht die Sonne auf die Waben scheinen lässt, weil sonst die Brut Schaden leiden kann.

Etwa abgeflogene Arbeiterinnen, heimkehrende Sammlerinnen oder gar die Königin müssen nach der Umlogierung des Nestes bzw. der Waben unverzüglich gefangen und so freigelassen werden, dass sie direkt von der Hand oder dem Aufbewahrungsbehälter (am besten eignen sich kleinere Pappschachteln, die mit einer Ansatzröhre zum Hinein- und Herauslassen der Hummeln versehen sind) in den Nesteingang oder auf die Waben laufen können. In dem ihnen fremden Nistraum würden sie andernfalls ihr Nest nicht finden und sofort wieder abfliegen.

Sollte das Hummelnest sehr volkreich sein, stellt man den Nistkasten nach der Einlogierung der Waben mit der Königin und möglichst vielen Arbeiterinnen in den Nistraum genau an der Stelle auf, wo sich der ursprüngliche Nistplatz der Hummeln  befand, öffnet die Klappe im Vorbau des Nistkastens weit und legt von dem alten, den Hummeln vertrauten Nestmaterial etwas in den geöffneten Vorbau, achtet jedoch darauf, dass der Nistkasteneingang nicht versperrt ist. Die abgeflogenen und nun ihr Nest suchenden Arbeiterinnen riechen das Material vor dem Nistkasteneingang und fliegen somit ihrer neuen  Behausung sicherer zu.

Wenn gewährleistet ist, dass die Sonne nicht auf die Waben scheinen kann, hat es sich bei sehr volkreichen Hummelnestern bewährt, zunächst etwa die erste Stunde nach der Umquartierung den Deckel des Nistkastens offen zu lassen. Die Masse der abgeflogenen Hummeln fliegt auf diese Weise dem Wabenbau, dessen vertrauten Geruch die Tiere jetzt besonders gut wahrnehmen, noch rascher zu, als wenn lediglich das Flugloch offen wäre. Dabei kann es nützlich sein, den Nistkasten etwas tiefer in die Erde zu versenken, damit die Tiere leichter über den oberen Kastenrand finden.

In der Regel wird man den Nistkasten bis zum Abend am alten Nistplatz belassen, um ihn dann - nach Einstellung des Fluges - mit jetzt zunächst geschlossenem Flugloch zum vorgesehenen Aufstellungsort zu bringen (sofern eine Umsiedlung in einen anderen geeigneten Lebensraum sich als notwendig erwies). Dort können sich die Hummeln am nächsten Morgen durch eines der seitlichen Fluglöcher am Vorbau neu einfliegen. 


                                                          8
Fütterung:

Während der Umquartierung stellt sich häufig heraus, dass vor allem kleinere Hummelvölker oder auch einzelne Königinnen in ihren Tönnchen keinerlei Nektar haben - sie stehen also dicht vor dem Verhungern. Dann empfiehlt es sich, als Soforthilfe die Tönnchen solcher Kolonien während der Umquartierung mit Hilfe einer Spritzampulle randvoll mit Zuckerlösung zu füllen (Mischungsverhältnis der Zuckerlösung 1 : 1, d. h. z. B., 100 g Zucker in 100 ccm warmem –
(Die optimale Zuckerlösung besteht aus 50g Fruchtzucker von Dr. Lihn aus dem Reformhaus und 50g normalen Industriezucker und 100g Wasser)
keinesfalls heißem - Wasser aufgelöst). Die Hummeln bleiben dann wesentlich ruhiger und nehmen das neue Nest besser an - das gilt vor allem für die noch einzelne Königin in der Nestgründungsphase, die andernfalls das Nest sogar aufgeben könnte.
Anschließend an eine Umsiedlung sollten die Hummelvölker zumindest die nächsten 10 Tage mit Hilfe von Futtergefäßen (z.B. Legobausteinen oder Laborgläsern mit jeweils so kleiner Öffnung, dass die Tiere nicht in den Gefäßen ertrinken können) gefüttert werden. Je nach Tracht und Wetter entscheidet man danach weiter.
Bei kleineren Völkern hat sich die Fütterung mit Legobausteinen durchaus bewährt. Sie sollten aber täglich mit heißem Wasser gereinigt werden. Aus hygienischen Gründen sollte bei größeren Völkern ab ca. 30 Arbeiterinnen auf die Fütterung mit Laborgläsern (s. Beispiel unten mit durch Stopfen abschließbarer Einfüllöffnung und 1 mm Bohrloch ca. 1 cm über dem Boden  zum Absaugen der Zuckerlösung übergegangen werden. Das Futter sollte alle 3 - 5 Tage erneuert werden; dabei Laborgläser  u. Stopfen säubern und auskochen.

Die Futtergefäße müssen zunächst so in den Vorbau vor den Kasteneingang gestellt werden, dass die Hummeln die Zuckerlösung beim Herauskommen mit den Fühlern wahrnehmen können; der Eingang darf dabei jedoch nicht versperrt werden Ist das Futter angenommen, können die Gefäße vom Eingang etwas abgerückt werden. Größere Gefäße können ins Innere des Nistkastens gestellt werden. 

                                                        9

 

  

Zur Umsiedlung in einen neuen Lebensraum:

Ist der neue Aufstellungsort näher als ca. 3 km vom alten Nistplatz entfernt, muss damit gerechnet werden, dass ein Teil der Hummeln wieder dorthin zurückfliegt. Durch mehrmaliges Fangen und: Zusetzen erreicht man aber bald, dass auch diese Hummeln sich den neuen Stand merken. Man mache es sich überhaupt stets zur Pflicht, nach jeder Umquartierung mit anschließender Umsiedlung in einen neuen Lebensraum in den nächsten 2-3 Tagen nochmals den alten Nistplatz aufzusuchen, um evtl. zurückgebliebene Arbeiterinnen zu fangen und dem Nest zuzusetzen, denn bei den wenig volkreichen Hummelnestern ist jede Arbeiterin wichtig.

Die gefangenen Hummeln dürfen bis zum Zusetzen nicht in Glasbehältern oder ähnlich glatten Gebilden aufbewahrt werden, da sie sich sonst zu sehr abnutzen; am besten eignen sich die bereits erwähnten Pappschachteln mit Ansatzröhre. 

                                                       10

Aufstellung des Nistkastens:

Bei der Aufstellung des Nistkastens muss auf die Umweltansprüche der betreffenden Hummelart Rücksicht genommen werden. Grundsätzlich wird der Nistkasten an möglichst geschützten Plätzen aufgestellt, so dass er gegen Regen, Wind und zu intensive Sonnenbestrahlung geschützt ist. Damit die Hummeln nicht so leicht von Ameisen, Schnecken und Mäusen belästigt werden können, sollte der Nistkasten auf eine ca. 50 - 60 cm hohe Unterlage gestellt werden. Günstig für die Aufstellung sind Stadt- oder Dorfrandgebiete oder abseits der Siedlungen gelegene Grünflächen in Waldesnähe mit Taubnesselvorkommen, Weidenkätzchen, Obstbäumen, Klee und Wickenbeständen. Dort lassen sich auch noch die Arten des offenen Feld- und Wiesengeländes halten. Die Völkchen können zu Bestäubungszwecken usw. auch an neue Aufstellungsorte gebracht werden. Der neue Aufstellungsort sollte aber mindestens 3 km entfernt sein. Die Hummeln fliegen sich am neuen Platz genau wie Bienenvölker wieder ein. Bei Aufstellung mehrerer Völker müssen die Nistkästen mit Farbe oder durch unterschiedliche Fluglochgestaltung markiert werden, um den Hummeln eine bessere Orientierung zu ermöglichen.

Die geschilderte Methode der Umquartierung von Hummelnestern aus der Natur in einen Nistkasten ist dann angebracht, wenn die Jahreszeit schon zu weit fortgeschritten ist, um Hummelköniginnen zur Nestgründung in den Nistkästen zu veranlassen   oder wenn ein durch Baumaßnahmen o. ä. gefährdetes Hummelnest in Sicherheit gebracht werden soll. Auch vom Dachs usw. ausgegrabene und ihrer Waben beraubte Völkchen lassen sich in Nistkästen umquartieren. Bei regelmäßiger Fütterung ziehen sie zuweilen noch ziemlich viele Arbeiterinnen und Geschlechtstiere auf.



                                                       11

Die Besiedlung des Nistkastens mit einer nestsuchenden Hummelkönigin

 

 

Vorbemerkung:
Auch hierbei sind die Naturschutzvorschriften zu beachten. Eine Einsperrung von Hummelköniginnen, um diese gleichsam "unter Zwang" zur Nestgründung zu veranlassen, wäre ein Verstoß gegen die Naturschutzvorschriften und führt im übrigen oft genug entweder gar nicht zum Erfolg oder zu erheblich verzögerter Nestgründung.

Ich möchte hier eine bewährte Ansiedlungsmethode mit sofortiger freier Ausflugmöglichkeit empfehlen, welche den Vorzug hat, dass ungeeignete Hummelköniginnen sogleich wieder abfliegen können, so dass keinerlei Schäden angerichtet werden können. Gerade diese Methode dürfte jedem Naturfreund die Freude und Spannung vermitteln, wie sie eben nur bei der Beobachtung freier Tiere möglich ist. 

                                                       12

Vorbereitung des Nistkastens für die Besiedlung mit einer nestsuchenden Königin:

Die Inneneinrichtung des Nistkastens soll die Bedingungen nachahmen, wie sie in einem Mausenest mit Gang, Nesthöhle und Nestmaterial herrschen. Die Annahme ist dann sowohl bei den nur unterirdisch nistenden Arten als auch bei den übrigen Arten am sichersten.

Der Hummelnistkasten wird daher komplett (ggfs. mit Einlaufröhre und Trennschied mit dem verkleinerten Nistraum) bereitgestellt. Der Nistraum wird ähnlich, wie unter S. 5 beschrieben, eingerichtet. In die angelegte Mulde von ca. 20 - 25 cm Durchmesser und ca. 5 cm Tiefe bringen wir jedoch locker ein Häufchen fein zerzupfte Polsterwolle oder ähnlich geeignetes Nestmaterial auf (Durchmesser ca. 20 cm, Höhe ca. 15 cm, s. Nistkastenzeichnungen S. 4).

Gegenüber dem Nistraumeingang bohren wir mit dem Finger ein Loch in das Nestmaterial, so dass die Hummelkönigin gleich nach dem Einlaufen einen Zugang in das Innere des Materials findet. Man kann auch - muss es aber nicht - aus Gründen der Reinhaltung des Brutraumes diesen mit Wellpappe oder Papier auskleiden. Den so vorbereiteten, lichtdicht mit Deckel und Dach verschlossenen Hummelnistkasten stellen wir am vorgesehenen Platz auf. 


 

                                                       13

 

Geeignete Königinnen:


Die Besiedlung des Nistkastens sollte möglichst frühzeitig im Frühjahr, sofort nach den ersten Beobachtungen von Königinnen der gewünschten Hummelart, geschehen. Die Annahme der Nistgelegenheit gelingt dann mit großer Wahrscheinlichkeit. So lassen sich z.B. nestsuchende dunkle und helle Erdhummel-Königinnen (Bombus terrestris und B. lucorum) im März oder April sehr leicht zur freiwilligen Annahme des Nistkastens bewegen.

Im Mai oder gar Juni nehmen selbst noch so eifrig am Boden herumsuchende Weibchen der genannten Arten den Kasten oft nicht mehr an. Die betreffenden nestsuchenden Hummelköniginnen befinden sich dann in der Mehrzahl in einer ungeeigneten Suchstimmung. (Es sollte dann auf die Ansiedlung später erscheinender Hummelarten übergegangen werden).

Man kann nämlich feststellen, dass Hummelköniginnen während des Frühjahrs nacheinander 1 bis 4 Stimmungslagen durchlaufen können, die zu ganz gleichartigem Suchverhalten führen. 

                                                       14

 

Stimmungslagen der Königinnen bei der Nestsuche:

 

1. Stimmungslage


Die Königin ist kürzlich aus dem Winterquartier hervorgekommen, hat noch kein Nest und beginnt jetzt nach einem zu suchen. Sie gibt sich mit einem verlassenen Mausenest mit Nestmaterial an geeigneter Stelle oder dem vorbereiteten Nistkasten zufrieden.

2. Stimmungslage

Die Königin hat schon eine ihr zusagende Nistgelegenheit gefunden und sich ihren Standort eingeprägt. Sie kann sich jedoch nicht sogleich auf deren Besiedlung umstellen und sucht "zum Schein" weiter. (Dies trifft besonders häufig für Bombus terrestris zu). Solche Königinnen nehmen andere Nistgelegenheiten allein mit Nestmaterial nicht mehr an. Durch Zugabe von Brutwaben der eigenen oder einer verwandten Art lassen sie sich zuweilen noch umstimmen. Sie beziehen normalerweise nach einiger Zeit (manchmal erst nach 10 Tagen) den erstgefundenen Nistplatz. Es ergibt sich daraus, dass man nestsuchende Hummelköniginnen zum Einbürgerungsversuch nicht weiter als ca. 250 m vom Fundort wegbringen sollte, weil sie sonst ihren evtl. schon gefundenen Nistplatz nicht mehr wieder finden.


3. Stimmungslage ("Okkupationsstadium")

Die Königin hat im Laufe der Nestsuche ein bereits gegründetes Hummelnest mit Brutwaben (mit oder ohne Arbeiterinnen) der eigenen oder einer nahestehenden Art gefunden. Sie hat jetzt nur noch den Trieb, dieses Nest zu okkupieren; für eine normale Nestgründung .i. S. von Stimmungslage 1 ist sie jetzt gleichsam "verdorben". Die Situation endet gewöhnlich mit dem Tod entweder der eigentlichen Nestmutter oder der Okkupantin durch einen Kampf. Vor der Okkupation zeigt die zum  Eindringen entschlossene Königin ein intensives Such-Verhalten im näheren Umkreis um das von ihr aufgefundene Hummelnest herum.

4. Stimmungslage

Die Königin hatte bereits ein Nest gegründet oder okkupiert und es dann aus irgendwelchen Gründen verloren. Sie sucht erneut nach einem Nest, nimmt jedoch keine Nistgelegenheit mit bloßem Nestmaterial mehr an, sondern bezieht nur noch ein Nest. in dem sich bereits Waben der eigenen oder einer nahe stehenden Art befinden - sie wird aus ihrer Notlage heraus also auch schließlich zur Okkupantin.
Zur Besiedlung eines Nistkastens ohne Brutwaben sind nach alledem also nur Hummelköniginnen geeignet, die sich in der 1 Stimmungslage befinden. Nestsuchende Königinnen in allen Stimmungslagen sind aber auch dazu geeignet, verloren gegangene Nestmütter nahe stehender Arten zu ersetzen.

 

 

 

                                                       15

 

Selbständige Besiedlung des Nistkastens durch eine nestsuchende Königin:

 

 

Die Fluglöcher am Hummelnistkasten sind deshalb seitlich versteckt am Vorbau angebracht, damit sie durch Kuckuckshummeln, die parasitär in Hummelnestern leben und dort ihre Brut aufziehen lassen, nicht so leicht aufgefunden werden können.
Auch nestsuchenden Hummelköniginnen würden im ersten Jahr der Besiedlung diese versteckten Eingänge nur selten von alleine finden. Wollen wir dennoch erreichen, dass eine Hummelkönigin von selbst den vorbereiteten Nistkasten bezieht, empfiehlt es sich, zunächst die Klappe am Vorbau weit zu öffnen und erst nach eindeutiger Besiedlung am späten Abend zu schließen, wenn die Königin im Nest ist. Sie kann sich am nächsten Morgen durch eines der seitlich am Vorbau angebrachten Fluglöcher neu einfliegen. 

                                                       16

Das Zusetzen einer nestsuchenden Königin in den Nistkasten:

In der Nähe von Trachtquellen (z.B. blühenden Weidenkätzchen, Taubnesseln, Rotklee, Ackerbohnen und Wicken) ist meist bald ein nestsuchendes Weibchen, im Zickzack dicht am Boden herumfliegend, zu finden. Wenn es sich gesetzt hat, geht man vorsichtig herbei und fängt die Hummel sanft mit beiden Händen, und zwar in der Weise, dass die Hummel vom Boden in die ringförmig zusammengehaltenen Hände hineinklettern muss. Erst brummt die Hummel vielleicht noch nervös, lässt auch ein scharfes Verteidigungssirren hören, beruhigt sich dann aber schnell. Die Königinnen knabbern höchstens mit ihren Mandibeln etwas an der Hand herum, um sich zu befreien - stechen aber gewöhnlich nicht, sofern sie nicht gedrückt oder angeatmet werden. Ruhig geht man zum Nistkasten, nimmt die Königin in die hohle rechte Hand, öffnet die Klappe des Vorbaues, hält eine Pappröhre (z.B. eine selbst aus einem Pappstreifen hergestellte Pappröhre, Durchmesser ca. 2,5 cm, Länge etwa 8 - 10 cm) vor den im Innern des Vorbaues befindlichen und sonst schlecht zu erreichenden Nistkasteneingang und lässt die Hummelkönigin durch diese Ansatzröhre in den Kasten bzw. in den Gang, der beim Kasten mit Vorraum und Trennschied zum Nistraum führt, laufen.

Nach dem Einlaufen der Hummelkönigin bleibt die Hand mit der Ansatzröhre noch vorsichtshalber ca. 1/2 Minute vor dem Nistkasteneingang, damit die Hummel nicht durch plötzlichen Lichteinfall gestört wird, sofort wieder umkehrt und abfliegt. Dann schließt man die Klappe des Vorbaues, entfernt sich mindestens zehn Meter und nimmt hinter einem Busch oder Baum Deckung, um die Hummel beim Herauskommen nicht zu irritieren. Nach etwa 10 - 15 Minuten erscheint sie am Flugloch des Vorbaus. War sie in einer ungeeigneten Stimmungslage, fliegt sie ohne Orientierungsflug einfach ab. Ist sie hingegen geeignet, dreht sie sich um, steckt ihren Kopf nochmals in den Eingang, fliegt auf, steht fast still in der Luft dicht vor dem Einflugloch mit zum Nistkasten gerichteten Kopf, schwenkt kurz nach links, dann nach rechts, zieht einen Kreis nach links, einen nach rechts, zieht Halbkreise und größere Kreise, steigt höher und kreist weiter: Sie prägt sich das Flugloch und den Standort des Nestes  ein, hat also den Nistkasten angenommen!
Nach ca. 1/2 Stunde, manchmal auch erst nach einigen Tagen, bezieht diese Hummel unseren Nistkasten. Die ersten 5 Tage nach der Besiedlung ist die Königin besonders empfindlich gegenüber Störungen; eine vorzeitige Nachschau kann sie zum Auszug aus dem Nistkasten veranlassen.

Nachdem eine Königin einen Orientierungsflug als Zeichen der Annahme des Nistkastens ausgeführt hat, darf dem Nistkasten auch dann, wenn er zunächst noch nicht gleich bezogen wird, innerhalb der nächsten 10 Tage keine weitere Hummel mehr zugeführt werden - manche Königinnen beziehen den Nistkasten nämlich erst nach ca. 10 Tagen und es könnte dann zu Stechereien zwischen den Königinnen kommen.

Kurz nach der erfolgreichen Besiedlung des Nistkastens beginnt die Königin in zunehmendem Maße Pollenhöschen anzuschleppen (Beginn des Brutgeschäftes!) und abends sehen wir sie oft mit voller Honigblase schwer beladen heimkehren.

Nach ca. 20 Tagen erscheinen die ersten Arbeiterinnen, und es ist reizvoll, zu sehen, wie sich die im Verhältnis zur Nestmutter winzigen Tierchen einfliegen und Nektar und z.T. riesige Pollenhöschen heranschleppen.

Im Laufe des Sommers verstärkt sich der Flugbetrieb mit dem Anwachsen der Insassenzahl immer mehr. Schließlich sieht man, vor allem in den Vormittagsstunden, wie sich auffallend große Hummeln einzufliegen beginnen: Die ersten Jungköniginnen!
Auch Drohnen fliegen jetzt in den Morgenstunden ab - im Gegensatz zu den Jungköniginnen aber ohne Orientierungsflug. Damit besteht die erfreuliche Gewissheit, dass dieses Hummelvolk seine Aufgabe der Arterhaltung erfüllen konnte.' Allerdings ist dann auch der Zeitpunkt des natürlichen Absterbens des Volkes nicht mehr fern. 

                                                       17

Kontrollmaßnahmen:

Gerade die stärksten Hummelvölker (aber auch schwache) können von den Raupen der Hummelwachsmotte (Aphomia sociella) befallen werden. Deshalb ist darauf zu achten, dass der Nistkasten immer gut abgedichtet ist. Da die starken Hummelvölker meist dis Flugloch gut bewachen, versucht die Hummelwachsmotte nämlich, ihre Eier von außen durch jede Spalte in  Wabennähe in den Kasten zu legen. Gelingt ihr das, ist das Volk meistens ohne aufwendige Gegenmaßnahmen verloren, auch wenn es noch so stark ist. Es ist daher empfehlenswert, ab Mitte Mai die Hummelvölker 1 - 2 mal pro Woche bis auf die Waben herunter sowie den gesamten übrigen Nistkasteninnenraum auf Befall zu kontrollieren.

Eine Haltung und (die damit gewöhnlich verbundene) Vermehrung der Baumhummel (Bombus hypnorum) sollte möglichst vermieden werden, da die Völker dieser vitalen Hummelart unverhältnismäßig oft von den Raupen der Hummelwachsmotte befallen werden. Wer B. hypnorum vermehrt, sorgt somit zugleich für die massive Vermehrung dieser Motte - mit höchst gefährlichen Folgen auch für die Völker der anderen Hummelarten.

Wegen der Gefahr des Wachsmottenbefalls dürfen die Hummelnistkästen nicht zu klein sein, weil sonst die Waben zu dicht am Flugloch anliegen. Infolge des intensiveren Nestgeruchs werden die Völker dann besonders leicht von der Hummelwachsmotte aufgefunden. Deshalb werden hier auch relativ große Nistkästen (s. S. 4) empfohlen, um einem Befall vorzubeugen.
Nachdem auch der Einsatz von Lavendel und Zedernholz keine sichere Abhilfe ergeben hat, bietet nach den bislang hier vorliegenden Erfahrungen folgendes Verfahren sichere Hilfe vor einem Befall: Rund um das Flugloch wird Polsterwolle   angeklebt. Durch diese wird mit dem Finger ein Zugang zum Flugloch hin gebohrt. Am Abend nach Einstellung des Fluges der Hummeln (im Sommer ab ca. 22h15. Die Hummelwachsmotten fliegen nur in der Dämmerung und Dunkelheit; Flugzeit von ca. Mitte Mai bis Mitte August) wird dieser Zugang mit einer dünnen Schicht Polsterwolle dicht schließend so fein abgedeckt, dass sich die Hummeln am nächsten Morgen wieder von selbst befreien können. Eine weitere Hilfe könnten sog. „Mottenklappen" bieten (Informationen im Internet). Sie bieten den Vorteil, dass sie auch bei örtlicher Abwesenheit des betr. Hummelschützers Schutz bieten. Voraussetzung ist aber, dass die Nistkästen dann zusätzlich zur Flugloch-Belüftung eine Extra-Belüftungsmöglichkeit bieten. Sollte ein Volk von den Raupen der Hummelwachsmotte befallen sein, müssen die Brutwaben sowie der gesamte Kasteninnenraum gründlich von diesen gefährlichen Parasiten gereinigt werden.
Anschließend versieht man die Nistkästen wieder mit vollständig neuer Kleintiereinstreu sowie mit neuem Nestmaterial, richtet den Nistkasten also wie zu einer Neubesiedlung her. In das frische Nestmaterial werden dann die von den Wachsmottenraupen peinlich genau gereinigten Waben eingebettet. Eine nochmalige intensive Kontrolle im Abstand von wenigen Tagen ist anzuraten, um evtl. übersehene bzw. nachgeschlüpfte Raupen zu entfernen. (Zwar würde auch der Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten Hilfe bieten, doch ist das Risiko des Übergangs einer Mutante auf die Bienen- oder Hummelbrut nicht ganz auszuschließen, sodass mir eine allgemeine Empfehlung als zu riskant erscheint).

Sollte ein Hummelnest mit der noch einzelnen Königin von dem kleinen braunen Käfer Antherophagus nigricornis und dessen Larven befallen sein, besteht ähnliche Gefahr und es ist wie bei Wachsmottenbefall zu verfahren. Findet man Kuckuckshummeln im Hummelnest, so kann man sie 10 - 15 km im Auto mitnehmen und dann freilassen. Bei dieser Entfernung finden sie nicht mehr zurück.

 

 

                                                        18

Pflegemaßnahmen:


Wenn die Hummelvölker in den Nistkästen im Herbst eingegangen sind, sollte die Inneneinrichtung einschließlich der Kleintiereinstreu entfernt und verbrannt werden. Dort befinden sich oft viele Parasiten oder deren Larven, die dann im nächsten Jahr die Völker besonders schwer schädigen können. Der Nistraum und das Trennschied sollten gut gereinigt, die Einlaufröhre durch eine neue ersetzt werden. Man kann sich die Reinigung des Innenraumes erleichtern, wenn er - wie vorher schon erwähnt - mit Wellpappe o.ä. ausgekleidet wird, so dass die Hummeln nicht direkt gegen die Wände des Nistraumes koten können. Vor der Neueinrichtung müssen sonst die Innenwände sowie das Flugloch des Nistkastens und dessen Umgebung mit einer Heißluftpistole (Luftaustritt ca. 500 °C) desinfiziert werden, um etwaige Nosemasporen u a. Keime abzutöten. Obwohl manche Hummelarten weniger wetterempfindlich als Honigbienen sind, bilden Schlechtwetterperioden mit längeren Regenfällen und Kälte doch jedes Mal eine Gefahr für den Fortbestand eines Hummelvolkes, weil die Vorratsbildung gerade unter den heutigen schlechten Trachtverhältnissen meist nur gering ist.

Besonders gefährdet sind die Völkchen im Anfangsstadium. Zeitig im Frühjahr kommt es besonders darauf an, dass in der Nähe ein lückenloses Trachtangebot vorhanden ist. Den Anschluss an die Weidenblüte bildet die Blüte der Zierjohannisbeeren, der Stachelbeere oder der schwarzen Johannisbeere. Es folgen Taubnesseln, Obst, Löwenzahn, Raps, Beinwell, Himbeere, Wicken und Kleearten. Fehlt ein Glied im Angebot, können die Völker verhungern.

Auch unter günstigen Bedingungen ist hinsichtlich der Königin zu berücksichtigen, dass diese durch den Trachtflug jedes Mal wieder vielerlei Gefahren ausgesetzt ist. Es ist daher zu empfehlen, die Königin, beginnend mit der ersten  Schlechtwetterperiode nach der Einbürgerung oder, wenn eine Trachtlücke droht, mit Zuckerlösung 1 : 1 oder Api-Invert, 1/3 verdünnt mit Wasser (erhältlich in Imkerei-Geschäften) durchgehend zu füttern, bis die Arbeiterinnen den Flugbetrieb übernehmen.
Die Fütterung der Königin darf nicht unterbrochen werden, da sie sich in Kürze so daran gewöhnt, dass sie bei einer Fütterungspause die ganze nähere Umgebung immer wieder absucht, dabei sogar in benachbarte Nistkästen eindringt und bei der Suche verunglücken kann.

Später, wenn die Arbeiterinnen fliegen, braucht nur dann gefüttert zu werden, wenn Schlechtwetterperioden einen  erfolgreichen Trachtflug unmöglich machen oder keine Tracht vorhanden ist. Schon an den heimkehrenden Arbeiterinnen lässt sich erkennen, ob Trachtmangel besteht. Wenn die Arbeiterinnen mit gefüllter Honigblase und somit prallem und schwer herabhängendem Hinterleib oder mit dicken Pollenhöschen zum Nest zurückkehren, ist alles in Ordnung. Wirken sie leer und matt, muss gefüttert werden.

Rechtzeitig zugefütterte Völker werden deutlich volkreicher als sich selbst überlassene und ziehen eine größere Zahl von Geschlechtstieren auf. Das ist für die Vermehrung sehr wichtig.

Die Geschlechtstiere können bei gefütterten Völkern allerdings etwas früher erzeugt werden als bei den Nestern, die sich   selbst überlassen bleiben. Damit sie genügend fremdblütige Partner für die Paarung finden, empfiehlt es sich, von jeder Art 2 - 3 Völker zu halten. 


                                                       19

Die Vorbereitung auf das nächste Jahr: 

 

Wenn die Hummelvölker in den Nistkästen im Herbst eingegangen sind, sollte die Inneneinrichtung einschließlich der Kleintiereinstreu entfernt und verbrannt werden. Dort befinden sich oft viele Parasiten oder deren Larven, die dann im nächsten Jahr die Völker besonders schwer schädigen können. Der Nistraum und das Trennschied sollten gut gereinigt, die Einlaufröhre durch eine neue ersetzt werden. Man kann sich die Reinigung des Innenraumes erleichtern, wenn er - wie vorher schon erwähnt - mit Wellpappe o.ä. ausgekleidet wird, so dass die Hummeln nicht direkt gegen die Wände des Nistraumes koten können. Vor der Neueinrichtung müssen sonst die Innenwände sowie das Flugloch des Nistkastens und dessen Umgebung mit einer Heißluftpistole (Luftaustritt ca. 500 °C) desinfiziert werden, um etwaige Nosemasporen u a. Keime abzutöten.



                                                       20

                                                                             

                                                                             

 

Maßnahmen bei der Rückkehr überwinterter Königinnen:

Wenn der Wunsch besteht, dass die Nistkästen wieder von alleine von überwinterten Königinnen besiedelt werden sollen, müssen diese im nächsten Jahr in genau der gleichen äußeren Gestaltung am alten Platz bereitgestellt werden wie im Jahr zuvor. Die neu hergerichtete Inneneinrichtung irritiert die Königinnen nicht. In vielen Fällen erscheinen sogar mehrere Königinnen, um den Nistkasten zu beziehen, was dann zu Stechereien führen kann. Sollte man nicht genügend Zeit haben, um die Besiedlung der Nistkästen zu überwachen, kann es sogar zweckmäßig sein, die Kästen an einer anderen Stelle zu  platzieren, um Stechereien zwischen den rivalisierenden Königinnen und Verluste zu vermeiden.

 

 

                                                       21


Schlußbemerkung:

Abschließend soll nochmals auf den starken Rückgang der Hummelpopulation hingewiesen werden. Jede Hummelhaltung sollte daher nicht nur auf den Nutzen oder das Vergnügen des Halters ausgerichtet sein, sondern auch auf den Schutz, die Erhaltung und möglichst auch die Vermehrung der örtlichen Hummelvorkommen. Wer den Hummeln helfen will, sollte daher nicht allein an die Bereitstellung von schützenden Nistkästen denken, sondern auch nach Möglichkeit geeignete Blütenpflanzen für die Hummeln heranziehen. Gut geeignet für alle Hummelarten sind: Kätzchenweide (z.B. Salix caprea m.), Zierjohannisbeere (z.B. Ribes sanguineum atrorubens) Stachelbeere und schwarze Johannisbeere, Rote, Gefleckte und Weiße Taubnessel (Lamium purpureum, L. maculatum und L. album), Kirsche, Himbeere, Beinwell, Weiß- und Rotklee und Wicken (neben den Kleearten hat sich die Winterwicke (vicia villosa) gut bewährt).

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich etwas Land pachten und dort Blütenpflanzen für die Hummeln anbauen, um damit einen weiteren, besonders wirksamen Beitrag zur Erhaltung der verschiedenen Hummelarten, dieser liebenswerten und nützlichen Insekten, zu leisten.

Setzen Sie sich im übrigen für einen besseren Schutz der Saum- und Kleinbiotope in der Feldmark ein. Das Ausheben von  Gräben und der Einsatz von Schlegelmähern sollten dort in der Zeit zwischen 1. März und 30. September verboten werden (erweiterter Schutz von Lebensstätten). Ferner muss das Abpflügen über die Eigentumsgrenze hinaus vom Gelände der Saumbiotope sowie das unzeitige Mähen nur aus falscher Ordnungsliebe zur Hauptblütezeit auf dem Gelände der Saumbiotope unterbunden werden. In wenigen Jahren wird es bereits für die Hummeln der Offenlandschaft zu spät sein ---. 

 

 

 

                                                       22

Zusatzinformationen

Sollten Sie zunächst die Königinnen zur Einbürgerung in den beschriebenen Nistkasten noch nicht mit der ungeschützten Hand zusetzen wollen, wäre dies auch mit einer Röhre (Innendurchmesser ca. 3,5 cm mit einem an einem Stiel befindlichen „Schiebekolben") möglich. Am ruhigsten bleiben die Tiere aber in der ungeschützten Hand, da sie sich in der Wärme wohlfühlen. Wenn Sie für Ihre Haltungszwecke nur Königinnen dem Nistkasten zuführen, die auf Ihrem Grundstück oder in dessen Nähe nach Nistgelegenheiten suchen, werden Sie auch die für Ihren Bereich geeigneten Arten ansiedeln können.

Sehr günstig für die Haltung und Erhaltung der Hummeln wäre es, wenn Sie auf ihrem Grundstück oder in dessen Nähe (bis ca. 400 - 500 m Entfernung v. Grundstück) geeignete Trachtpflanzen anbauen könnten, so dass eine Trachtpflanzenkette für die sehr unter dem Mangel an Blütenpflanzen leidenden Hummeln entstünde. In entspr. zeitlicher Reihenfolge blühen z.B.: Kätzchenweide, Zierjohannisbeere, Rote, Gefleckte und Weiße Taubnessel, Kirsche, Apfel, Himbeere, Beinwell, Wicken, Weiß- und Rotklee. Es sollten mindestens 3 - 4 Büsche bzw. Bäume der genannten Arten und ca. 750 - 1000 qm für die übrigen feldmäßig anzubauenden Trachtpflanzen für ca. 5 Völker berechnet werden.

Das Vorhandensein einer derartigen Trachtpflanzenkette macht im Allgemeinen eine künstliche Fütterung der Hummeln überflüssig. Es ist immer besser, wenn sich die Tiere aus eigener Kraft zu erhalten vermögen; ich habe die sicher nicht ganz unbegründete Sorge, dass bei künstlicher Fütterung auf längere Sicht eine negative Auslese gefördert werden könnte.
Selbstverständlich sollten die Nachbarn auf die Einhaltung der Bienenschutzverordnung achten - sonst ist alle Mühe vergeblich. Gerade die Hummeln befliegen die Gartenbereiche besonders intensiv und sind daher dort beim unsachgemäßen Einsatz von Bioziden auch besonders gefährdet.
Für die Ansiedlung der Hummelköniginnen möchte ich Ihnen noch einige zusätzliche Hinweise geben:

 

 

1. Zur Annahme der Nistkästen ist das Vorhandensein einer Trachtquelle in der Nähe und geeignete Witterung erforderlich; hungernde Königinnen beziehen die Nistkästen nicht - das ist z.B. der Fall bei länger andauernden Kälteeinbrüchen (Nordwetterlage), weil dann viele Trachtpflanzen die Nektarsekretion einschränken. - Auch Königinnen, welche von   Sphaerularia bombi (Nematode; befällt die Königinnen in den Überwinterungsquartieren) oder schon größeren Larven von Syntretus splendidus (kleine Brackwespe) befallen sind, nehmen keine Nistgelegenheiten mehr an. (Ein Befall mit Larven von Syntretus splendidus ist auch häufig der Grund, weshalb Hummelköniginnen ihre Nester - manchmal kurz vor dem Schlupf der ersten Brut - verlassen).

2. Die Abdeckung über dem Nistkasten sollte lichtdicht schließen.

3. Nach dem Einlaufenlassen der Königin in den Nistkasten sollte stets beobachtet werden (bitte daran denken: Mindestens 10 m Abstand vom Nistkasten halten und zusätzlich Deckung hinter einem Strauch o.ä nehmen, damit der Orientierungsflug  nicht abgebrochen wird !), ob die Königin auch einen Orientierungsflug (s. S.11 des Aufsatzes) ausführt. Führt die Königin  keinen Orientierungsflug aus, können noch 1 bis 2 weitere Königinnen dem Nistkasten zugeführt werden. Sollten auch diese wegen mangelnder Eignung (krank, parasitiert, ungeeignetes Suchstadium, Hunger) den Orientierungsflug "verweigern", muss das Nestmaterial herausgenommen und neu aufgelockert und zerzupft werden, bevor es wieder in die Nesthöhle eingebracht wird. (Wenn das Nistmaterial zuvor schon von zu vielen fremden Königinnen belaufen worden war, wird es schließlich von nachfolgenden Königinnen nicht mehr akzeptiert.)

Bei geeigneter Witterung und Tracht in der Nähe nehmen aber ca. 90 % der geeigneten Königinnen die beschriebenen Nistkästen an. Hat eine Königin ihren die Annahme des Nistkastens dokumentierenden Orientierungsflug ausgeführt, ist es außerordentlich reizvoll, ja geradezu spannend, abzuwarten und zu beobachten, wie die betr. Königin gewöhnlich bald (nach  ca. 15 - 30 Minuten) aus eigenem Antrieb zum Nistkasten zurückkehrt, wie sie vor allem abends schwer beladen mit Nektar in den Nistkasten einfliegt und schließlich in zunehmendem Maße mit oft riesigen Pollenhöschen (Brutpflege!) heimkehrt.

Nachdem eine Königin einen Orientierungsflug ausgeführt hat, darf selbstverständlich dem Nistkasten keine weitere Königin mehr zugesetzt werden; das gilt auch, wenn die Königin den Nistkasten nicht gleich beziehen sollte - in diesem Falle sollte man mindestens 10 Tage den Kasten für diese Königin freihalten (vgl. S. 12 des Aufsatzes). Vor allem Bombus lapidarius ("Steinhummel`: Große schwarze Hummel mit tiefrotem Hinterleibsende) läßt sich nicht selten so lange Zeit bis zum Beziehen des Nistkastens. Da man in einem solchen Falle den Zeitpunkt der Rückkehr der Königin nicht so genau voraussehen kann, empfiehlt es sich, zur Kontrolle zwischen dem Flugloch des Vorbaus und dem Nistkasteneingang ein von der Hummel leicht zu verschiebendes Zeichen (z.B. etwas Moos) im Vorbau anzubringen. Ist dieses Zeichen nach mehr als 10 Tagen unverändert, kann ein erneuter Besiedlungsversuch unternommen werden.


4. Wie fängt man eine Königin und setzt sie einem Nistkasten sachgerecht zu?

Die meisten Schwierigkeiten bereitet vielen Hummelfreunden zunächst der sachgerechte Fang einer Königin. Manche machen den Fehler, die Königinnen vom Boden "abstreifen" zu wollen. Dabei wird das betr. Tier erschreckt, meistens auch gedrückt, es regt sich zumindest so auf, dass ein erfolgreiches Zusetzen unmöglich ist - oder es sticht und wird spätestens dann von dem nun völlig demotivierten Fänger losgelassen.

Wie geht man nun richtig vor? Zunächst hält man die Hände kreisförmig zusammen, und zwar in der Weise, dass die Finger der linken Hand über die gebogenen Finger der rechten Hand - etwa bis zu deren Kuppe - fassen. Der zum Körper zeigende Teil des "Ringes" kann zunächst noch ca. 5 cm offen bleiben. Die so kreisförmig gehaltenen Hände senkt man nun vorsichtig über die Hummel und schließt dabei den Kreis enger. Oben und unten ist der nun um die Hummel gebildete Ring zunächst noch offen. Die Hummel muss nun von selbst die Hand besteigen; hat sie etwa die Mitte der Handflächen erreicht, wird der Ring oben und unten geschlossen - die Hummel hat freiwillig die Hand bestiegen und bleibt daher verhältnismäßig ruhig (sofern sie vom Fänger nicht angeatmet wird!). Da die Finger der rechten Hand in der linken Hand ruhen, ist es jetzt recht leicht, die rechte Hand um die Hummel zu schließen, wenn diese sich gerade einmal im Bereich der rechten Handfläche befindet. Auf diese Weise kann man schließlich die Königin von der rechten Hand aus über das Ansatzröhrchen durch den Nistkasteneingang in den Kasten laufen lassen. Nach einiger Übung beherrscht man diese Technik sehr leicht.

5. Der Vorteil der geschilderten Methode besteht vor allem darin, dass sie völlig auf eine Einsperrung der Königinnen verzichtet, so dass auch kein Schaden angerichtet werden kann. Da es sich bei der beschriebenen Methode insgesamt nur um das „Zeigen" einer schützenden Nistgelegenheit handelt ohne Einsperrung, ist ein Verstoß gegen die bestehenden Naturschutzgesetze nicht gegeben.


------ BITTE DIESES WERK BITTE UNVERÄNDERT AN ANDERE INSEKTENFREUNDE  

         WEITERGEBEN ! ------

        
Überarbeitete Ausgabe Team Hornissen- und Hummelschutz © 2007

 

 

  

Dieser Beitrag wurde von Hummelfreund Karsten Grotstück aus Kassel / Nordhessen zur Verfügung gestellt.